Die Sprunganlage im Inselbad ist marode und wird deshalb womöglich zwei Jahre lang gesperrt sein. Die Reparaturkosten werden auf 350 000 Euro geschätzt. Das Ausmaß der Arbeiten könne noch nicht völlig abgeschätzt werden, sagt die Bäderchefin Anke Senne.

Stuttgart - Vor zwei Jahren hatte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) als eine seiner ersten Amtshandlungen die sofortige Schließung des Fernsehturms verfügt und sich damit bei der Bevölkerung nachhaltig bekannt gemacht. Jetzt hat sein Stellvertreter, Bürgermeister Michael Föll (CDU) nachgezogen und die Bäderbetriebe aufgefordert, die Sperrung von Stuttgarts einzigem Zehn-Meter-Sprungturm zu veranlassen. Die Anlage im Untertürkheimer Inselbad darf aus Sicherheitsgründen nicht mehr bestiegen werden. Betroffen sind die bei Badegästen besonders beliebten Plattformen in drei, fünf, siebeneinhalb und zehn Metern Höhe. Eine Drei-Meter-Plattform wird für etwa 40 000 Euro ebenso baulich ertüchtigt wie die drei Ein-Meter-Bretter, sodass wenigstens diese benützt werden können.

Die Reparaturkosten werden auf 350 000 Euro geschätzt

Wann der Sprungturm wieder bestiegen werden kann, hängt von der Finanzierung der Reparaturmaßnahme ab. Die Chefin der Bäderbetriebe, Anke Senne, veranschlagt rund 350 000 Euro. Da die städtischen Bäder ohnehin jedes Jahr mit einem dicken Minus abschließen, muss sie sich einen solchen Betrag vom Gemeinderat genehmigen lassen. Dies kann frühestens in den Beratungen für den Etat 2016/2017 geschehen, die im Herbst beginnen. „Ich hoffe, dass die Stadträte die Notwendigkeit sehen und das Geld genehmigen“, sagt Senne, die schon lange mit dieser Sperrung rechnete, nachdem die Gutachter in den vergangenen Jahren ein Nachlassen der sogenannten Anstemmlast der Geländer auf den Plattformen registrierten. Die DI-Norm lässt hier keine Kompromisse zu. Immerhin klammern sich im Sommer Dutzende Springer in luftiger Höhe an die Geländer, lehnen sich an oder sitzen sogar darauf. Nun sind die Geländer offenbar nicht mehr so fest im Beton verankert wie vorgeschrieben. Bei der Reparatur werden aber nicht nur die Geländer fixiert, es steht eine umfangreiche Betonsanierung an. Womöglich müssen sogar große Teile der Sprunganlage erneuert werden. Das Ausmaß der Arbeiten könne noch nicht richtig abgeschätzt werden, sagt die Betriebsleiterin Anke Senne.

Der Sprungturm ist 41 Jahre alt

Am Turm nagt schon sehr lange der Zahn der Zeit. Stahlbeton hält nicht ewig, zumal, wenn er so intensiv mit Wasser in Kontakt gerät wie im Inselbad. Eingeweiht wurde die Anlage 1973 zum Deutschen Turnfest in Stuttgart, außerdem fanden dort zum Auftakt die Landes- und die Deutschen Meisterschaften sowie ein Wasserball-Länderspiel statt. Der Umbau der alten Becken in eine hochmoderne sportgerechte Wettkampfstätte beinhaltete ein 50-Meter-Becken mit Umwälzanlage, die erstmals die Erwärmung des Badewassers ermöglichte, Flutlicht und das fünf Meter tiefe Springerbecken samt Turm und Aufenthaltsraum für die Sportler. Die Kosten beliefen sich auf umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Während das Sportbecken heute noch ganzjährig (im Winter mit einer Traglufthalle) von Athleten genutzt wird, dient die Springeranlage allein dem Vergnügen. Hauptattraktion sind Mutproben pubertierender Badegäste, die mit „Arschbomben“ aus zehn Metern Höhe mit rund 50 Stundenkilometern auf die Wasseroberfläche klatschen. Weil aus Sicherheitsgründen alle anderen Sprungbretter des Turms geschlossen sind, während die Wagemutigsten mit Anlauf von der Plattform springen, war der „Zehner“ oft nur eine Stunde täglich geöffnet.

Einige Teile des Bades stehen unter Denkmalschutz

Das Untertürkheimer Bad auf der durch die Neckarregulierung entstandenen Insel wurde 1924 eingeweiht und ist das älteste Bad Stuttgarts. Danach entwarfen die Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer die großzügige Anlage mit Gebäuden im Bauhausstil. Heute stehen die Terrassen und Umkleidegebäude unter Denkmalschutz. Das ehemals 100 Meter lange und bis zu 30 Meter breite Familienbecken ist mittlerweile unterteilt, die unvermeidliche 90-Meter-Riesenrutsche samt Fontäne und Sprudelliegeplätzen dürfen auch nicht fehlen.