Freibadöffnung in Fellbach Schwimmer fühlen sich wie Geburtstagskinder

Von  

Der Freibadbereich des F3-Kombibads öffnet – und die Stammgäste lassen sich nicht lange bitten. Die Regeln und Einbahnstraßen im und außerhalb des Wassers werden von den Besuchern verständnisvoll angenommen.

Ins 24 Grad warme Wasser  zu springen ist verboten. Foto: Patricia Sigerist
Ins 24 Grad warme Wasser zu springen ist verboten. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Das Wasser tropft ihm vom Schopf, und Jürgen Sommer (Nomen est omen) strahlt mit der Sonne um die Wette: „Mega war’s!“, sagt der 70-Jährige. Zum ersten Mal in dieser Saison ist der Jahr für Jahr zu den regelmäßigen Frühschwimmern im F3-Freibad zählende Mann aus Luginsland jetzt seine tausend Meter geschwommen.

Ihren Sport und die Freude am nassen Element haben sie alle sehr vermisst

Ihr Vergnügen wollen sich die knapp 30 Menschen, die am Eröffnungstag des Freibads gleich im ersten frühmorgendlichen Zeitfenster ihre Bahnen ziehen, nicht nehmen lassen. Ihren Sport und die Freude am nassen Element haben sie alle sehr vermisst. „Ich bin halt stattdessen immer viel gelaufen, aber als ich hörte, dass die Schwimmbäder wieder öffnen, konnte ich es kaum mehr erwarten“, sagt Christel Rabe. Die Fellbacherin schwimmt im Sommer fast täglich, im Winter immerhin zwei- oder dreimal in der Woche. „Bewegung ist das A und O“, erklärt die 80-jährige Seniorin. Die Online-Anmeldung, die aktuell vor dem Freibadbesuch nötig ist, hat glücklicherweise ihre Nichte für sie erledigt, erzählt sie.

Auch Helga Beck kam damit nicht klar: „Ich hab’s alleine nicht hinbekommen“, bedauert die 81-Jährige. Sie wisse von einigen betagten und sonst regelmäßigen Frühschwimmern, dass die Online-Anmeldung ein Hindernis für sie darstelle.

Anders geht es jedoch aktuell nicht, denn die Regeln der Landesregierung müssen von den Badbetreibern umgesetzt werden. Auch wenn mancher Badbesucher sie für „unverhältnismäßig“ hält: „Ich bin Grundschullehrerin, nächste Woche stehe ich ohne Abstandsregeln wieder vor einer vollen Klasse mit Kindern, die wild durcheinander wuseln – und hier fühlt man sich wie in einem Hochsicherheitstrakt“, sagt eine junge Frau, die namentlich nicht genannt werden will. Ihr Begleiter studiert derweil die Eintrittskarte und strahlt: „Wir sind hier alle Geburtstagskinder!“ Tatsächlich steht auf allen Eintrittskarten, die bereits bei der Online-Buchung bezahlt wurden und dann an der Kasse als Nullbon ausgegeben werden, „Geburtstagskind“.

Auch die Schwimmmeister sind an diesem Morgen recht entspannt

Ganz so fühlen sich die Schwimmer auch, irgendwie beschenkt von Sonne und Wasser. „Und es geht viel zivilisierter zu als sonst“, sagt Helga Beck. Die Schwimmer nähmen an diesem Tag deutlich mehr aufeinander Rücksicht, findet sie.

Auch die Schwimmmeister sind an diesem Morgen recht entspannt, für sie ist diese Situation ja ebenfalls Neuland. Jedem Neuankömmling erklären sie, wie Eingang und Ausgang ins Wasser geregelt sind. Ebenso weisen sie auf die neongrünen Plastikarmbändchen hin, die jeder Schwimmer tragen muss. Es sind insgesamt 149 Stück. Wenn alle vergeben sind, ist das Becken maximal belegt. „Wenn ich das einfach behalte, habe ich dann eine Dauerkarte?“, scherzt ein junger Badbesucher, der gerade aus dem Wasser kommt.

Jürgen Sommer hat Verständnis, dass es die Saisonkarte, die er sich sonst auch immer besorgt, heuer nicht gibt. „Ich denke, wir müssen die Badbetreiber auch unterstützen. Ich bin einfach nur froh, dass ich wieder schwimmen kann“, sagt er. Auch eine Gruppe der Bundespolizei Stuttgart ist an diesem Tag im F3-Freibad. „Es wird höchste Zeit, dass wir unsere Schwimmleistungen wieder abnehmen können“, sagt deren Trainer.

Durch Markierungen ist festgelegt, wie sich die Menschen im Bad bewegen sollen. Im Kassenbereich herrscht Maskenpflicht. Ein- und Ausgang sowohl ins Freibadgelände als auch ins Wasser sind durch Barrieren getrennt, die Beckenränder und Startblöcke mit rot-weißem Band abgesperrt. Einfach reinspringen ins knapp 24 Grad warme Wasser darf dies Jahr keiner. Und die warme Dusche, die vor allem an Schlechtwettertagen so angenehm durchwärmt, fehlt auch. Aber auch das sieht Jürgen Sommer positiv: „Da ist man hinterher richtig wach!“, sagt er und rubbelt sich eben mit dem Handtuch warm.

Online-Anmeldung

Ohne vorherige Registrierung ist ein Freibadbesuch derzeit nicht möglich. Auf der Homepage des F3-Kombibads wird man zum entsprechenden Formular geführt. Dieses muss man dann ausgedruckt an die Kasse mitbringen. Wer sich für ein Zeitfenster registriert hat und dann doch nicht kommen kann, soll zeitnah stornieren, damit andere Badegäste zum Zug kommen, teilen die Betreiber mit. Einlassschluss ist jeweils eine Stunde vor Ende des jeweiligen Zeitfensters.




Veranstaltungen