Freiburg TikToker Hamudi erhält Hassnachrichten und Todesdrohungen

Der TikToker Hamudi kommt aus Freiburg.  Foto: yannicksphotos 2 Bilder
Der TikToker Hamudi kommt aus Freiburg. Foto: yannicksphotos

Der Freiburger TikToker Hamudi wird in den Sozialen Medien stark beschimpft und erhält sogar Todesdrohungen. Im Gespräch erzählt er von seinen Erfahrungen mit Cybermobbing und gibt Tipps an Betroffene.

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Freiburg - Die Hassnachrichten fingen laut dem Influencer vor rund einem Jahr an. Auslöser sei ein Paar gewesen, das auf TikTok eine große Reichweite hat, und das sich trennte. "Dann kam das Gerücht auf, dass ich der Grund für ihre Trennung sei und dass ich ihr Glück zerstört hätte", berichtet der 23-Jährige. Kurz darauf wurde er mit Beleidigungen in den Sozialen Medien konfrontiert. Der Hashtag #alleswegenhamudi entstand. "Unter den Kommentatoren waren viele junge Menschen, die wohl sehr leichtgläubig und ohne zu hinterfragen dem Gerücht geglaubt haben", sagt Hamudi. Doch was ihn mit am meisten schockierte: Auch Erwachsene seien unter den Kommentatoren gewesen.

Nicht immer bezogen sich die Hassbotschaften auf die Trennung des TikTok-Paars. "Selbst wenn im Privatleben der Menschen etwas schief lief, zum Beispiel eine schlechte Note in der Schule, haben sie ihren Frust an mir ausgelassen und mich dafür verantwortlich gemacht", berichtet der Influencer.

Freunde distanzieren sich von Hamudi

Anfangs fand Hamudi den vielen Wirbel noch amüsant. Doch es wurde immer schlimmer, wie er berichtet: "Ich habe auf einen Schlag 100 neue Nachrichten bekommen. Ich war überfordert und wusste nicht, was ich tun sollte", sagt der Freiburger. Bis vor Kurzem pausierte Hamudi auf seinen Kanälen, um sich auch psychisch von den Anfeindungen zu erholen. Einige seiner in den sozialen Medien aktiven Freunde distanzierten sich mit der Zeit von ihm und löschten gemeinsame Videos oder Fotos. "Sie hatten Angst, selbst angefeindet zu werden, wenn sie mit mir gesehen werden", erklärt der 23-Jährige. In einigen Fällen sei dies sogar der Fall gewesen.

Mit seinen verbliebenen Freunden, seiner Familie und Ärzten sprach der TikToker über das Cybermobbing. "Ich war deshalb auch schon beim Anwalt und habe bei der Polizei eine Anzeige aufgegeben", berichtet er. Vor Gericht werde dieser Fall jedoch nicht landen, so Hamudi. Denn: Er wisse, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat. "Diese Person ist sehr bekannt und hat viele Follower. Man könnte mir üble Nachrede unterstellen und mich noch mehr anfeinden." Selbst sein Anwalt rate ihm von einem Prozess ab.

Hilfe für andere Betroffene

Die Auszeit von den Sozialen Medien ist für den TikToker inzwischen vorbei. Seine ersten Posts veröffentlichte er bereits, obwohl er weiterhin Anfeindungen erhält. Kommentare wie "Oh Gott, der lebt noch" seien darunter.

Doch Hamudi möchte seine Reichweite jetzt nutzen, um anderen Opfern von Cybermobbing zu helfen. In seinen Stories redet er offen über das Thema und hat auch schon mit anderen Betroffenen Kontakt aufgenommen. "Es ist schlimm, wie viele Opfer es gibt. Es hat viel mit Neid zu tun über den Erfolg, den manche im Internet erreicht haben." Mit seinem Team möchte sich Hamudi mit einigen Cybermobbing-Opfern treffen und gemeinsam mit ihnen Instagram-Videos über ihre Erfahrungen drehen.

Hier gibt die Polizei Ratschläge gegen Cybermobbing

Was Hamudi anderen Opfern von Cybermobbing rät? "Als es losging, hätte ich keine der Kommentare und Nachrichten lesen dürfen. Das setzt einem enorm zu." Außerdem sei es wichtig, offen über das Thema mit vertrauten Menschen wie Familie, Freunden oder einem Arzt zu reden, sich Hilfe zu suchen und eine Anzeige bei der Polizei aufzugeben. "Man darf nicht alles in sich hineinfressen."

Rund ein Jahr nach den ersten Anfeindungen erhält Hamudi immer noch Hassnachrichten. "Mir geht es mittlerweile besser, aber nicht gut. Ich habe gelernt, damit umzugehen und sehe viele Sachen anders." Bevor er Beiträge postet, mache er sich mehr Gedanken über deren Inhalt. "Es kann schnell gehen, dass Sachen falsch verstanden werden." Eine finale Nachricht hat er noch an alle Betroffenen: "Ihr seid nicht alleine."

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