Kochen, putzen, Kinder betreuen – um ihre unbezahlte Arbeit sichtbar zu machen, gingen in Stuttgart hunderte Frauen auf die Straße.

,,Care-Woche? Nein, danke!“ und „Macker entmachten“ heißt es auf zwei der vielen Schilder, die am 9. März auf dem Stuttgarter Schlossplatz in die Luft gehalten werden. Etwa 500 Personen sind an diesem Tag zum Frauenstreik gekommen, der vom Töchterkollektiv und anderen Organisationen in über 80 Städten kurz nach dem internationalen Weltfrauentag veranstaltet wird.

 

Ziel der Kundgebung ist es, auf strukturelle Benachteiligung von Frauen, zum Beispiel in der Bezahlung, und auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Auch die sogenannte „Care-Arbeit“, also die Sorge für Kinder oder ältere Angehörige, ist eines der vielen Themen, das sichtbar werden soll.

Redebeiträge von Vereinen und Verbänden

„Ich stehe vor euch, weil ich es satt habe, mich um alles zu kümmern, außer mich selbst“, sagte Jennifer Reaves. Die Gründerin des „Bitch-Fests“ spricht in ihrer Rede über die unbezahlte Arbeit, die viele Frauen meist unsichtbar im Hintergrund erledigen – von Kochen und Putzen über Einkaufen bis hin zur Organisation von Terminen. Das Frauenkollektiv etwa will patriarchale Strukturen abschaffen und fordert eine sichere Gesellschaft für Frauen.

Neben den Beiträgen von Vereinen und Verbänden auf der Bühne, die vom Publikum mit lautem Applaus bejubelt wurden, gibt es für die Anwesenden auch Mitmach-Aktionen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können auf Karteikarten anonym oder öffentlich ihre persönlichen Erfahrungen schildern und in eine Box einwerfen. Diese wird dann an das Töchterkollektiv überreicht, genauso wie die „Wand der Benachteiligung“.

Zwischen zwei Pavillons, in denen auch Informationsmaterial bereitgestellt wird, ist ein Laken gespannt, auf das viele der Frauen Schlagwörter zu struktureller Benachteiligung schreiben können. Am Ende der Veranstaltung ist die „Wand der Benachteiligung“ gut gefüllt mit Stichpunkten wie zum Beispiel „medizinische Forschung“, „Altersarmut“ oder „Jobverlust“.

Gründe für die Teilnahme am Frauenstreik

Michelle und Cornelia kommen aus dem medizinischen Bereich. Sie nehmen am Streik teil, weil sie höhere Löhne fordern. Auch liegt ihnen die Frauengesundheit am Herzen. Sandra und Saskia sind dabei, „um gegen die patriarchalen Strukturen zu kämpfen, damit Frauenrechte selbstverständlich sind und werden und um ihre Wut herauszulassen“. Am meisten stört sie, dass es im Alltag oft so dargestellt werde, als seien Frauen das Problem. Sie würden von Männern nicht ernst genommen oder belächelt und dürften sich täglich Kommentare wie „jetzt lächle doch mal, das sieht viel schöner aus“ anhören.

Auch ein paar Männer hatten sich unter die Teilnehmenden gemischt. Foto: Lichtgut

Viele der Frauen auf dem Schlossplatz haben Kinder zuhause, die betreut werden müssen. An diesem Tag allerdings, das berichten einige, übernehmen die Väter die Betreuung.

Positives Fazit: „Wir sind überwältigt“

Unter den wenigen anwesenden Männer ist auch Janik. „Ich finde, dass Gleichberechtigung ein ziemlich wichtiges Thema ist. Und ich finde es traurig, dass wir das heutzutage immer noch nicht haben“, sagt Janik. „Umso wichtiger ist es, dass so viele Leute wie möglich hierherkommen.“

Auch die Veranstalter zogen ein positives Fazit aus dem Frauenstreik: „Wir sind überwältigt. Es wurde gut mitgemacht von vielen Frauen, Männern und allen, die wir angesprochen haben“, so das Resümee einer Sprecherin aus dem Organisationsteam. Alle hätten friedlich demonstriert. „Wir sind besonders stolz darauf, dass alles so gut gelaufen ist und freuen uns, dass es einen so guten Anklang gab.“