Neu beim VfB Stuttgart: Tamar und Fabienne Dongus (v. li.) Foto: Baumann
Bis 2018 verliefen die Karrieren von Tamar und Fabienne Dongus im Gleichschritt. Dann trennten sich die Wege der Zwillinge aus Deckenpfronn. Beim VfB finden sie nun wieder zusammen.
Der Fußball ist ja bekannt dafür, das Wort „schnelllebig“ ordentlich zu strapazieren. Aber: Es gibt auch Dinge, die scheinen von langer Hand geplant. Zum Beispiel die Tatsache, dass neben Gil und Joy Castor nun ein zweites Zwillingspärchen das Trikot der Frauenmannschaft des VfB Stuttgart tragen wird.
„In dem Moment, in dem sich der VfB entschieden hat, eine Frauenmannschaft zu stellen, war im Grunde schon absehbar, dass wir auch einmal mit dem Brustring-Trikot spielen wollen“, sagt Tamar Dongus. Denn, ergänzt ihre Schwester Fabienne: „Jetzt schließt sich der Kreis.“ Und zwar, wie beide betonen: „Genau zum richtigen Zeitpunkt.“
Eigentlich hätten die beiden Schwestern, die aus Deckenpfronn (Kreis Böblingen) stammen, ja schon viel früher für den VfB Stuttgart Fußball gespielt. Doch als die beiden ihre Karriere gestartet haben, gab es zwar immer wieder mal lose Diskussionen, ob nicht der VfB mit dem VfL Sindelfingen kooperiert – wirklich was draus geworden ist aber nie etwas. Also setzten Tamar und Fabienne Dongus ihre gemeinsame Laufbahn eben bei der TSG Hoffenheim fort.
2013 wechselten die Zwillingsschwestern gemeinsam ins Kraichgau und reiften fortan zu Topspielerinnen – Fabienne im zentralen defensiven Mittelfeld, Tamar in der Innenverteidigung. Mal abgesehen von den nicht ganz identischen Spielpositionen war es lange: eine Karriere im Gleichschritt – wie man es von Zwillingen wohl eben auch erwartet. Ehe Tamar das Gefühl beschlich, es doch mal auf eigene Faust versuchen zu müssen.
Tamar Dongus kommt aus Zürich zum VfB Stuttgart. Foto: Baumann
Sie verließ Hoffenheim, sie verließ ihre Schwester, sie verließ Deutschland – und stellte sich in Italien bei Florentia San Gimignano in vielerlei Hinsicht neuen Herausforderungen. „Diesen Schritt“, sagt sie heute, „bin ich ganz bewusst gegangen.“ Und hat ihn keine Sekunde bereut: „Andere Kultur, andere Sprache – es war eine prägende Erfahrung.“ Ihr Herz, betont sie, „hängt noch immer an der Toskana“.
Nach drei Jahren ging es weiter zu Sassuolo Calcio in der Emilia-Romagna, dann 2023 zum Grashopper Club Zürich in die Schweiz. Wo ihr Vertrag ebenso in diesem Sommer ausgelaufen ist, wie der von Fabienne in Hoffenheim. Also kamen Stuttgart und der VfB ins Spiel. Endlich.
„Ich habe mich vergleichsweise früh entschieden, zum VfB zu gehen“, sagt Tamar Dongus – und unterschrieb, als der Aufstieg in die zweite Liga noch längst nicht unter Dach und Fach war. Warum? „Weil ich einfach Lust drauf hatte.“ Auch auf ein Wiedersehen mit der Schwester?
Nun ja, zumindest versichert Tamar Dongus, habe sie nicht versucht, Fabienne zu überreden oder sich anderweitig einzumischen. „Ich habe mich rausgehalten, das sollte kein typisches Zwillingsding werden“, sagt sie – hat den VfB-Manager Sascha Glass aber auch nicht davon abgehalten, sein Glück auch bei ihrer Schwester („In Deutschland hätte ich mir bei einem Wechsel nichts anderes als den VfB vorstellen können“) zu versuchen. Das tat der General Manager für den Frauenfußball in Stuttgart dann auch – und freut sich nun über gleich zwei „erfahrene und herausragende Spielerinnen mit regionalen Wurzeln“.
Das Frauenteam des VfB sollen die beiden laut Glass auf das „nächsthöhere Level heben“. Was einerseits rein fußballerisch gemeint ist, aber natürlich auch den Aufstieg in die erste Liga bedeutet. Bis 2027 haben die Dongus-Schwestern beim VfB unterschrieben – und die familiäre Wiedervereinigung gleich komplett gemacht. Sie sind zusammen in eine Wohnung in Fellbach gezogen.
Die zehn Neuzugänge der VfB-Frauen. Foto: Baumann
Dass nun, da sie schon viel Erfahrung gesammelt haben, aber noch jung genug für weitere Jahre auf dem Fußballplatz sind, der VfB so ernsthaft nach oben strebt, empfinden die beiden als großes Glück. Zudem sind sie beeindruckt, was in Cannstatt bereits auf die Beine gestellt worden ist. „Es fühlt sich nicht nach zweiter Liga an“, sagt Fabienne Dongus, „es ist gar kein so großer Unterschied zu Hoffenheim.“ Tamar ergänzt: „Wir haben hier eine Riesenchance und das Gefühl, etwas mit aufbauen zu können.“
Unter anderem ein Team, das schon bald in der Bundesliga spielen soll. „Lieber früher als später“, sagt Fabienne Dongus über den letzten möglichen Aufstieg. Den der VfB von langer Hand geplant hat.