Freibäder in Herrenberg und Sindelfingen geschlossen Im Wasser schwimmen wieder Bakterien

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Im Herrenberger Naturfreibad ist Baden verboten, bis die Proben wieder rein sind. Dieses Mal liegt die Verunreinigung allerdings nicht an der Anlage. Das Sindelfinger Freibad bleibt nach einem technischen Defekt auch am Mittwoch geschlossen: Vor der Öffnung wird der Betrieb getestet. Aber ab Donnerstag kann wieder gebadet werden.

Wird umfassend gereinigt: Im Naturfreibad ist nur das Schwimmerbecken gesperrt, die restliche Anlage ist geöffnet Foto: factum/
Wird umfassend gereinigt: Im Naturfreibad ist nur das Schwimmerbecken gesperrt, die restliche Anlage ist geöffnet Foto: factum/

Herrenberg/Sindelfingen - An der Anlage liegt es dieses Mal nicht: „Die Technik funktioniert gut und zuverlässig“, versichert Karsten Kühn. Dass im Herrenberger Naturfreibad wieder einmal Baden verboten ist, hat einen anderen Grund, vermutet der Stadtwerke-Chef. Einer Kontrolle hatte ergeben, dass der zulässige Grenzwert für das Bakterium Enterokokken an zwei Probestellen überschritten wurde. Deshalb ist das Schwimmerbecken am Dienstag geschlossen worden. In Sindelfingen hat ein technischer Defekt den Badebetrieb lahm gelegt. Am vergangenen Wochenende haben die Freibäder im Kreis Besucherrekorde erzielt. In Böblingen musste allerdings die Polizei anrücken – wegen fünf unbelehrbarer Jugendlicher.

Die Rekorde sind eine Herausforderung

„Die Hitze-Rekorde und hohen Besucherzahlen sind für jede Freibad-Technik eine Herausforderung“, sagt Karsten Kühn. Am Sonntag waren fast 3500 Besucher im Naturfreibad. Aber die Verunreinigung ist vor dem Wochenende aufgetreten: Eine Probe des Gesundheitsamtes vom Donnerstag, 26. Juni, hatte beim Wasserfall und beim Nichtschwimmerbecken den Grenzwert für Enterokokken überschritten. Als sie bekannt wurden, hat der Stadtwerke-Leiter einen Wartungstag eingelegt. Die nächsten Testergebnisse werden für den Mittwochnachmittag, 3. Juli, erwartet. „Wir gehen derzeit davon aus, dass ein Windelunfall oder Vogelkot die Ursache für die Verunreinigung ist“, sagt er.

Die Nutzer des Herrenberger Naturfreibads sind Schließungen gewohnt. Seit der Eröffnung vor fünf Jahren gab es jede Saison ein Badeverbot, am Anfang auch über Wochen hinweg. Dafür war der Pfützenkeim Pseudomonas aeruginosa verantwortlich: Die Bakterien können Wundentzündungen verursachen. Sie kamen wohl durch einen fehlerhaft verbauten Hauptfilter in das Wasser. Die Schwimmbadbauer mussten die Technik deshalb kostenlos und umfassend nachrüsten. Enterokokken werden dagegen in der Regel über tierische oder menschliche Exkremente eingetragen. Karsten Kühn bittet daher alle Badegäste, sich an die Hygieneregeln zu halten. „Ein Naturbad ist sensibler als konventionell betriebene Bäder.“

Sensibel in Sindelfingen: die Technik

Sensibel scheint im Sindelfinger Freibad zumindest die Technik zu sein. Ein Stromausfall in einem Trafohäuschen hatte am Montag, 1. Juli, dazu geführt, dass die Besucher nach Hause geschickt wurden. Die für die Aufrechterhaltung der Badewasserqualität notwendigen technischen Einrichtungen fielen dadurch für mehrere Stunden aus. Und das hatte zur Folge, dass die Wasserqualität unter die rechtlich vorgegebenen Werte sank. „Eine mehr als 50 Jahre alte Anlage bedingt die ein oder andere Störung“, erklärt Christian Keipert. Auf die Justierung und Instandsetzung der Technik haben sich die Arbeiten seither konzentriert, erklärt der Sport- und Bäderamtsleiter. Nach einem Probebetrieb am Mittwoch wird das Freibad am Donnerstag, 4. Juli, auch schon wieder geöffnet. „Wir können noch nicht definitiv sagen, was der Auslöser für den Stromausfall war“, sagt Christian Keipert, „aber es soll kein zweites Mal passieren.“

Die Saison verspricht, gut zu werden

Die aktuelle Saison verspricht schließlich eine der besten zu werden: Allein am vergangenen Sonntag waren mehr als 11 200 Besucher im Sindelfinger Freibad. „Ein toller Tag“, findet der Amtsleiter, „unsere Anlage ist für deutlich größere Zahlen ausgelegt.“ Das Miteinander läuft in geordneten Bahnen, weil seit 2015 Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma über das Gelände streifen. Die Böblinger Kollegen mussten am Sonntag dagegen die Polizei rufen: Fünf Jugendliche waren trotz Verbots immer wieder vom Rand ins Becken gesprungen, hatten eine Bademeisterin angepöbelt und dem Platzverweis nicht Folge geleistet. „Wenn es zu heiß und so voll ist, hat man den Eindruck, dass es so manchen zu Kopf steigt“, sagt Birte Engel von den Stadtwerken zu dem Vorfall, den sie als Einzelfall einstuft. Rund 6500 Besucher waren im Bad, das Personal kann ihr zufolge noch 500 mehr gut handhaben – und in Böblingen stimmt die Wasserqualität und die Pumpen funktionieren.