Freizeit in Stuttgart Nach Sparhaushalt: Die ersten Sportvereine erhöhen ihre Beiträge

Wie geht es weiter für die FSV Waldebene Ost? Im Etat fehlen 17 000 Euro, nun wird darum gerungen, wie das Geld aufzubringen ist. Foto: FSV

Es war zu befürchten: Nachdem die Stadt Gebühren erhöht und Zuschüsse gestrichen hat, reagieren die Vereine und legen die Kosten auf die Mitglieder um.

Das ging schnell. Die Mitglieder des TB Gaisburg haben bereits Post bekommen. Je nachdem, welchen Sport sie treiben, müssen sie Zusatzbeiträge in unterschiedlicher Höhe bezahlen. Denn „der nun beschlossene Sparhaushalt der Stadt Stuttgart trifft uns hart – weniger Zuschüsse und steigende Kosten (z.B. Hallenkosten) sind beschlossen!“, lautet die Begründung.

 

Die Vereine zahlen mehr Miete

Die Stadt Stuttgart musste darauf reagieren, dass die Einnahmen durch die Gewerbesteuer um 550 Millionen Euro gesunken waren. Man muss Schulden aufnehmen, Rücklagen auflösen – und sparen sowie Gebühren erhöhen. Im Bereich des Sports summiert sich das im Jahre 2026 auf 2,7 Millionen Euro, von 2027 an sind es gar 4,2 Millionen Euro. So steigt die Miete für städtische Sporthallen insgesamt für alle knapp 300 Vereine um 520 000 Euro, für Sportplätze um 125 000 Euro. Zuschüsse für Fahrtkosten werden gestrichen, in Höhe von 205 500 Euro, ebenso Zuschüsse für urbane Bewegungsräume, Gutscheine für Bewegung, die Sportförderung.

Für die Vereine eine erkleckliche Summe. Der PSV Stuttgart mit seinen zwölf Abteilungen muss 10 000 Euro je Jahr auftreiben. Für den noch jungen Verein FSV Waldebene Ost sind es gar 17 000 Euro, sagt Geschäftsführer Michael Dalaker. 2018 ist der Verein im Osten aus der Fusion von drei Sportvereinen entstanden. 870 Mitglieder haben sie, 500 davon sind Kinder und Jugendliche. Wie sie as Geld auftreiben? „Das wissen wir noch nicht“, sagt er. Vor zwei Jahren erst haben sie eine Umlage von 30 Euro je Mitglied verlangt, um die „explodierenden Energiekosten“ bezahlen zu können. „Das war schon umstritten und mit Widerstand verbunden.“

Auch die Übungsstunde der jungen Handballer kostet künftig mehr Miete. Foto: Lichtgut

Gerechnet hat er schon mal. Würden sie die Mitgliedsbeiträge erhöhen, müssten sie von jedem Vollzahler, also erwachsenen Berufstätigen, 100 Euro verlangen. „Das ist unmöglich“. Besonders hart treffe den FSV, dass die Zuschüsse für offene Vereinsanlagen komplett gestrichen wurden. Da ersetzt die Stadt die Kosten, die dadurch entstehen, dass die Vereine ihre Sportplätze zur Nutzung anbieten, wenn sie selbst kein Training oder Spiel haben. „Wir haben dutzende von Kindern und Jugendlichen, die hoch zur Waldebene kommen, um dort zu kicken.“ Im Stadtteil selbst gibt es viel zu wenige Sportanlagen, „deshalb ist dieses Angebot auch so wichtig und wir machen es gerne“. Aber nun fehlen pro Jahr 7000 Euro. Und jüngst erst musste Dalaker für 5000 Euro neue Tornetze kaufen. „Die Kinder turnen auch mal drin rum“, was nicht schlimm sei, aber durch die dauernde Nutzung brauchen die Plätze mehr Pflege, und gegebenenfalls Ersatz. „Wir wollen wir dieses Angebot aufrecht erhalten“, sagt Dalaker, „aber eigentlich können wir es uns nicht mehr leisten“. Nun hoffe er, dass es womöglich eine Härtefallregel gebe. „Man kann ja nicht in Sonntagsreden die wichtige Rolle der Sportvereine betonen“, sagt er, „und uns dann im Regen stehen lassen.“

Integration, Sozialarbeit, Erziehung, man leiste weit mehr als nur Sport anzubieten, betont auch Benjamin Haar, Geschäftsführer der Sportvereinigung Feuerbach. Sie haben bereits im Sommer beschlossen ihre Beiträge anzupassen. „Wir lagen 40 Prozent unter dem Beitrag von vergleichbaren Vereinen“, sagt er. Binnen fünf Jahren werde man nun von 135 Euro auf 200 Euro erhöhen. Damit komme man zurecht, wohl wissend, dass es womöglich dazu führt, dass manche nicht auf Rosen gebettete Mitglieder sich das nicht mehr leisten können.

Ihn schmerzt auch, dass die Zuschüsse für energetische Sanierung gestrichen werden, bis 2027 sind das 2,5 Millionen Euro. Die Realität nach Corona und Energiekrise sei, dass viele Sportvereine nichts mehr auf der hohen Kante haben, „ohne diese Zuschüsse wird schlichtweg nicht saniert“. Wie die Stadt so ihr Ziel, 2035 energieneutral zu sein, einhalten wolle, sei ihm schleierhaft.

Was passiert mit dem alten Kunstrasen?

Auch Michael Dalaker hat noch viele Fragen. Insbesondere ärgert ihn, „dass man beim Breitensport spart und beim Spitzensport weiter freigiebig ist“. Der eigene Kunstrasen sei alt, heize sich wegen des schwarzen Granulats im Sommer so sehr auf, dass man da keine Kinder drauf lassen könne. Am Sanierungsprogramm für Kunstrasen spart man 250 000 Euro pro Jahr. „Das heißt, wir werden ewig warten“, sagt er. Aber für den VfB Obertürkheim seien mehr als 4 Millionen Euro da für den Bau zweier Sportplätze. „Da soll das Nachwuchsleistungszentrum der Frauen des VfB Stuttgart entstehen“, dafür habe man Geld. „Das ärgert mich! Dabei ist der Breitensport die Basis für den Spitzensport.“

Geld für den VfB ist da?

In Gaisburg haben sie schon entschieden, sie kommen nur zurecht, wenn die Mitglieder ihr Scherflein beitragen. Je nach Abteilung: Das geht von 20 Euro zusätzlich pro Jahr von der Skigruppe über 96 Euro für die Volleyballer bis zu 165 Euro beim Modern-Jazz- Tanzgruppe für Erwachsene.

Das wird erst der Beginn sein. Fürchten sie auch beim Sportkreis, dem Interessenvertreter der Sportvereine der Stadt. Dort hat man darum gebeten, informiert zu werden über Sparmaßnahmen und Beitragserhöhungen. Um ein genaues Bild zu bekommen, wie sich der Sparhaushalt auf die Vereine auswirkt. Und die Mitglieder.

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