Freizeitspaß in den Sommerferien So sieht’s im Fellbacher Waldheim aus

Teamarbeit ist die beste Arbeit – im Waldheim lernen die Kinder, gemeinsam anzupacken. Foto:  

Der Sommer ist im vollen Gange – und damit auch die Zeit der Freizeitheime. In Fellbach läuft aktuell das Ferienwaldheim Waldschlössle auf dem Kappelberg. Was erleben die Kinder in den zwei Wochen, die sie im Wald verbringen?

Tuut, tuut, aus dem Weg!“, ruft der fünfjährige Jakob. „Wir müssen hier durch.“ Ganz konzentriert schaut der Junge auf den Waldweg vor sich. „Puh, ist das schwer, heute Abend habe ich bestimmt Muskelkater.“ Gemeinsam mit einem anderen Jungen schleppt er einen Ast, der länger ist, als die beiden Kinder insgesamt groß sind. „Wir brauchen Holz für unser Lagerfeuer heute Abend“, erklärt die kleine Mathilda, die danebensteht und zuschaut.

 

Im Hintergrund versuchen zwei kleine Mädchen, ein sperriges Stück Holz aus dem Boden zu ziehen. „Wir brauchen Hilfe“, sagt die eine. „Nein, das schaffen wir alleine“, widerspricht die andere. Trotzdem eilt eine Betreuerin heran und greift den beiden unter die Arme. Zu dritt tragen sie den Ast zu dem Holzhaufen, den die Gruppe in anderthalb Stunden zusammengetragen hat.

Eine richtig wuselige Stimmung herrscht im Ferienwaldheim Waldschlössle, das die evangelische Kirchengemeinde Fellbach wie jedes Jahr auf dem Fellbacher Kappelberg veranstaltet. In der Nachkriegszeit wurde die Freizeit ins Leben gerufen, um die Kinder für eine Weile aus ihrem düsteren Alltag zu holen. Seit 76 Jahren findet sie jedes Jahr statt.

Insgesamt vier Wochen läuft das Angebot auf dem Kappelberg

Das Waldheim ist in zwei Blöcke unterteilt, die aus je 14 Tagen bestehen. Allerdings haben die beiden Abschnitte eigentlich nur das Waldschlössle als Veranstaltungsort gemeinsam. Nicht nur die Teilnehmer, auch die Leitung und die Mitarbeiter unterscheiden sich. Aktuell ist die zweite Gruppe dran. Sie besteht aus 140 Kindern im Alter zwischen fünf und 15 Jahren. Im ersten Abschnitt waren es knapp 200. „Diese Verteilung ist normal“, sagt Heike Härter-Holzwarth, die den zweiten Abschnitt mit ihrem Ehemann Ralf Holzwarth seit mehr als 20 Jahren leitet. Mitte August seien die meisten Familien im Urlaub. Der Großteil der Kinder kommt aus Fellbach und den Teilorten Schmiden und Oeffingen, vereinzelt sind auch welche aus dem Rest des Rems-Murr-Kreises und aus Stuttgart dabei.

Ausreichend Bewegung darf im Freizeitheim natürlich auf keinen Fall fehlen.

Jeden Morgen holt ein Bus die Kinder in Fellbach und den Teilorten ab. Dann ist erst einmal Frühstück angesagt, als erste gemeinsame Aktivität und „damit die Kinder richtig ankommen“. Gleich im Anschluss findet – zumindest am ersten Tag – die Gruppeneinteilung statt. Zehn sind es an der Zahl. Die Leiter teilen die Kinder nach Alter und Geschlecht ein, damit keiner beim Spielen benachteiligt wird.

Ein Ort, an dem Freundschaften entstehen

Arianas Gruppe hat sogar schon einen Namen. „Wir sind die 15 magischen Vampir-Girls“, erklärt die Zehnjährige stolz. Er passt zum Motto „Magisches Waldheim“. Ganz konzentriert schneidet Ariana eine Fledermaus aus, die sie davor in Türkis auf ein Blatt Papier gemalt hat. „Wir machen ein Plakat für unsere Gruppe“, erklärt sie. „Und Fledermäuse passen super zu Vampiren.“

Während die „Vampir-Girls“ fleißig am Basteln sind, ist eine Jungsgruppe zum Fußballspielen eingeteilt worden. Auf dem Bolzplatz geht es gleich viel wilder zu. „Die Kinder wollen die ganze Zeit nur kicken“, sagt Gruppenbetreuer Max Steiner. Ein Dutzend bolzende Zehnjährige muss der 26-Jährige unter Kontrolle halten – mit einem weiteren Betreuer. Steiner hilft ehrenamtlich, wie alle Mitarbeiter. Für das Waldheim hat er sich Urlaub genommen. „Für mich ist das ein Ausgleich“, erklärt er. Außerdem sei er als Kind selbst Teilnehmer gewesen.

Genauso geht es auch Mitarbeiterin Nadine Deuschle. „Ich bin seit 16 Jahren Mitarbeiterin, und davor war ich selbst dabei“, sagt sie. Irgendwann sei sie der Altersgrenze entwachsen und dann eben zur Mitarbeiterin geworden. Seitdem war sie jedes Jahr dabei. „Es macht einfach so viel Spaß“, sagt Nadine Deuschle. „Man kommt aus dem Alltag raus und das Team ist super.“ Aber auch Leiterin Härter-Holzwarth hebt die besondere Gemeinschaft hervor. „Unter den Teilnehmern entstehen manchmal Freundschaften, die sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen“, berichtet sie. Eine Mitarbeiterin hat im Waldheim sogar ihren Partner kennengelernt – und zwar schon, als beide ihre Kindertage auf dem Kappelberg verbrachten.

Inklusion im Waldheim

Besondere Betreuung
Seit diesem Jahr sind auch Kinder mit Behinderung im Waldheim auf dem Fellbacher Kappelberg dabei. Fünf sind es an der Zahl, verteilt über die zehn Gruppen – und unterstützt durch drei Betreuer, die sich nur um sie kümmern.

Kooperation mit der Diakonie
 Leonie Hutt von der Diakonie Stetten hat die Kooperation angestoßen. Die Diakonie bietet selbst Freizeitangebote für Kinder mit besonderen Bedürfnissen an. „Wir wollten aber, dass sie auch beim Waldheim dabei sein können“, erklärt Hutt. „Es profitieren beide Seiten davon – auch die anderen Kinder.“

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