Freibadsaison im Kreis Esslingen Wie sieht es mit der Sicherheit im Becken aus?

Sorgt dafür, dass die Gäste im Esslinger Neckarfreibad einen ungetrübten Badespaß haben: Foto:  

Es ist ein Arbeitsplatz an der Sonne. Dennoch können auch Freibäder bei der Suche nach Fachkräften ins Schwimmen geraten. Sind Aufsichtspersonal und Mitarbeitende schwer zu finden? Betriebe im Raum Esslingen machen unterschiedliche Erfahrungen.

Sommer, Sonne, Leichtigkeit: Eine Tätigkeit im Freibad scheint ein Traumjob zu sein. Dort zu arbeiten, wo andere sich erholen oder ihre Freizeit genießen – das klingt verlockend. Ist es das? Wie sieht es mit der Bestellung von Personal in Freibädern der Region aus?

 

Die etwa 93 000 jährlichen Badegäste im Esslinger Neckarfreibad und die rund 40 000 Besucher pro Jahr im Berkheimer Freibad müssen nicht um ihren Schwimmspaß bangen. Die Personalsituation sei stabil, versichert Michael Werner. Der Abteilungsleiter für Bäderbetriebe bei den Stadtwerken Esslingen (SWE) als Betreiberin weist zwar auf den Fachkräftemangel hin, der die Freibäder ebenso wie andere Branchen treffe. Sein Haus würde auch kontinuierlich Auszubildende zu Fachangestellten für Bäderbetriebe suchen. Doch: „Leider erreichen uns bei den Ausschreibungen deutlich weniger Bewerbungen als in der Vergangenheit.“

Sie sorgt für Sicherheit im Schwimmbecken: Annika Heigele im Neckarfreibad Esslingen. Foto: Robin Rudel

Aber trotz dieses Rückgangs an Bewerbungen auf Lehrstellen sieht der Bäderchef sein Team personell gut aufgestellt. Der Grund dafür liegt laut Michael Werner in der Loyalität seines Personals. In den vergangenen Jahren habe es kaum Fluktuationen gegeben: „Bei Stellen-Nachbesetzungen, wenn also zum Beispiel eine Kollegin oder ein Kollege in den Ruhestand geht, konnten wir bislang stets qualifizierte neue Kolleginnen und Kollegen finden.“ Nur in Ausnahmefällen etwa bei langfristigen Erkrankungen könnten Engpässe nicht völlig ausgeschlossen werden.

Job-Rochaden und externe Hilfe bei Freibädern im Kreis Esslingen

Das Kirchheimer Freibad lockte 2023 etwa 125 000 Besucher an. Im Vorjahr waren es laut Doreen Edel, der Leiterin der städtischen Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit, wegen der Baustelle am Kinderplanschbecken mit 103 000 Gästen etwas weniger. Die Besucher müssen auch in der Saison 2025 nicht vor verschlossenen Türen stehen. Zwar konnten nicht alle Personalstellen besetzt werden. Doch: „Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, wird auf externe Dienstleister zurückgegriffen.“

Das Freibad Nürtingen versucht dagegen, einem möglichen Personalmangel mit einer Mitarbeiter-Rochade zu begegnen. Während der Freibadsaison bleibt das Hallenbad geschlossen, sagt Marvin Schweizer, der bei den örtlichen Stadtwerken für Marketing zuständig ist. Daher stünden diese Mitarbeitenden im Open-air-Bad zur Verfügung: „Offene Stellen werden regelmäßig auf diversen Jobportalen und auf der Website veröffentlicht.“ Die 140 000 bis 160 000 Gäste pro Jahr sitzen somit nicht auf dem Trockenen. Mit einem fliegenden Personalwechsel arbeitet auch das Freibad in Wernau, das durchschnittlich etwa 51 000 Gäste verzeichnet. Durch den Ganzjahresbetrieb der Bäder und den Wechsel von Hallen- und Freibadöffnung gebe es keine Personalknappheit, erklärt Karin Mühlschlegel von der Sachgebietsleiterin Bäderverwaltung.

