Freiwilliges Soziales Jahr in Baden-Württemberg Grüne: Freiwillige sollen belohnt werden

Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz wirbt für die Freiwilligendienste. Eine Dienstpflicht lehnt er allerdings vehement ab. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Der Dienst an der Gesellschaft im FSJ soll attraktiver werden, sagt Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz – auch finanziell.

Stuttgart - Rund 13 500 junge Menschen absolvieren derzeit in Baden-Württemberg ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Das Interesse ist groß, oft dient das Freiwilligenjahr dazu, Klarheit über Studienwahl und spätere Berufspläne zu gewinnen – und zugleich etwas für die Gesellschaft zu leisten. Die Grünen-Fraktion im Landtag will deshalb das Freiwilligenjahr attraktiver gestalten, zum Beispiel mit einem kostenlosen Jahresticket für Bahn und Bus im Südwesten.

 

Freiwillige leisteten „einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag“ für die Gesellschaft, sagte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz unserer Redaktion: in der Pflege, bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der Flüchtlingshilfe oder in Kultureinrichtungen. Es sei immer gut, Erfahrungen zu sammeln und somit auch Verständnis für die Leistung und Probleme anderer zu entwickeln. „Das wollen unterstützen.“ Zuletzt sei die Landesförderung für das FSJ auf 6,5 Millionen Euro erhöht worden.

Kostenlos Bahn und Bus

Bisher schon zielten die Grünen darauf ab, die Freiwilligen in das geplante 365-Euro-Jahresticket für Schüler und Auszubildende zu integrieren. Nun sollen alle, „die ganztags ehrenamtlich arbeiten“, kostenlos Bahn und Bus im Land nutzen dürfen – schließlich, so Schwarz, seien die jungen Leute für die Anreise zur Arbeit auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen seien. Wer nachweislich außerhalb wohnen muss, soll einen höheren Zuschuss für seine Unterkunft bekommen, sofern die Dienststelle nicht dafür aufkommt. Bisher erhalten die Freiwilligen ein Taschengeld, das nach Angaben der Grünen-Fraktion je nach Arbeitgeber und mit Zuschlägen maximal 450 Euro beträgt.

Außerdem soll das Freiwilligenjahr stärker als bisher beim Hochschulzugang mit Bonuspunkten zu Buche schlagen. Schon jetzt erkennen viele Hochschulen den Freiwilligendienst beim Studienzugang an. Das gilt auch – je nach Fachrichtung – für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Für die Zulassung in den Medizinstudiengängen wird der Freiwilligendienst bereits einheitlich aufgewertet.

Keine Dienstpflicht

Schließlich wollen die Grünen das Freiwillige Soziale Jahr für andere Altersgruppen öffnen. Bis jetzt wird es für junge Menschen im Alter von 15 bis 26 Jahren angeboten. Wer älter ist, ist auf den Bundesfreiwilligendienst verwiesen. Nun soll auch das FSJ geöffnet werden - bis hin zu Ruheständlern, die sich noch fit fühlen.

Ein allgemeines Dienstjahr, wie es zuletzt von der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer oder von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vertreten wurde, lehnt Schwarz ab. Ein Zwangsdienst sei „ein krasser Eingriff in die Freiheit und Lebensplanung“ junger Menschen sagte er. Wer sich hingegen aus eigenem Antrieb für die Gesellschaft engagiere, bleibe oft ein Leben lang dabei.

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