Freilichtmuseum in Wackershofen Eine Küferei ist das neue Glanzstück

Von Tanja Kurz 

Geschichte hautnah erleben – das kann man im Hohenloher Freilichtmuseum in Wackershofen. Eine neue Ausstellung zeigt, wie Küfer einst arbeiteten.

Die Küferei-Werkstatt der Familie Brözel  ist nun Foto: Kurz 8 Bilder
Die Küferei-Werkstatt der Familie Brözel ist nun Foto: Kurz

Wackershofen - Büttner werden sie in Franken genannt, in Nordrhein-Westfalen Böttcher, in Bayern Schäffler und hierzulande Küfer. Die Rede ist von Handwerkern, die aus gewölbten Holzbohlen, den so genannten Dauben, Gefäße fertigten. Der größte Kunde des Küfers war einst der Winzer, für den er Bütten und Fässer herstellte. Aber auch für die Landwirtschaft und den Haushalt wurden Eimer, Waschzuber und Fässer produziert. Inzwischen hat Plastik das natürliche Material Holz im Fassbau weitgehend abgelöst. Das Küferhandwerk ist eine Rarität. Im Hohenloher Freilandmuseum in Schwäbisch Hall-Wackershofen können die Besucher nun auf Zeitreise gehen: Zum Saisonstart an diesem Sonntag wird hier die neue Dauerausstellung „Küferei“ eröffnet.

Die Werkstatt stammt aus dem Jahr 1885

Die Werkstatt verdankt Museumsleiter Michael Happe dem 82-jährigen Siegfried Brözel, Enkel des Küfers Johann Heinrich Brözel. Dieser hatte 1885 in Untermünkheim bei Schwäbisch Hall eine Küferei gegründet. Später übernahm sein Sohn Friedrich den Betrieb. Nebenbei betrieb er einen kleinen Weinhandel mit Ausschank, da die Aufträge für die Werkstatt zurückgingen. Auch seine Söhne erlernten das Küfer-Handwerk. Der Ältere, Günter Brözel, wanderte nach Südafrika aus. Siegfried Brözel war in einer Haller Mosterei angestellt und arbeitete nur noch nach Feierabend im väterlichen Betrieb. Doch der Küfermeister bewahrte sorgsam Werkstatt und Werkzeuge des Vaters und Großvaters auf, die nun in einer Scheune im Weinbauerndorf des Museums einen neuen Standort gefunden haben. „Dass wir die Küferei nun bei uns zeigen können, ist ein ganz besonderer Glücksfall“, sagt Museumsleiter­ Happe. Und was ist heute in der ehemaligen Werkstatt in Untermünkheim beheimatet? Ein Restaurant, dessen Name Zur alten­ Küferei an frühere Zeiten erinnert.

Ein anspruchsvolles Handwerk

Wer die Einrichtung der Küferei im Freilandmuseum betrachtet, bekommt eine Vorstellung davon, wie anspruchsvoll das Handwerk ist. In der langen Geschichte des Berufs – Daubengefäße gibt es schon seit der Antike – haben sich die Werkzeuge und der Herstellungsablauf über Jahrhunderte kaum verändert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen auch die Küfer, Maschinen einzusetzen. In dem kleinen Raum ist ein gewaltiges Sammelsurium zu sehen, das doch einer Ordnung zu folgen scheint. Rund um die Werkbank der Küferei hängen Zirkel, Holzmodel zum Abmessen der Fassdauben und Fassreifen an Haken, Hobel sind auf den Regalen aufgereiht.

Wie aus einem astfreien Stamm in mühevoller Handarbeit ein dichtes Fass wird, wofür Werkzeuge wie Lenkbeil, Krummeisen, Schraubzwinge, Gargelkamm und Schweifhobel eingesetzt werden: All das wird Küfermeister Siegfried Brözel am Eröffnungstag­ den Besuchern vorführen.

Es werden noch Küfer gesucht

Ein einmaliger Auftritt. Daher sucht Museumsleiter Happe für die Handwerkertage im Museum noch einen Küfer, der den Besuchern – wie seine Kollegen Schmied, Drechsler, Bürstenbinder, Goldschmied, Kaminfeger, Korbmacher, Seifensiederin, Sattler, Buchbinder und andere – das traditionelle Handwerk nahebringt. Im Anschluss an die Schau bietet sich der Besuch­ der so genannten NS-Zwangsarbeiterbaracke an. Die dortige Ausstellung widmet sich dem Schicksal der ausländischen Arbeitskräfte. Zudem gibt es einen Bezug zur „Küferei“: Die Ausstellung zeichnet auch die Geschichte der Hessentaler Fassfabrik nach – einst Weltmarktführer im Fassbau, der 1998 in Konkurs ging.

Die sieben Museen im Land

Seit den 60er Jahren werden in Baden-Württemberg regionale Freilichtmuseen aufgebaut. Es entstanden im Lauf der Jahre sieben Museen – die „Sieben im Süden“. Jedes davon dokumentiert dabei die ländliche Geschichte und Kultur der jeweiligen­ Region.

Saisonstart

Die offizielle ­Eröffnung ist am Sonntag, 14. April, im Odenwälder Freilandmuseum­ in Walldürn (www.freilandmuseum.com). Unabhängig davon starten die anderen Museen bereits zuvor in die neue Saison.

Termine

Das Hohenloher Freilandmuseum in Schwäbisch Hall-Wackershofen eröffnet am 17. März (www.wackershofen.de). Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach kann von 24. März an besucht werden (www.vogtsbauernhof.de). Im Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck geht es am 30. März los (ww.freilicht­museum-neuhausen.de). Das Oberschwäbische Museumsdorf Kürnbach in Bad Schussenried eröffnet am 31. März (www.museumsdorf-kuernbach.de), ebenso das Freilichtmuseum Beuren (www.freilichtmuseum-beuren.de). Das Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben in Wolfegg zieht am 7. April nach (www.bauernhausmuseum-wolfegg.de).