Freilichtbühne Killesberg: Klassik im Park Geiger Iskandar Widjaja - jung und begabt

Von Gabriele Metsker 

Also Affen gibt es beim Klassik-Open-Air auf dem Killesberg ja voraussichtlich nicht. Aber das würde den jungen Weltklasse-Geiger Iskandar Widjaja (32) auch nicht unbedingt stören.

Der Geiger Iskandar Widjaja spielt bei „Klassik im Park“.  Foto: Veranstalter
Der Geiger Iskandar Widjaja spielt bei „Klassik im Park“. Foto: Veranstalter

Schließlich hat er das schon erlebt: bei Open-Air-Konzerten, die er zum Beispiel in Indonesien gespielt hat. „Halb im Dschungel“, wie er erzählt. Eine Veranstaltung wie „Klassik im Park“ findet er daher spannend. Da tritt er als Solist mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter Leitung von Matthias Foremny auf der Freilichtbühne Killesberg auf. „Wenn ein tolles Soundsystem mit den Elementen der Natur verbunden wird, kann das der Musik sehr förderlich sein“, findet er. Überhaupt mag er Open-Air-Formate, weil es bei solchen Veranstaltungen entspannt zugeht. In Sachen Witterung ist ihm dabei nicht bange: „Es gibt für alles eine Lösung“, sagt er und lacht. „Ich bin normalerweise von einem Sommerregen eher begeistert.“ Natürlich sollten die Zuschauer nicht darunter leiden – und auch seine kostbare Geige nicht, ein Instrument von Jean-Baptiste Guillaume von 1875. „Sie hat einen sehr modernen Klang. Groß und sauber, fast wie ein Laser“, sagt er. Das ist für ihn als Künstler wie eine weiße Leinwand, auf der er durch die große Modulationsfähigkeit des Instruments sehr viele Farben zaubern kann, die Ausdruck seiner Persönlichkeit sind.

Prickelnde Stimmung an einem Frühsommerabend

Das Programm für diesen Abend haben er und das Stuttgarter Kammerorchester gemeinsam festgelegt. Es sind Stücke, die so richtig gut zur leichten, prickelnden Stimmung an einem Frühsommerabend im Grünen passen: Rossinis Ouvertüre „L’Italiana in Algier“, Auszüge aus Antonín Dvoráks „Böhmischer Suite“, französische Klangfarbenpracht von Gabriel Fauré, Maurice Ravel und Camille Saint-Saëns, außerdem Manuel de Falla – und natürlich darf auch Johann Strauß bei diesem Aufgebot nicht fehlen. Ein Komponist lag Iskandar Widjaja besonders am Herzen: Christian Sinding, von dem die „Suite im alten Stil“ erklingen wird. Das selten gespielte Stück des Norwegers ist im neobarocken Stil geschrieben und hochvirtuos. „Der erste Satz geht ab – fast wie Techno“, schwärmt der junge Geiger mit übermütig blitzenden Augen. Den zweiten Satz, eine nordische Cantilene, liebt er, weil er sehr berührend ist und viele Anklänge an die Natur aufweist. Den dritten Satz, ein norwegischer Tanz, mag er wegen der großartigen Solokadenz am Schluss. Das „Rondo Capriccioso“ von Saint-Saëns hat Iskandar Widjaja eigens für Klassik im Park gelernt, und darüber ist er sehr glücklich. „Das eignet sich perfekt für ein Open-Air-Konzert“, ist er sich sicher. Die Stücke von Ravel hat er oft als Teenager gespielt. Die „Tzigane“ war eines der ersten Stücke, mit denen er zusammen mit einem Orchester auftrat.

Heimlich gelernt

Als erste Zugabe, so verrät er, ist bei Klassik im Park die „Méditation“ von Jules Massenet vorgesehen „Die habe ich früh gelernt. Heimlich, nach Gehör, in den Sommerferien. Denn meine Geigenlehrerin dachte, ich sei noch nicht so weit. Als ich sie ihr dann vorgespielt habe, meinte sie nur, dass ich jetzt eine neue Lehrerin brauche, und sie hat mich als Jungstudent an die Musikhochschule Hanns Eissler geschickt“, erzählt er. Damals war der Junge mit indonesischen, holländischen, arabischen und chinesischen Wurzeln elf Jahre alt. Das Einzige, was für den Gewinner vieler namhafter Preise in der Musik zählt, ist die Qualität eines Stücks. „Das vermischt sich heutzutage, und das ist gut so“, betont er. „Junge Leute gehen eher nach der Stimmung ins Konzert, die eine bestimmte Art von Musik vermittelt, weniger aufgrund von Komponisten. Und so ein Open Air ist für alle attraktiv.“ Er selbst gerät durch das Geigespielen in einen Zustand, in dem er sich selbst vergisst. „Das ist gut, aber man darf nicht über seine Grenzen gehen.“ Deswegen ist ihm, obwohl er jeden Tag bis zu acht Stunden übt, Bodenhaftung wichtig. So pflegt Widjaja bewusst die Verbindungen zu Familie und Freunden, und er macht auch Urlaub oder Ausflüge in die Natur ganz ohne Geige. Danach fühlt er immer viel Inspiration. „Ich bin Musiker. Die Welt hat so viel zu bieten. Warum sollte ich mich einschränken?“

Klassik im Park: 7. Juli, 19 Uhr, Spardawelt Freilichtbühne, Tickets 07 11 / 550 660 77 und online buchbar.