Freiluftgastro bis Mitternacht Gastronomen jubeln über späte Sperrstunde

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Die Gastronomen haben lange dafür gekämpft, jetzt wird es Realität: Die Restaurants und Bars im Ludwigsburger Innenstadtkern dürfen an Wochenenden bis Mitternacht Gäste im Freien bedienen. Der Testlauf verlief überraschend positiv.

Der Ludwigsburger Marktplatz ist  für sein mediterranes Flair bekannt – auch bei den Sperrzeiten nähert sich die Stadt jetzt südeuropäischen Gepflogenheiten an. Foto: factum/Archiv
Der Ludwigsburger Marktplatz ist für sein mediterranes Flair bekannt – auch bei den Sperrzeiten nähert sich die Stadt jetzt südeuropäischen Gepflogenheiten an. Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg - Wenn von den Vorzügen des Ludwigsburger Marktplatzes die Rede ist, fällt irgendwann dieser Begriff, fast immer: „Mediterranes Flair“. Tatsächlich könnte das weitläufige, barocke Viereck ja auch irgendwo weiter südlich in Europa stehen, ohne negativ aufzufallen. Hübsch ist er, und Freiluftgastronomie, wie sie Deutsche früher nur aus dem Italien- oder Spanien-Urlaub kannten, ist längst auch hierzulande ein Megatrend geworden. Mit dem gravierenden Unterschied: Wenn in Deutschland die Bürgersteige hochgeklappt werden, verlässt man in Spanien gerade erst das Haus, um gemütlich zum Abendessen zu schlendern. Im Freien natürlich. Zumindest im Sommer und an Wochenenden ist das so.

Die Gastronomen loben die Kooperationsbereitschaft der Stadt

So gesehen hat Ludwigsburg jetzt einen großen Schritt getan, um noch ein wenig mediterraner zu werden. In einer knappen Mail teilte das Rathaus vor wenigen Tagen mit, dass am Marktplatz die Sperrstunde im Freien de facto auf Mitternacht verschoben wird. „Wir haben es gehofft, jetzt wird es endlich wahr“, sagt Angelina Giuliano, der das Café Baci gehört. Den Gastronomen war das Thema so wichtig, dass sie sich eigens in einer Interessengemeinschaft zusammenschlossen. Die Initiative dazu ging aus von der Trattoria La Signora Moro, und deren Inhaber Francesco Moro jubelt ebenfalls: „Wir freuen uns sehr, dass die Stadt so kooperativ ist.“ Auch Dirk Keuthen, Manager des Marstall-Einkaufszentrums und neuer Vorsitzender des Innenstadtvereins Luis, lobt die Entscheidung. Ein schöner Platz, milde und lange Sommerabende – das stehe Ludwigsburg „gut zu Gesicht“, sagt er.

Die neue Regelung gilt von März bis Oktober und ist denkbar einfach. Offiziell beginnt die Sperrstunde für Außenbewirtung in der Innenstadt weiterhin um 22 Uhr. Die 14 Gastronomen am oder im direkten Umfeld des Marktplatzes bekommen aber die Möglichkeit, eine Sperrzeitverkürzung zu beantragen, mit der sie ihre Außenflächen freitags und samstags bis Mitternacht und an den anderen Tagen bis 23 Uhr offen lassen dürfen. In der restlichen City gilt an allen sieben Wochentagen: maximal bis 23 Uhr: „Im Falle von Verstößen kann die Sperrzeitverkürzung jederzeit widerrufen werden“, betont das Rathaus.

Manche Kommunen sind liberal, andere befürchten Proteste von Anwohnern

Ludwigsburg orientiert sich damit an Kommunen wie Waiblingen oder Göppingen, wo ebenfalls erst um Mitternacht Schluss ist. Andere Städte sind weniger liberal. Esslingen bleibt bei 23 Uhr, um Konflikte mit Anwohnern zu vermeiden. In Ludwigsburg war man ebenfalls besorgt, dass eine spätere Sperrstunde Proteste nach sich ziehen könnte – offenbar unbegründet. 2018 ist das neue Modell bereits einige Wochen lang getestet worden. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen, sagt Heinz Mayer, der Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung. „Es gab keine einzige Beschwerde.“

Was wohl damit zusammenhängt, dass die Gäste nicht auf den Marktplatz strömen, um Partys zu feiern. „Die Leute reden miteinander und genießen ihr Getränk“, sagt Angelina Giuliano aus dem Baci. Und für den Fall, dass jemand zu laut wird, muss das Personal reagieren. „Das ist die Vereinbarung, die wir mit den Gastronomen getroffen haben“, erklärt Mayer.