In Denkendorf gibt es ab Samstag, 10. Mai, wieder einen Freiluft-Wasserspaß. Preise und Öffnungszeiten bleiben gleich. Und die Gemeinde hat in ihr Freibad investiert, teilt Mitarbeiterin Anja Volz mit: „Der Innenraum des Aufsichtturms wurde komplett erneuert, nagelneue Sitzbänke beschafft, und eine neue Kleinkinder-Wasserrutsche ergänzt das Angebot für ganz kleine Kinder.“ Die Besucher können diese Verbesserungen beruhigt genießen. Alle Stellen seien besetzt. Bei Bedarf etwa in Krankheitsfällen oder zur Abdeckung von Spitzen werde auf externe Dienstleister zurückgegriffen. Allerdings seien zwei Ausbildungsplätze noch zu vergeben.

In Wendlingen gingen in der Saison 2024 etwa 85 000 Besucher baden. Das können Gäste auch weiterhin tun. Momentan gebe es keine offenen Stellen im Freibad, sagt Romy Seidel, die für Bürgerdienste, Kultur, Sport, Ehrenamt zuständig ist. Aber: „Natürlich wird es immer schwieriger, geeignetes und qualifiziertes Personal zu finden.“ Reichenbach holt sich Hilfe von außen. „Die technische Betriebsführung hat bereits seit einigen Jahren ein externer Dienstleister übernommen, was einwandfrei funktioniert“, erklärt Gemeindemitarbeiterin Sabine Weidenbacher-Richter. Das Kassenpersonal sei bei der Gemeinde angestellt. Hier gebe es keine Personalprobleme.

Mitarbeiter-Rochade in Nürtingen: Während der Freibadsaison bleibt das Hallenbad geschlossen – und umgekehrt Foto: Stadtwerke Nürtingen

Ähnlich macht es laut Pressesprecherin Elke Eberle auch Neuhausen auf den Fildern. Die Personalsituation habe sich nicht verschlechtert. Den Großteil der Mitarbeitenden etwa im Bereich Technik, Wasseraufsicht oder Reinigungspersonal stelle ein externer Dienstleister: „Das Team des Kassenpersonals - kurzfristig Beschäftigte der Gemeinde Neuhausen - besteht aus fünf Personen. Bisher hatten wir keine Probleme, genügend Kassenpersonal zu finden.“

Deizisau setzt in seinem Freibad auf bewährte Kräfte, sagt Nadine Jud von der Abteilung Finanzen bei der Gemeinde: „Unser langjähriger Schwimmmeister als Betriebsleiter ist weiterhin im Bad tätig und zusätzlich ist seit vielen Jahren ein externer Dienstleister engagiert“.

Ein Arbeitsplatz an der Sonne

Zahlen
 Laut Markus Knorpp von der Agentur für Arbeit gibt es im Kreis Esslingen aktuell drei gemeldete Ausbildungsstellen zu Fachangestellten für Bäderbetriebe. Dem gegenüber stehen drei gemeldete Bewerber. Arbeitsstellen für Fachangestellte für Bäderbetriebe und Bewerber dafür seien der Agentur derzeit keine bekannt. Eine gemeldete Arbeitsstelle als Badewärter gebe es im Kreis. Dem stehen keine gemeldeten Bewerber gegenüber.

Situation
 Pro Jahr werden im Kreis Esslingen im Bereich Bäder nur eine Handvoll Stellen ausgeschrieben, denen auch nur wenige Bewerber gegenüberstehen, so Knorpp. Wegen dieses engen Arbeits- und Ausbildungsmarkt würden sich manche in andere Berufe umorientieren oder sich von Anfang an in mehreren Berufen bewerben. Betriebe könnten wegen der begrenzten räumlichen Mobilität oder schlechten Verfügbarkeit von Bewerbern Stellen oft schwerer besetzen.

Wunschberufe
 Im Hinblick auf die Bewerber um Ausbildungsstellen stellt die Berufsberatung fest, dass sich das Gros auf einige wenige Wunschberufe konzentriert, sagt Markus Knorpp von der Esslinger Agentur für Arbeit. Unbekanntere Berufe stünden dabei oft gar nicht im Fokus der Bewerber. Dabei würden Berufsberater die Vielfältigkeit des Ausbildungsangebots vorstellen und dafür werben, sich auch unbekanntere Berufe anzuschauen.

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