Freizeitparks öffnen wieder Vergnügen trotz Mundschutz

Von und Jürgen Kunz 

Die Freizeitparks im Südwesten starten in die Sommersaison – allerdings mit angezogener Handbremse. Die Besucherzahlen werden zum Teil begrenzt, zu ihrem eigenen Schutz müssen die Gäste Hygieneregeln beachten.

Am Freitag startet unter anderem der Europa-Park in Rust in die Saison. (Archivbild) Foto: Patrick Seeger/dpa
Am Freitag startet unter anderem der Europa-Park in Rust in die Saison. (Archivbild) Foto: Patrick Seeger/dpa

Baden-Württemberg - Darauf haben die Betreiber lange gewartet: Am Freitag (29. Mai) starten unter anderem der Europa-Park in Rust bei Freiburg, der Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn (Kreis Heilbronn), der Schwabenpark in Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) und das Ravensburger Spieleland in Meckenbeuren (Bodenseekreis) in die Saison. Am Samstag folgt das Legoland in Günzburg (Bayern).

Die Sommersaison in Rust hätte eigentlich schon am 28. März beginnen sollen, doch die Corona-Pandemie hat den größten Vergnügungspark Europas acht Wochen lang lahmgelegt. Es sei „eine ex­trem schwierige Zeit“ gewesen, sagte der Europa-Park-Chef Roland Mack (70) in einer Livestream-Pressekonferenz am Dienstag in Rust. Zwar habe er vom Ausbruch der Epidemie durch geschäftliche Kontakte mit China früh erfahren, sei aber dennoch von der Geschwindigkeit der globalen Entwicklung überrascht worden. Mit einem Krisenstab habe das Unternehmen schnell reagiert und Kontakt mit der Landesregierung gehalten. 4000 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit geschickt worden, der Umsatzverlust durch die verzögerte Öffnung und den Wegfall der Veranstaltungen betrage rund 100 Millionen Euro.

Der Besuch wird anders aussehen als sonst

„Wir haben Eigenkapital verbrannt“, erklärte Roland Mack, der mit seinem Bruder Jürgen und seinen Söhnen Michael und Thomas das Familienunternehmen leitet. Der Europa-Park wurde 1975 gegründet; in der vergangenen Saison haben ihn gut fünfeinhalb Millionen Gäste besucht. „Unsere Vorfahren haben Kriege und Notzeiten überlebt“, betonte Roland Mack. Der Europa-Park habe jedoch ein solides Geschäftsmodell und werde sich erholen.

Allerdings werde der Besuch des Vergnügungsparks vorübergehend anders aussehen als bisher. Das beginnt mit dem Eintritt. Karten können nur vorab online und für ein bestimmtes Datum bestellt werden. Auch Dauerkarten sind vorübergehend ausgesetzt, deren Inhaber können den Park nur einmal im Monat mit einem gebuchten Ticket besuchen. Die Gültigkeit der Dauerkarten wird aber verlängert. Insgesamt dürfen sich an einem Tag nur bis zu 10 000 Besucher im Europa-Park einfinden. Das werde allenfalls für „eine schwarze Null“ im Ergebnis reichen, sagte Roland Mack.

Während des Parkbesuches gelten für die Nutzung der Attraktionen und für Restaurantbesuche eine Schutzmaskenpflicht und ein Abstandsgebot von anderthalb Metern. Damit Gäste diese Regeln einhalten, hat der Park die App Distance Radar entwickelt. Auch das Anstehen an den Fahrgeschäften wird durch die App erleichtert und entzerrt. In den Achterbahnen und Kabinen bleibt jeweils eine Reihe frei. Die Fahrgäste müssen die Sicherheitsbügel selbst schließen und öffnen, für die Sicherheit ist dennoch gesorgt.

Von 300 Künstlern sind nur 60 da

Das Bezahlen in den Shops sollen berührungslos abgewickelt werden. Showveranstaltungen wird es vorerst nicht geben. Von den 300 Künstlerinnen und Künstlern sind derzeit nur 60 präsent. Auch die anderen Parkbeschäftigten sind wegen des eingeschränkten Betriebes nicht alle wieder an ihren Arbeitsplätzen. Nach wie vor sind die Grenzen zu Frankreich und der Schweiz geschlossen, sodass vor allem Besucher aus Deutschland erwartet werden. Der Park setzt auf den Trend, im eigenen Land Urlaub zu machen. „Im Moment kann man nur im Europa-Park quer durch Europa fahren“, sagte Roland Mack mit Verweis auf die Länder-Themenbereiche in Rust.

Trotz aller Einschränkungen wollen die Macher des Freizeitparks auch in dieser Saison neue Attraktionen bieten. Dazu gehört in erster Linie die Wiedereröffnung des vor zwei Jahren durch einen Brand zerstörten Bereichs „Piraten in Batavia“, ein Fahrgeschäft, das viele Fans hat und nun mit neuester Technik und leicht veränderter Geschichte auf die Reise geschickt wird. Wann genau jedoch die Wasserwelt Rulantica wieder öffnen darf, ist noch unklar. Es wird aber bereits der Außenbereich mit Restaurant erweitert, und im Inneren der Anlage soll eine neue Saunalandschaft entstehen. Nur vorübergehend seien weitere Investitionen von 40 Millionen Euro zurückgestellt worden.

Tripsdrill öffnet wieder komplett

Auch der Erlebnispark Tripsdrill und die Betreiberfamilie Fischer samt ihrer rund 200 Mitarbeiter haben lange auf den Eröffnungstag hingefiebert: Übernachtungen in den Baumhäusern und Schäferwagen des Natur-Resorts Tripsdrill sind seit 18. Mai möglich, das Wildparadies hat seit 6. Mai wieder geöffnet. Nun geht es wieder los mit allen Angeboten. „Die Gesundheit der Besucher und Mitarbeiter steht dabei an erster Stelle“, sagt der Pressesprecher Birger Meierjohann. Eine Maskenpflicht im Eingangsbereich, in der Gastronomie und gegebenenfalls in den Wartebereichen der Fahrgeschäfte in Gebäuden gehört zu den Vorkehrungen. Infoschilder mit Hinweisen zu Abstands- und Hygieneregeln sowie Desinfektionsmittelspender werden auf dem gesamten Gelände aufgestellt. Im Eingangsbereich gibt es Abstandsmarkierungen, und Eintrittstickets werden berührungslos gescannt. Bei Bedarf werden auch Nasen-Mundschutz-Masken verkauft. „Es kann ja nicht sein, dass Gäste den Erlebnispark nicht betreten dürfen, weil sie ihre Maske vergessen haben“, sagt der Sprecher.

Die Mitarbeiter wurden geschult, auch in den notwendigen Desinfektionsmaßnahmen. „Die Spielplätze im Erlebnispark werden alle geöffnet, allerdings wird die Kinderzahl begrenzt“, sagt der Sprecher Birger Meierjohann. Insgesamt gebe es noch keine Begrenzung der Besucherzahl für den Park. Bei einer Fläche von 35 000 Quadratmetern seien die Abstandsregeln aber gewährleistet.

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