Freibad in Stuttgart-Möhringen Für gute Laune braucht’s keinen Sonnenschein

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Nach einem Traum-Saisonstart bei frühsommerlichen Temperaturen am 5. Mai ist es mittlerweile deutlich kühler geworden. Im Freibad in Stuttgart-Möhringen geht es beschaulich zu, aber die Stammgäste kommen bei jedem Wetter. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Ein Vormittag mit dunklen Wolken und kühlen Temperaturen: Das große Becken ist fast leer, aber die Stammgäste lassen sich nicht abschrecken. Foto: Alexandra Kratz
Ein Vormittag mit dunklen Wolken und kühlen Temperaturen: Das große Becken ist fast leer, aber die Stammgäste lassen sich nicht abschrecken. Foto: Alexandra Kratz

Möhringen - Das Thermometer zeigt gerade einmal 14 Grad Celsius an, und am Himmel ziehen immer mehr dunkle Regenwolken auf. Doch im Freibad Möhringen braucht es keinen Sonnenschein für gute Laune. Die Stammgäste kommen so oder so.

Hannelore Schlegel ist eine von ihnen. Obwohl es gerade einmal kurz nach 10 Uhr ist, hat sie ihr Programm bereits absolviert. Jeden Tag kommt sie zum Schwimmen ins Freibad an der Hechinger Straße. Eine knappe Dreiviertelstunde ist sie dann im Wasser. „Wenn es regnet, ist es besonders schön. Dann habe ich mehr Platz“, sagt die 78-Jährige mit einem Lächeln. Aber ist es nicht viel zu kalt zum Schwimmen im Freien? Die alte Dame winkt ab: „Ach was, das Wasser ist herrlich. Und ich schwimme stramm, da wird mir schon warm“, sagt sie. Seit mehr als zehn Jahren kauft sie jedes Jahr eine Dauerkarte fürs Freibad und kommt dann fast jeden Tag. Im Winter macht die Möhringerin Nordic Walking. Ins Hallenbad mag sie nicht.

Das Möhringer Freibad hat viele Stammgäste. Die Betriebsleiterin Regina Schreiber kennt sie alle mit Namen. Das Freibad ist für sie wie ein zweites Zuhause. Sie liebt es, wenn das Bad richtig voll ist und es richtig trubelig zugeht. Doch auch die kühlen Regentage haben ihren Charme, sagt sie. Dann ist es nicht ganz so stressig und das Personal kann Restarbeiten erledigen, für die vor der Saisoneröffnung die Zeit fehlte. „Im Augenblick streichen wir die Personalräume“, sagt Schreiber.

Mitte März war noch eine Eisschicht auf dem Wasser im Becken

Der Frühjahrsputz im Bad musste in diesem Jahr sowieso besonders schnell gehen. „Als wir im März kamen, war noch eine Eisschicht auf dem Wasser im Becken“, sagt sie. Da konnten Schreiber und ihre Kollegen nicht viel machen. Doch dann wurde es warm und es ging Schlag auf Schlag. Das Wasser aus dem Becken musste raus und die Fliesen geschrubbt werden. Dann kam der Fliesenleger, um Schäden auszubessern. Die Wiese schoss in die Höhe und wollte gemäht werden. Da war niemanden mehr langweilig. Wie jedes Jahr hat Schreiber einige Wünsche erfüllt, die von Badegästen an sie herangetragen wurden. Es sind Kleinigkeiten, aber die Besucher freut es. So gibt es in der Warmbadehalle zum Beispiel eine neue Hakenleiste für die Taschen und Brillenablagen vor den Duschen. „Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen“, sagt Schreiber. Das tun sie. „Das ist das beste Bad überhaupt“, sagt eine Dame im Vorbeigehen.

Auch Bernd Jusitz spricht ein „dickes Lob für das Personal“ aus. Auch er ist seit vielen Jahren Stammgast und kommt jeden Tag. Der Daimler-Angestellte arbeitet im Zwei-Schicht-Betrieb und schwimmt entweder vor der Arbeit oder nach der Arbeit. „Und wenn er im Urlaub ist, dann meldet er sich ab“, sagt Schreiber und lacht. Das bestätigt Jusitz und nennt gleich den Termin für seine Reise in den sonnigen Süden. Dann sagt er: „Im vergangenen Jahr war ich 104-mal hier in Möhringen schwimmen. Ich mache Konditionstraining und bin etwa eineinhalb bis zwei Stunden im Wasser. Das ist für mich Entspannung.“

Schade findet der 56-Jährige, dass der Saisonstart in Möhringen seit 2017 vom Wetter abhängt. Früher eröffnete das Freibad mit seiner Warmbadehalle immer als erstes in Stuttgart, und das bereits Mitte April. Aus finanziellen Gründen hat sich die Stadt davon verabschiedet.

Am ersten Wochenende kamen mehr als 4000 Badegäste

In diesem Jahr öffnete das Bad am 5. Mai. Das hat gepasst, denn es war ein richtiges Sommerwochenende mit Temperaturen um die 25 Grad. Mehr als 1200 Besucher kamen. Am Sonntag, 6. Mai, waren es sogar 2800 Besucher. Auch das vergangene Wochenende war passabel. Am Samstag zählte das Team 1271 Gäste; am Sonntag bei Regen und deutlich niedrigeren Temperaturen waren es aber nur noch 286. Insgesamt besuchten bis einschließlich vergangenen Sonntag bereits 10 434 Gäste das Freibad an der Hechinger Straße.

Auch an diesem Vormittag ist Regina Schreiber mehr als zufrieden. Seit 7 Uhr ist das Freibad geöffnet. Obwohl die Uhr im Kassenhäuschen gerade einmal 10.50 Uhr anzeigt und obwohl das Wetter sehr durchwachsen ist, hat ihr Kollege bereits 119 Badegäste gezählt. Sicher werden es noch mehr. Denn in diesem Moment kämpft sich die Sonne durch die dicken Wolken. Vielleicht geht Regina Schreiber später auch selbst noch mal ins Wasser. Im Gegensatz zu ihren Stammgästen tut sie das nämlich nur bei schönem Wetter und nie ganz früh am Morgen.

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