Der Landwirt Rudolf Kraut hat durch ein Unwetter tonnenweise Früchte verloren – und bleibt auf dem Schaden sitzen, weil es keine Versicherung gegen Sturm gibt.

Freiberg/Neckar - Rudolf Kraut ist immer noch fassungslos, selbst drei Tage danach. Dass Unwetter wie jenes am Samstagabend Landwirten immer wieder Ernteausfälle bescheren, ist zwar nichts Neues und auch nicht ungewöhnlich. Mit dem, was der Sturm aber mit den Apfelbäumen des Freiberger Obstbauern gemacht hat, „damit rechnet man nicht“, sagt er. „Das tut richtig weh, wenn du das siehst.“

 

3000 von Krauts Apfelbäumen hat der Sturm am Wochenende niedergemäht. Die Bäume sind vollständig abgebrochen oder an den Wurzeln aus der Erde gerissen. Die ganze Plantage auf einer Anhöhe zwischen Hoheneck, Beihingen und Benningen ist zerstört, Kraut will den Schaden nicht genau beziffern, spricht aber von mehr als 50 000 Euro. Denn die Bäume trugen gut – eine Ernte von 60 Tonnen Äpfeln der Sorte Jonagold hatte er von den Pflanzen erwartet, die dort bereits in ihrem vierten Jahr standen: „Das ist das beste Alter“, sagt er.

Nordwind hätte den Bäumen nicht geschadet

Rudolf Kraut sagt, er sei der Einzige, den es getroffen habe. Seine Plantage, gut zehn Prozent der Gesamtfläche seines Betriebs, liege exponiert auf dem Kamm der Anhöhe. „Da kam der Wind vom Neckar hoch – von Süden, das ist ungewöhnlich.“ Die Bäume standen so, dass auch starker Nordwind ihnen nichts hätte anhaben können. Außerdem waren sie mit Pflöcken gesichert. Doch zu starke Windstöße aus Richtung Süden haben vermutlich einen Dominoeffekt in Gang gesetzt. „Durch die Spanndrähte hat dann ein Baum den nächsten umgerissen“, sagt Kraut.

Die Anlage sei noch nicht einmal abbezahlt. Jetzt stehe er mit dem Schaden alleine da. Eine Entschädigung oder Versicherungsprämie gibt es nicht. Gegen Sturm ließen sich Obstbäume nicht versichern, sagt Kraut, und andere Versicherungen wie die gegen Hagelschlag lohnten sich kaum, weil sie wegen der immer stärker werdenden Schäden ständig teurer würden. „Wie soll man zehn Versicherungen für alles Mögliche abschließen, wenn die so viel kosten, wie die Äpfel abwerfen?“Vom Landesverband für Erwerbsobstbau fühlt er sich alleingelassen. Dieser organisiere bei flächendeckenden Schäden durch Naturgewalten oft Fördertöpfe, aus denen die betroffenen Landwirte entschädigt würden. „Einzelne Höfe sind aber nicht relevant“, sagt Kraut. Experten aus dem Umfeld des Bundesverbandes sprechen von „Berufsrisiko“.

Schwarzes Jahr für Rudolf Kraut

Michael Lösche von der Vereinigten Hagelversicherung in Gießen bestätigt diese Einschätzung: „Wenn man es überspitzt formuliert, heißt so ein Fall, dass er eben Pech gehabt hat. In anderen Ländern wie den Niederlande, Italien oder Polen werden Sturmversicherungen staatlich unterstützt, das ist bei uns nicht der Fall.“ Eine Versicherung gegen Sturmschäden sei politisch zurzeit nicht möglich.

Ob Rudolf Kraut unter diesen Umständen das Risiko eingehen will, auf der zerstörten Fläche wieder Äpfel anzubauen, weiß er nicht: „Vielleicht machen wir einfach einen Acker daraus.“

Sein Betrieb leidet in diesem Jahr ohnehin unter dem Wetter. Vor zweieinhalb Wochen hat bereits der Hagel viele seiner Früchte beschädigt. „Das ist mit das schwärzeste Jahr bisher“, erzählt er und hofft, dass nicht noch mehr Katastrophen auf ihn zukommen. „Denn allein, wenn ich an die Apfelplantage denke, läuft es mir eiskalt den Rücken runter.“