Frauentag im Kreis Esslingen Frauen im Handwerk: „Dann kann die Begeisterung überspringen

Katja Ehle aus Deizisau hat ihren Weg gefunden. Foto: Privat

Wenige Frauen fangen eine Ausbildung im Handwerk an. Die Handwerkskammer führt zum Internationalen Frauentag Beispiele erfolgreicher Frauen auf, die im Handwerk Fuß gefasst haben.

Chefredakteur: Johannes M. Fischer (jmf)

Nur jeder fünfte neue Ausbildungsvertrag im Handwerk der Region Stuttgart ist von einer Frau unterschrieben. In den Köpfen vieler Menschen gelten handwerklich-technische Berufe nach wie vor als Männerdomäne. Dabei zeigen regelmäßig Handwerkerinnen, dass sie erfolgreich sind: Als jahrgangsbeste Gesellinnen, als beste Meisterinnen oder als Unternehmerinnen. Es gibt nicht den einen Weg, der ins Handwerk führt. Um anderen Frauen Mut zu machen, ihren Weg ins Handwerk zu finden, stellt die Handwerkskammer Region Stuttgart zum Internationalen Frauentag vier erfolgreiche Handwerkerinnen aus der Regionvor. Eine davon ist Katja Ehle aus Deizisau.

 

Der Einstieg ins Handwerk verlief für Katja Ehle aus Deizisau nicht wie bei vielen anderen über einen elterlichen Betrieb, sondern über ihre Leidenschaft für Musik. Ihr Traum: Orgelbauerin werden. Mit 19 Jahren suchte sie sich daher nach dem Abitur gezielt einen Orgelbaubetrieb für eine Ausbildung. Zur Vorbereitung auf die Lehre sollte sie ein Jahr die Holzfachschule besuchen, an der auch angehende Schreinerinnen und Schreiner beginnen.

„Holzbearbeitung entfachte meine Leidenschaft“

Dort merkte sie schnell: Nicht nur die Musik fasziniert sie, auch das Arbeiten mit Holz. Die Begeisterung war so groß, dass sie nach dem Schuljahr nicht in den Orgelbau zurückkehrte, sondern ihre Ausbildung zur Schreinerin vollendete. Ein Schritt, den sie bis heute nicht bereut. „Nur durch das Ausprobieren in der Schule habe ich erkannt, wie viel Freude mir die Holzbearbeitung macht“, erzählt die 47-Jährige. Es folgte das Studium zur staatlich geprüften Einrichtungsfachberaterin, eine Weiterbildung zur geprüften Arbeitsplatz-Expertin sowie die Weiterbildung zur Betriebswirtin des Handwerks.

Heute ist ihre persönliche Mission in der Schreinerei Ehle, mehr junge Menschen fürs Handwerk zu gewinnen: „Das geht nur, wenn sich die Jugendlichen ausprobieren können, Holz anfassen, Werkzeuge nutzen, Handwerk begreifen können. Wenn sie dann erste Erfolgserlebnisse haben und sagen ‚Das habe ich selbst gemacht‘, kann die Begeisterung überspringen.“

„Die Mädels sind oft zurückhaltender, aber meist besser“

Regelmäßig bietet Katja Ehle daher Praktikumstage oder Praktikumswochen bei sich in der Werkstatt an oder besucht Schulen. Dort beobachtet sie, dass sich noch immer weniger Mädchen einen technischen Beruf zutrauen. „Die Mädels sind im Umgang mit Werkzeugen oft zurückhaltender, dabei gelingt es ihnen meist sogar besser, wenn sie sich erst einmal trauen“, erzählt die Schreinerin. Sie ermutigt daher junge Frauen, sich auch in technischen Berufen auszuprobieren: „Erst dann kann man wissen, ob der Beruf etwas für einen ist und ob man darin gut ist.“ Katja Ehle beweist, dass es den einen klaren Weg oft nicht gibt. Manchmal muss man unterwegs auch die Richtung ändern, um ans Ziel zu kommen.

Außer Katja Ehle führt die Handwerkskammer noch drei weitere Beispiele an, wie Frauen ins Handwerk kamen: Die Schreinerin Sophie Renfftlen aus Göppingen, die Geschäftsführerin Sandra Pavokovic aus Remseck und die Malermeisterin Lisa Borrmann aus Asperg.

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