Stuttgart - Die Region Stuttgart ist nicht nur ein wirtschaftlicher Ballungsraum. Die landschaftlichen Schönheiten wie die Streuobstwiesen am Albtrauf, Weinberge in den Flusstälern von Neckar und Rems oder das Ackerland auf der Filderebene ins Bewusstsein der Menschen zu bringen und an der Aufwertung der Freiräume zu arbeiten, hat sich der 2005 ins Leben gerufene Landschaftspark Region Stuttgart zur Aufgabe gemacht. Jedes Jahr können sich die Kommunen in der Region für eigene Projekte um Kofinanzierungsmittel beim Verband Region Stuttgart (VRS) bewerben. Normalerweise stehen dafür pro Jahr 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Weil jedoch coronabedingt 2021 nicht alle Mittel abgerufen worden sind, hat die Jury für 2022 noch einmal kräftig draufgelegt. Allein für 2022 stellt sie mehr als zwei Millionen Euro zur Verfügung und hat zudem bereits jetzt den beiden Leuchtturmprojekten der Region für 2023 und 2024 weitere Zuschüsse von 1,2 Millionen Euro zugesagt.
Die Ausgangslage
Insgesamt musste das Fachgremium über 27 Anträge entscheiden. Die beantragte Fördersumme lag bei 4,8 Millionen Euro. Die nun von der Region bezuschussten Projekte sollen kommunale Investitionen in Höhe von 26,1 Millionen Euro auslösen. 21 der 27 Projekte erhalten Zuschüsse – allerdings nicht immer in der beantragten Höhe.
Die Leuchtturmprojekte
Die höchste Fördersumme fließt in die Landeshauptstadt selber. Insgesamt eine Million Euro stellt der Verband Region Stuttgart (VRS) für die Aufwertung des Neckarufers im Bereich des Cannstatter Wasens zur Verfügung. Auf 900 Metern Länge – zwischen der König-Karls-Brücke und dem Campingplatz – soll eine öffentliche Naherholungsfläche mit Aufenthaltsflächen am Wasser und naturnahen Flachwasserzonen entstehen. Konkret geplant sind zwei barrierefrei erschlossene Ebenen. Auf der oberen Fläche verläuft der Neckartalradweg. Es gibt eine Baumreihe, Sitzmöglichkeiten und Eidechsenhabitate. Am Ufer soll ein Flanierweg mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten entstehen. Verbunden werden beide Ebenen und die vorgelagerte Anlegestelle für die Personenschifffahrt und die Liegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe durch eine Freitreppe. Insgesamt will die Stadt Stuttgart an dieser Stelle 12,5 Millionen Euro investieren.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Bürger haben Neckar im Blick
Das zweite Großprojekt – Gesamtkosten immerhin neun Millionen Euro – findet sich in Esslingen. Dort soll ebenfalls am Neckar im Bereich der Neuen Weststadt, also dem früheren Güterbahnhofsgelände, der neue Neckaruferpark als Naherholungsgebiet mit Aktivbereich, Neckarbalkon und renaturierten Uferzonen entstehen. Dafür stellt der VRS in den kommenden drei Jahren insgesamt zehn Prozent der Gesamtkosten, also 900 000 Euro, zur Verfügung.
Auf „Entdeckertour“
Einst hieß die 50 Kilometer lange Strecke zwischen Nürtingen (Kreis Esslingen) und Weil der Stadt (Kreis Böblingen) Museumsradweg. Im Rahmen des interkommunalen Modellvorhabens „Lebendige Regionen“ erhält die Strecke nicht nur einen neuen Namen. Die „Entdeckertour – Kulturlandschaft zwischen Heckengäu und Schönbuch“ soll durch verschiedene Gestaltungselemente und interaktive Informations- und Erlebnisstationen aufgewertet werden. Gleich neun der 21 vom VRS geförderten Maßnahmen sind Teil der „Entdeckertour“.
So werden nun zahlreiche Aussichtspunkte auf Ausflugsziele am Wegesrand geschaffen – etwa in Nürtingen auf die Kirche St. Laurentius, die Sammlung Domnick und die Villa Rustica, in Holzgerlingen auf die Burg Kalteneck, in Böblingen aufs Deufringer Schloss und in Weil im Schönbuch auf die Obere Rauhmühle und die Falknerei Geruda. Informationstafeln und Informationsstationen – wie in Waldenbuch eine zum Thema Glasgewinnung im Mittelalter – ergänzen das Angebot. Auch soll die Erlebnistour neu und durchgängig ausgeschildert werden.
Kreise Ludwigsburg und Böblingen
Mundelsheim soll den Auftakt für das interkommunale Projekt „Adressen am Fluss“ bilden. Geplant ist ein Spiel- und Aufenthaltsplatz am Neckartalradweg mit Zugang zum Fluss. Neben Ausflugsfahrten mit dem Neckar-Käpt’n ist eine Einstiegsstelle für nicht motorisierte Wassersportgeräte geplant. Besigheim bekommt Unterstützung für die Gestaltung eines Steillagenrundwegs, Sersheim beim Bau einer Pumptrackanlage und eines Outdoor-Fitnessbereichs. Eine weitere Pumptrackanlage entsteht in Leonberg auf der ehemaligen Autobahntrasse. Weil der Stadt schafft einen 8,5 Kilometer langen Rundweg entlang der im Dreißigjährigen Krieg historisch bedeutsamen Landgräben.
Was sonst noch geplant ist
Naturnahe Projekte werden in Denkendorf (Kreis Esslingen) und Gingen an der Fils (Kreis Göppingen) verwirklicht: In Denkendorf entsteht ein Naturerlebnispfad mit zehn interaktiven Stationen, unter anderem einer großen Kugelbahn. In Gingen wird ein Walderlebnispfad geschaffen. Hier soll es 15 Stationen geben. Am Ortsrand von Winnenden – in Richtung Hofen – wird der Landschaftspark Buchenbachaue ökologisch aufgewertet. Auch sollen dort bestehende Spiel- und Freizeitangebote aufgewertet werden.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Neckarufer soll zum Verweilen einladen
An der Welzheimer Haltestelle der Museumsbahn sollen ein Klettergarten für größere Kinder und ein wettergeschützter Rast- und Kleinkindbereich entstehen. Mit einem wirklich außergewöhnlichen Projekt hat sich Remseck beworben. Dort gibt es die letzten der stark vom Aussterben bedrohten Neckar-Schwarzpappeln. Ziel der Aktion ist es, diese Pappelallee zu erhalten, die Pappeln nachzuzüchten und schließlich auch wieder neue Bäume zu pflanzen.