Freilichtmuseum Beuren Fast 70 000 Besucher im Museumsdorf

Das Freilichtmuseum Beuren mit seine 25 Häusern ist ein Publikumsmagnet. Foto: Freilichtmuseum Beuren/Reiner Enkelmann

Die Saisonbilanz des Freilichtmuseums Beuren (Kreis Esslingen) fällt positiv aus. Derweil läuft der Umzug des Depots auf Hochtouren, viele Objekte der Sammlung werden aussortiert. Was damit nun passieren soll.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Es wurden zwar nicht alle Erwartungen erfüllt, dennoch gilt die diesjährige Saison im Freilichtmuseum Beuren als Erfolg. Von April bis November wurden im Museumsdorf am Rande der Schwäbischen Alb genau 69 637 Besucher registriert. „Damit ist es gelungen“, zog Landrat Heinz Eininger in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses des Kreistages Bilanz, „die Zielmarke deutlich zu überschreiten.“ Kalkuliert hatte der Landkreis Esslingen, der Träger der Museums für ländliche Kultur ist, mit gut 60 000 Gästen.

 

Die erfreuliche Besucherzahl, die fast dem Vor-Corona-Niveau entspricht, kommt nicht von ungefähr: Nach drei Jahren war erstmals wieder eine komplette Saison ohne pandemiebedingte Einschränkungen mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm möglich. Nicht zuletzt wurde auch das Doppeljubiläum 50 Jahre Landkreis Esslingen und 175 Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen mit Gesprächsrunden und dem großen Bürgerfest im Museumsdorf gefeiert.

Wie aus dem Jahresbericht von Museumsleiterin Steffi Cornelius hervorgeht, lag auch die Anzahl der gebuchten Aktionen mit 463 fast wieder so hoch wie im Jahr 2019 (493). Die Führungen (245) hingegen waren deutlich weniger gefragt als damals (2019: 372). Umso wichtiger sei es, diese Angebote weiterzuentwickeln, schlussfolgert Cornelius: Weg von der eindimensionalen Wissensvermittlung „hin zu Führungen mit Erlebnisfaktor, Theaterführungen und Angeboten im Dialog“.

Auch abseits des Ausstellungsgeländes mit seinen 25 historischen Gebäuden ist in diesem Jahr viel passiert – der Umzug des Museumsdepots läuft inzwischen auf Hochtouren. Denn die 33 Bunker des ehemaligen Bundeswehr-Munitionslagers im Tiefenbachtal zwischen Nürtingen und Beuren, die das Freilichtmuseum seit der Jahrtausendwende zur Lagerung des rund 75 000 Objekte umfassenden Sammlungsbestands nutzt, müssen bis zum Jahresende 2025 geräumt sein. Beim Kauf des rund 27 Hektar großen Areals vom Land hatte sich der Landkreis nämlich dazu verpflichtet, das Gelände bis Ende 2029 zu renaturieren. Dafür werden fast alle der massiven Betonbauten unter einer drei bis vier Meter hohen Erdschicht verschwinden, um neu gepflanzten Bäumen optimale Wachstumsbedingungen zu bieten. Nach Angaben des Landratsamtes wurde bereits mit der Verfüllung in einem ersten Teilbereich begonnen, insgesamt sind fünf Bauabschnitte vorgesehen.

Bunker werden nach und nach geräumt

„Wir liegen beim Umzug des Depots gut im Zeitplan“, berichtet Cornelius. In diesem Jahr habe das Projektteam in drei Bunkerreihen den dortigen Bestand – Waschmaschinen, Schlitten und Öfen – in Augenschein genommen und bewertet. Alles, was kulturhistorisch bedeutsam ist, wurde in eine der als Ersatz angemieteten Lagerhallen nach Beuren gebracht. Dort sind seit Beginn des Depotumzugs vor drei Jahren schon 437 Paletten eingelagert worden. Die bislang zur Verfügung stehenden rund 1200 Quadratmeter reichen freilich nicht aus – vor allem nicht, um sperrige Exponate wie Heu- und Leiterwagen, Traktoren und Kutschenwagen unterzubringen. Deshalb ist die Museumsleiterin froh, dass nun eine dritte Halle – und somit weitere 558 Quadratmeter Depotfläche – hinzukommen wird. „Damit können ab 2024 auch Großgeräte und Maschinen kontrolliert eingelagert werden.“

Doch das Museum muss sich stark einschränken – künftig steht nur noch die Hälfte der bisherigen Lagerflächen zur Verfügung. Deshalb geht die Sichtung des Sammlungsbestandes weiter – was als entbehrlich gilt, soll an Interessenten abgegeben werden. Wie die Museumsleiterin ankündigt, wird es am 2. Juni nächsten Jahres wieder eine Verkaufsaktion geben. Angeboten werden dann die jüngst „ausgemusterten“ Schlitten und alte Waschmaschinen, aber auch Leiterwagen und allerlei handwerkliches Gerät. Die Organisatoren rechnen mit einem ähnlich großen Interesse wie bei der Premiere im Juli 2022, zu der mehr als 1000 Menschen kamen. Ein Großteil der rund 300 Gegenstände war schon 45 Minuten nach Veranstaltungsbeginn verkauft. Der erzielte Erlös, fast 2700 Euro, kam der Museumsarbeit zugute.

In der letzten Phase des Depotumzugs 2025 kommen die drei in viele Einzelteile zerlegten historischen Häuser sowie Bau- und Ersatzmaterial auf den Prüfstand. Die mögliche dritte Verkaufsaktion würde zum Beispiel Dachziegel, Fenster und Türen beinhalten. Ob ein Flohmarkt im Museumsdorf dafür das passende Format ist, darüber sind sich die Organisatoren noch unschlüssig. Deshalb wollen sie den Verkauf von Baumaterial „in einem kleinem Umfang“ bei der Verkaufsaktion im nächsten Jahr testen.

Ausblick auf das Jahr 2024

Eintrittspreise
Die Saison startet eine Woche vor Ostern am 24. März. Dann gelten neue Eintrittspreise für das Museumsdorf. Statt wie bislang sieben Euro kostet das Ticket für Erwachsene dann 8,50 Euro. Für Kinder ab sechs Jahren sowie für Auszubildende und Studenten sind 4,50 Euro zu zahlen, ein Euro mehr als jetzt. Der Spezialtarif für Senioren ab 65 Jahren steigt von fünf auf 7,50 Euro. Familien müssen für die Tageskarte 19 statt 15 Euro berappen. Auch die Tarife für Saisonkarten und Gruppen ziehen an, ebenso die Entgelte für museumspädagogische Aktionen und Führungen.

Veranstaltungen
Neben den jährlich wiederkehrenden Schwerpunktveranstaltungen wie Schäfertage (20. April), Garten-Genuss-Markt (5. Mai), Markt der Arche des Geschmacks (22. September) und Mostfest (6. Oktober) sind weitere Highlights geplant. So wird das Freilichtmuseum Beuren am 16. Juni 2024 in Zusammenarbeit mit dem Unesco-Geopark Schwäbische Alb erstmals das Geoparkfest unter dem Motto „Erdgeschichte entdecken, erleben, verstehen“ ausrichten. Zudem steht am 17./18. August das alle zwei Jahre stattfindende Oldtimertreffen im Programm.

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