Freibäder in Stuttgart Kurz vor Saisonende ist der Sommer zurück

War nicht immer möglich dieses Jahr: Planschen im Freibad Foto: Lichtgut/Julian Rettig 3 Bilder
War nicht immer möglich dieses Jahr: Planschen im Freibad Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Zum Ende der Freibadsaison können sich die Badegäste noch über ein paar Sommertage freuen. Wann genau die Hallenbäder öffnen, ist noch nicht entschieden.

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Stuttgart - Lufttemperatur 27 Grad, 23 Grad im Wasser: Trotz des guten Wetters bildet sich an der Rutsche des Rosentalfreibads in Vaihingen keine Schlange. Die letzten Ferienwochen sind stets die, in denen das Bad am wenigsten besucht wird, wie Schwimmbadleiter Klaus Schlipf weiß. „Im Moment sind wir selten ausgebucht. Das liegt aber nicht an den E-Tickets“, ist er sich sicher. Wer ins Freibad möchte, muss sich vorher telefonisch oder im Netz ein Zugangsticket buchen. Das sei zwar umständlicher als in anderen Jahren, funktioniere aber dennoch ganz gut: „Oft war es schade, dass wir nicht noch mehr Tickets verkaufen konnten. Das hat ja nicht nur etwas mit dem Umsatz zu tun: Es ist einfach schön, Besucher hier haben zu können“, so Schlipf.

Badegäste froh über kühlende Freizeitgestaltung trotz Corona

Der viele Regen in diesem Sommer tat dem Rasen im Bad gut: Sattes Grün ziert die Liegewiese. Für die Pflanzen war der Regen optimal – für die Freibadbetreiber weniger. Eine „durchaus durchwachsene Saison“ liegt hinter ihnen. Zwar sei der Betrieb eines Freibads immer ein Minusgeschäft, sagt Schlipf, aber beschränkte Einlasszahlen und die vielen Regentage trugen nicht gerade zu einem Rekordsommer bei. In vor-pandemischen Jahren schwammen, spielten und sonnten sich hier bis zu 17 000 Badegäste pro Tag. Diesen Sommer sind nur noch wenige Hunderte pro Zeitfenster zugelassen: „Die Besucher sind froh, dass sie überhaupt die Möglichkeit haben, schwimmen zu gehen.“ Das schlägt sich dann doch in den Besuchszahlen nieder: Besonders an den heißen Julitagen waren oft alle Tickets ausgebucht.


Hallenbäder öffnen voraussichtlich noch im September

Swenja Groen kennt diese ausgebuchten Schwimmbadtage nur zu gut: „Wir kommen jede Woche zwei- oder dreimal her. Manchmal bin ich bis nach Mitternacht aufgeblieben, um noch ein Zugangsticket buchen zu können. Aber das lohnt sich“, lacht die Mutter. Nach dem Mittagessen schnell ins Wasser hüpfen: An manchen Tagen ist das gar nicht so einfach, denn besonders die Zeitslots am Nachmittag sind beliebt. Kein Problem für Lilly Beiter: Die Stammgästin kommt jeden Tag ins Rosentalbad – aber schon morgens: „Das Ticketbuchen klappt mit dem Handy super. Für die meisten ist die Freibadsaison schon gelaufen, aber ich komme, so lange es geht – und dann wechsle ich ins Hallenbad.“

Wann genau der Wechsel ins Hallenbad ansteht und Beiter dort ihre Bahnen ziehen wird, ist noch nicht klar: „Bisher planen wir das Ende der Badesaison zum Ende der Ferien am 12. September. Wenn das Wetter aber weiterhin so gut ist, bleibt eines der Freibäder eventuell noch länger offen“, so Jens Böhm vom Stuttgarter Bäderamt. Nicht nur das unzuverlässige Wetter, auch die wechselnden Coronaverordnungen machen Planungen jedoch schwierig. „Bisher ist für die Hallenbäder ein Zugang ohne Zeitslots vorgesehen. Im Freibad kommt es öfter mal vor, dass viele Besucherinnen und Besucher auf einmal kommen. Dann ist es wichtig, Ansammlungen innerhalb von Schlangen zu vermeiden“, sagt Böhm.

„Freibad bedeutet irgendwie auch Freiheit“

Während bei den Freibädern in diesem Jahr die Abendtarife galten, werden Hallenbad- und Thermenbesucher wahrscheinlich wieder den vollen Tarif zahlen müssen und dürfen dann dafür den ganzen Tag baden. „Die Hallenbäder werden staffelweise wieder öffnen. Die Vorlaufzeit, die man für Reinigung und Vorbereitung der einzelnen Bäder braucht, ist teils sehr unterschiedlich, ein nahtloser Übergang wird es also nicht. Wir sind aber zuversichtlich, dass alle Hallenbäder noch diesen Monat öffnen können“, hofft Jens Böhm.

Auch er blickt mit gemischten Gefühlen auf die Saison zurück: „Mit Blick auf die Pandemie war es trotzdem eine Saison, mit der man zufrieden sein kann. Trotzdem hätten wir mehr Tickets verkaufen können, wenn dieses ein normales Jahr gewesen wäre.“ „Normal“ war auch diese Freibadsaison nicht: Wenn sonst die ersten Badegäste schon am 1. Mai die Handtücher auf der Wiese ausbreiten, konnten die Freibäder dieses Jahr erst am 27. Mai öffnen – immerhin früher als im Jahr zuvor. Die Verluste durch Regen und eingeschränkte Besuchszahlen schwächen die Wirtschaftslage der Freibäder. Hinzu kommen hohe Kosten für aufwendige Reinigungen und zusätzliches Personal. Und dennoch sagt Jens Böhm: „Wir sind froh, dass wir unseren Gästen etwas bieten konnten, während viele andere Freizeitbeschäftigungen nicht möglich waren. Freibad bedeutet irgendwie auch Freiheit.“




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