Krimikolumne

Frederick Forsyth: „Die Todesliste“ Der Scholl-Latour des Genres

Von  

Ein islamistischer Hassprediger bedroht die Sicherheit der westlichen Welt. Ein genialer Spürhund kommt dem üblen Patron aber auf die Spur. Frederick Forsyth’ neuester Thriller ist nur etwas für Freunde des routiniert Trivialen.

Der Routinier: seit Jahrzehnten versorgt Forsyth seine Fans mit Thrillerware. Foto:  
Der Routinier: seit Jahrzehnten versorgt Forsyth seine Fans mit Thrillerware. Foto:  

Stuttgart - Frederick Forsyth ist so etwas wie der Peter Scholl-Latour der Thriller-Autoren: Kennt alles, weiß alles, ist schon überall gewesen. Und seit Jahr und Tag versorgt er seine Lesergemeinde zuverlässig mit Lesestoff, der akute Fragen zur Zeit aufgreift: Drogenkartelle, Terroristen, Islamisten. Und stets ist da ein Superheld, der dem Übel Paroli bietet. So zuletzt mit dem „Afghanen“ und mit „Cobra“. Und jetzt „Die Todesliste“.

Erzählt wird die Geschichte eines Ex-Marines, genannt „Der Spürhund“, der einen islamistischen Hasspatron, genannt „Der Prediger“, unschädlich machen soll. Weil diese Inkarnation des Bösen sich äußerst geschickt der Möglichkeiten des Internets bedient, braucht der Spürhund einen jungen Nerd, der sich noch einen Tick besser mit den Rechenmaschinen auskennt als die Gegenseite (kleiner Einschub über das Wunder der modernen Technik: „…wurden die Akten in die Computer eingegeben und dort schneller durchsucht, als das menschliche Auge lesen oder das Gehirn verarbeiten kann“ – Potz Blitz!).

Bewunderung für alles Militärische

Wie genau die Cyberfahndung vonstatten geht, beschreibt Forsyth in seiner jüngsten Saga in aller technokratischen Ausführlichkeit. Ohnehin interessieren ihn Methoden mehr als Menschen. So bleibt der Roman mit seinem volksbildnerischen Ansatz doch ein recht triviales Stück Literatur, geprägt von großer Bewunderung für alles Militärische. Da wird ein schwer verletzter Ranger „in der Waagerechten zum Luftwaffenstützpunkt Ramstein transportiert, dessen Lazarett zur Weltklasse gehörte“. Nach einer „prasselnden Salve aus einem Maschinengewehrnest“ gelingt es dem Hubschrauberpiloten „mit genialer Flugkunst den sterbenden Chinook noch einmal hochzuziehen“. Und es versteht sich fast von selbst, dass der Spürhund zum Schluss mit einem britischen Pathfinder-Kommando (das sind die Allerbesten der Besten der Besten) final ins Feld darf (aber Obacht: „Jeder Veteran wird bestätigen, dass eine Schlacht schnell ins Chaos abgleitet“). Bloß dass der Veteran Forsyth bei allem soldatischen Fachwissen die Glock 17 herkunftsmäßig in der Schweiz verortet, dürfte unseren österreichischen Freunden nicht gefallen.

Lieber Ignatius. Oder Leonard.

Was bleibt? Es bleibt routinierte Durchschnittsware eines Altmeisters, der dann halt doch noch einen weiteren Thriller geschrieben hat. Wer sich für eine plausiblere Darstellung geheimer Verstrickungen interessiert, orientiert sich lieber an einem Schriftsteller wie David Ignatius (auch gut als Film). Und wer zurückgelehnte Altherrenliteratur vom Feinsten liebt, wählt eh einen wie Elmore Leonard.

Frederick Forsyth: „Die Todesliste“ (Originaltitel: The Kill List). Roman, aus dem Englischen von Rainer Schmidt. C. Bertelsmann, München. 320 Seiten, 19,99 Euro. Auch als E-Book, 15,99 Euro.