Freie Aktive Schule Degerloch Ist denn wieder Weihnachten?

Eine Mutter erklärt ihrem Kind in dem Stück, dass sie sich einen Adventskalender nicht leisten können.  Sie hätten ja  nicht mal Geld für die Kartoffeln. Foto: Sophia Jedrzejczak
Eine Mutter erklärt ihrem Kind in dem Stück, dass sie sich einen Adventskalender nicht leisten können. Sie hätten ja nicht mal Geld für die Kartoffeln. Foto: Sophia Jedrzejczak

Diese Woche haben Kinder der Freien Aktiven Schule das Stück „Wann ist endlich Weihnachten?“ aufgeführt. Dass es bis zum großen Fest noch ziemlich lange dauert, war ihnen dabei egal. Es ging ihnen nämlich um etwas ganz anderes.

Degerloch - Der kleine Saal des Lothar-Christmann-Hauses ist von Stimmen erfüllt – von Kinderstimmen, um genau zu sein. Etwa 30 Schülerinnen und Schüler der Freien Aktiven Schule in Degerloch wuseln durcheinander. Zwei als Hunde verkleidete Kinder krabbeln unter den noch nicht besetzten Stühlen herum. Scheinwerfer stehen neben den Stuhlreihen. Die Szene ist nicht ungewohnt für die jungen Schauspieler, der Ort schon.

Zum ersten Mal führen sie ihr Weihnachtsstück außerhalb des Schulgebäudes auf. „Wir wollen die Verbindung unserer Schule zum Lothar-Christmann-Haus stärken“, sagt Katrin Bohner von der Schulleitung. Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass Weihnachten schon drei Wochen zurückliegt. Und so wird der Saal des Seniorenheims zur Bühne. Das Stück heißt „Wann ist endlich Weihnachten? – Die Geschichte vom ersten Adventskalender“.

Der erste Schauplatz ist ein Klassenzimmer. Die Jungen und Mädchen sollen sich über die Geschichte des Adventskalenders informieren. Auskünfte aus erster Hand gibt es keine. Die ersten Exemplare stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Außer natürlich man hat Glück wie die drei Geschwister Bella, Michel und Lea Metzger. In dem Stück finden sie auf dem Dachboden einen alten Adventskalender. Ein Türchen führt sie zurück ins Maulbronn des 19. Jahrhunderts. Damals ging es noch anders im Klassenzimmer zu; das lernt auch der etwas vorlaute Michel schnell. Was die Kinder aus der Gegenwart nicht wissen, erklärt ihnen der kleine Gerhard Lang. Er ist ein Blondschopf mit Baskenmütze, der nicht still sitzen kann, da er sehnsüchtig auf Weihnachten wartet.

Heute kaufen Eltern ihren ungeduldigen Kindern Adventskalender in allen Größen und mit unterschiedlichem Inhalt. Das alles geht zurück auf den kleinen Gerhard Lang. Nach dessen Schulzeit in Maulbronn wurde er Buchdrucker in München. Damit hatte er das Werkzeug, um das Warten aufs Weihnachtsfest zu verkürzen: bewegliche Lettern und eine mechanische Druckmaschine. Im Jahr 1904 verzierte Lang 24 Gedichte mit jeweils einem passenden Bildchen. Diese verkaufte er als Adventskalender. Doch damals waren solche Weihnachtsfreuden für viele Familien zu teuer, nur Reiche konnten sich das leisten. Die drei Geschwister in dem Stück haben Glück und können ein Exemplar kaufen. Und wieder öffnen sie darin ein Türchen, das sie zurück ins Jahr 2015 führt. Ihre Hausaufgabe haben sie somit erledigt und obendrein ein Abenteuer erlebt.

Die Schüler zwischen sechs und 16 Jahren haben wochenlang als Autoren, Schauspieler und Bühnenbildner gearbeitet. „Ich will später im Theater arbeiten, aber hinter und nicht auf der Bühne“, sagt der 16-jährige Fabian Engelbrecht. Er ist Regieassistent der Weihnachtsproduktion.

Vor zehn Jahren hat sich aus einem Religionsprojekt von Silke Schneider diese Theatertradition entwickelt. Damals wurde noch die Weihnachtsgeschichte gespielt. Mit der Zeit schrieben die jungen Autoren selbst Texte. „Die Kinder sind immer mit so viel Herzblut und Energie dabei“, sagt Katrin Bohner. Das bestätigt auch die zwölfjährige Lilly Kalka. „Ich schreibe nur Weihnachtsstücke gerne, weil ich da sehe, wie sich der Text auf der Bühne entwickelt.“

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