Freilichtbühne Killesberg Konstantin Wecker: "Ich bin bekennder Träumer"

Von Gabriele Metsker 

Liedermacher-Legende Konstantin Wecker ist mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie auf „Weltenbrand“-Tournee. Am 21. Juni ist er auf der Spardawelt Freilichtbühne in Stuttgart zu erleben. Auf dem Killesberg haben Wecker und der Dirigent Mark Mast alte und neue Songs des Liedermachers im Gepäck.

Konstantin Wecker hat noch immer eine Mission. Am 21. Juni tritt er in Stuttgart auf. Foto: Thomas Karsten
Konstantin Wecker hat noch immer eine Mission. Am 21. Juni tritt er in Stuttgart auf. Foto: Thomas Karsten

Herr Wecker, „Weltenbrand“ enthält einige Lieder, die Sie schon als junger Mann komponiert haben. Warum ist es gerade jetzt so wichtig, sie wieder auf die Bühne zu bringen?

Es ist mein absolutes Wunschprogramm. Außerdem wollte ich wieder einmal mit einem Orchester unterwegs sein. Ich komme ja ursprünglich von der klassischen Musik. Mein Vater war Opernsänger, und ich bin mit der italienischen Oper großgeworden. Als Junge, so mit elf oder zwölf Jahren – vor dem Stimmbruch –, habe ich mit meinem Vater die Duette gesungen. Ich war eine berauschende Traviata (lacht)! Das hat mein weiteres musikalisches Schaffen sehr geprägt.

Inwiefern?

Als junger Mann habe ich Carl Orff sehr verehrt, und ich wollte als Musikstudent gern Orff-Schüler werden. Wir haben uns kennengelernt und gut verstanden, aber er war schon betagt und hat keine Schüler mehr angenommen. Bis heute habe ich ein Foto von uns beiden, das ich sehr verehre. Viele Lieder habe ich in Orffs Stil geschrieben – die „Carmina Burana“ war mein Vorbild. Ganz deutlich hört man das beim „Hexeneinmaleins“.

Das ist ein gutes Stichwort. In diesem Lied sprechen Sie davon, dass die Menschen jetzt „modern hassen“. Wie muss man sich das vorstellen?

Da hat sich in den vergangenen Jahrzehnten noch etwas geändert. Modern zu hassen bedeutete damals vor knapp 40 Jahren, alles ins Lächerliche zu ziehen. Wer Kritik übte, wurde ausgelacht. Heute sind wir noch eine Stufe weiter: in den sozialen Medien. Da ist echter Hass zu spüren, und das finde ich erschreckend. Da wird der Zusammenhang von Sprachlosigkeit und Hass sehr deutlich, denn oft äußern sich da Menschen, die der Sprache gar nicht mächtig sind. Da stehen nur Schimpfworte – ich habe das einmal verbales Furzen genannt. Das hat nichts mit zusammenhängenden Gedanken zu tun.

Welche Rolle spielt die Angst bei all den Ungerechtigkeiten, die Sie in Ihren Liedern benennen?

Die Angst, um auf die Jetztzeit zu kommen, spielt die Hauptrolle. Sie wird geschürt, um aus ängstlichen Bürgern wohlgefälliges Wahlvieh zu machen. Der drohende Faschismus, der vor der Tür steht und mir wirklich Angst macht, wird geschürt von gewissenlosen Populisten, die das Flüchtlingsthema mit völlig unrealistischen Fakten instrumentalisiert haben. Wenn wir die Gesellschaft anschauen, ist sie so, dass man den Schwächeren hilft. Das soll uns jetzt alles ausgeredet werden von einer neoliberalen Ideologie, nach welcher der Mensch des Menschen Feind ist?

Warum ist es gerade heute so wichtig, zu träumen und zu lieben und sich auf so etwas scheinbar Altmodisches wie Güte zu besinnen?

Darum geht es mir schon immer, weil mir schon immer bewusst war, dass die Ratio, die Vernunft, schrecklich sein kann, wenn sie nicht ans Herz angebunden ist. Der Verstand allein hat in den vergangenen 10.000 Jahren die Erde zerstört, das war der Verstand, das waren nicht das Herz oder die Güte. So kommen wir nicht mehr weiter. Ich bin ein bekennender Träumer und Utopist – egal, ob man mich auslacht oder nicht. Wo kommen wir denn hin, wenn wir uns die Träume von einer gerechteren und menschlicheren Welt nicht gestatten? Ich werde seit 50 Jahren geleitet von meinen Gedichten – die sind klüger als ich. Die passieren mir, kommen aus meinem Innersten. Deswegen vertraue ich auf die Poesie. Sie ist Widerstand in dieser Welt, die an ihrem Funktionalismus erstickt.

Sie sind mit Orchester auf Tournee. Warum haben Sie sich so klangstarke Unterstützung mit ins Boot geholt?

Zum einen zu meinem privaten Vergnügen (lacht), weil ich es liebe, diese Musik zu hören und zu spielen. Zum anderen hoffe ich, dass es ein Vergnügen fürs Publikum wird. Musik kann tiefer ins Innere der Menschen dringen als jede Rede und lässt uns die Wärme erleben, die wir so dringend brauchen. Ich möchte den Menschen, die Ähn­liches wollen wie ich, Mut machen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Jeder kann etwas machen. Er muss nur darin bestärkt werden, dass er etwas machen kann. Das möchte ich mit meinen Konzerten erreichen – mit der Musik, nicht nur mit den Texten.

Konstantin Wecker: 21. Juni, 19 Uhr, Spardawelt Freilichtbühne Killesberg, Tickets 07 11 / 84 96 16 7 und online