Freie Tanz- und Theaterszene Fantastische Wesen erobern den Wasserspeicher
Die Reihe „Interventionen“ öffnet mit dem Wasserspeicher am Urachplatz einen ungewöhnlichen Ort und lässt über besondere Kunstmomente staunen – Grusel inklusive.
Die Reihe „Interventionen“ öffnet mit dem Wasserspeicher am Urachplatz einen ungewöhnlichen Ort und lässt über besondere Kunstmomente staunen – Grusel inklusive.
Lichter pulsieren und zeichnen farbige Linien ins Dunkel, lauter Sound bringt den Körper zum Vibrieren. Clubatmosphäre kommt trotzdem nicht auf; dafür ist es im alten Wasserspeicher am Urachplatz zu frisch. Und die Klangcollage von Oliver Sascha Frick und Roland Batroff will auch gar nicht Körper in Bewegung versetzen, sondern sehr massive Töne in der von unzähligen Säulen getragenen Halle zum Tanzen bringen.
„Vast Space Resonating“ heißt die audiovisuelle Performance, die den „Interventionen“-Parcours der freien Tanz- und Theaterszene durch den historischen Wasserspeicher an seinem zweiten Wochenende eröffnet; wieder sind die insgesamt neun Vorstellungen von Freitag bis Sonntag komplett ausverkauft. Ganz klar: Die Wasserkammern im Untergrund sind eine Attraktion, die der freien Tanz- und Theaterszene ein neues Publikum erspielt.
Wer für dieses Wochenende Karten ergattern konnte, der darf nicht nur über ein Denkmal, sondern auch über besondere, dem Ort und dem Wasser gewidmete Kunstmomente staunen. Wie Eva Baumanns fein durchchoreografierte Tanzperformance „En bas tu vois“ (Hier unten siehst du). Sie macht mit ihren fantastischen Unterwasserwesen Lust darauf, ihrer Kunst auch einmal irgendwo oben im Trockenen zu begegnen.
Drei Tänzerinnen, darunter die Choreografin selbst, zaubern mit weißen Reifröcken. Erst sind sie darin zurückgezogen wie Seepocken, dann erwachsen daraus Meerjungfrauen. Die wandelbaren Röcke klappen wie Muscheln auf und zu oder pumpen wie Medusen. Verpuppung und Entlarvung sind die Themen, die diesen maritimen Metamorphosen Spannung verleihen.
Von farbigen Lichtern angestrahlte Säulen machen die Weite der Wasserkammern erlebbar, an einer Wand macht Eva Schmeckenbecher mit einer aus 1800 Fotos geklebten Installation nachdenklich. Sie versammelt Bilder von Krebsteilen, die sie in Massen an einem Strand fand, collagiert Mischwesen daraus und legt den Finger in die Wunden einer vom Menschen beschädigten Welt.
Das gelingt auch Céline Papions Performance „Water Memory“, die live und über eine Leinwand vergrößert immer wieder die Aggregatzustände von Wasser stört. Den Titel der „Interventionen“-Reihe nimmt sie als Impuls, wenn sie Eis zum Schmelzen bringt oder die Reinheit des Wassers mit Farbe attackiert.
Mit großartigen Gruselmomenten klingt die neue „Interventionen“-Staffel aus. Wie die Kollektive Corps exquis und Theaterneuland bekannte (Bühnen-)Texte mit unbekannten, unwirtlichen Ecken des Wasserspeichers konfrontieren, sorgt für Gänsehautmomente. Nicht nur das Gespenst oder die Selbstmörderin, sogar der kleine Prinz wirkt in einer perfekt inszenierten und bespielten Videowasserwelt bedrohlich. Dieser „Interventionen“-Rundgang macht Lust auf Mehr und Meer.
Termin
Das zweite „Interventionen“-Wochenende bespielt den Wasserspeicher bis zum 3. September, an jedem Abend gibt es drei Durchgänge: Fr und Sa um 19.30, 20 und 20.30 Uhr, So um 18, 18.30 und 19 Uhr.
Tickets
Alle neun Vorstellungen sind ausverkauft, eventuell gibt es Resttickets an der Abendkasse (25 Euro/15 Euro ermäßigt), allerdings nur gegen Barzahlung.
Ort
Der Zugang zum historischen Wasserspeicher ist im Daniel-Stocker-Weg 15a.