Freizeitsport im Wald Schönbuch schafft Strecken für Mountainbiker

An der Planung des Streckennetzes durch den Naturpark Schönbuch, im Bild der Olgahain bei Bebenhausen, haben Mountainbiker mitgewirkt. Foto: z/Rainer Schmid
An der Planung des Streckennetzes durch den Naturpark Schönbuch, im Bild der Olgahain bei Bebenhausen, haben Mountainbiker mitgewirkt. Foto: z/Rainer Schmid

Der Naturpark Schönbuch hat seit Kurzem etwas, wovon viele Radsportler in Leinfelden-Echterdingen träumen: ein mehr als 100 Kilometer langes Streckennetz durch den Wald. Im Siebenmühlental gibt es Planungen für Ähnliches. Aber sie stocken.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)

Filder - Drei Rundtouren auf etwas mehr als 100 Kilometern, zwei Verbindungspassagen, mit denen die Strecken kombiniert werden können, teils anspruchsvolle Trail-Abschnitte. Im Naturpark Schönbuch wurde nach vierjähriger Planungsarbeit ein Angebot für Mountainbiker geschaffen. Ein Großteil der Routen ist bereits freigegeben. Voraussichtlich im Laufe des Februars soll das gesamte neue Streckennetz befahrbar sein. 2015 sei das Besucherleitsystem im Naturpark überarbeitet worden, sagt Christine Bengel-Fritz, die das Leitsystem betreut. Dabei sei offensichtlich geworden, „dass die Mountainbiker bisher nicht berücksichtigt wurden, die Anzahl aber kontinuierlich steigt“, sagt Bengel-Fritz. Daher sollten sie ebenfalls Wege bekommen, die ihnen Laune machen.

Im Siebenmühlental ist Ähnliches geplant. „Es gab in den vergangenen Wochen Gespräche mit Vertretern von Forst und Naturschutz“, teilt Thomas Krämer, Pressesprecher in Leinfelden-Echterdingen, mit. Die Ausweisung möglicher Strecken sei jedoch komplex, da etliche Beteiligte einbezogen werden müssten. Zudem habe die Corona-Pandemie das weitere Vorgehen gebremst – so waren mit den Beschränkungen gemeinsame Treffen nicht mehr machbar. „Sobald es wieder möglich ist, wird es in den kommenden Wochen Gespräche mit den Beteiligten bei einem Scoping-Termin geben“, sagt Krämer. Dabei treffen sich Vertreter verschiedener Behörden mit Naturschutzverbänden und Experten. Die Untersuchung der Auswirkungen bestimmter Bauprojekte auf die Umwelt ist gesetzlich vorgeschrieben. Das Scoping definiert den Untersuchungsraum und die Untersuchungstiefe.

Mountainbiker haben Mitspracherecht

Neben Behörden und Naturschützern waren im Naturpark Schönbuch Mountainbiker an den Planungen beteiligt. So soll es auch in Leinfelden-Echterdingen sein. Die unterschiedlichen Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen, sei im Schönbuch nicht immer einfach gewesen. „Ja, das war manchmal sehr zäh. Aber allen Beteiligten war die Notwendigkeit einer Mountainbikestrecke bewusst, und somit stand das Projekt zu keinem Zeitpunkt auf der Kippe“, erzählt Bengel-Fritz. Seitens der Behörden sei schnell kommuniziert worden, wo ein Mountainbikenetz möglich sei und wo nicht. „So konnten sich die engagierten Mountainbiker bei der Planung sozusagen auf den vorgegebenen Raum konzentrieren.“ Und sie sollen die Strecke als Paten betreuen, damit sie möglichst lange in einem guten Zustand bleibt.

Und was sagen die Mountainbiker dazu? Marcus Wartbiegler aus Steinenbronn ist Mitglied der Ortsgruppe Siebenmühlental im MTB Stuttgart und hat sich die Strecken im Schönbuch bereits angeschaut. Der Ansatz sei nicht schlecht, sagt er. „Teilweise illegale Strecken wurden damit legalisiert.“ Aufgrund der Witterung seien die Strecken derzeit allerdings sehr matschig, man versinke teils im Schlamm. „Das ist nicht ideal. Aber viele Mountainbiker freuen sich, dass es das Angebot gibt“, sagt Wartbiegler. Dass Trail-Paten sich um die Routen kümmern sollen, befürwortet er. Auch sei den Mountainbikern zugesichert worden, dass sie die Strecken noch ausgestalten dürfen, um sie für die Freizeitsportler attraktiver zu machen. „Das hat Potenzial“, resümiert Wartbiegler.

Konflikte mit Fußgängern und dem Naturschutz

Und wie sieht es mit Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern im Wald aus? Die gebe es auch im Schönbuch, sagt Christine Bengel-Fritz. Auch Konflikte mit dem Naturschutz hätten zugenommen. Wenn man sich an „einige grundsätzliche Regeln“ halte, sei es aber möglich, Freizeitsport und Naturschutz in Einklang zu bringen. Rücksichtnahme sei wichtig, ebenso auf den Wegen zu bleiben. Dass Müll nicht in den Wald geworfen wird, sollte selbstverständlich sein. Ebenso wenig sollten Tiere gestört oder Pflanzen beschädigt werden.

Teile der Mountainbike-Strecke im Schönbuch seien auch für Fußgänger begehbar. „Besonders schöne Wegabschnitte mit Aussichten wollten wir nicht den Mountainbikern vorenthalten“, sagt Bengel-Fritz. „Grundsätzlich sind aber Wanderwege und Mountainbikestrecke getrennt.“ Damit sei die Nutzung möglichst konfliktfrei, oder es verliefen parallele Wegabschnitte auf breiten Forststraßen, auf denen Radfahrer und Fußgänger gut aneinander vorbeikämen.

Marcus Wartbiegler freut sich, dass mehr für die Radsportler getan wird, sagt aber auch, dass die Zielgruppe sehr heterogen sei und es schwierig sei, Angebote für alle zu schaffen. „Es gibt Fahrer, die Spaß an kurzen, anspruchsvollen Trails haben und diese immer wieder fahren wollen“, sagt Wartbiegler. „Aber auch solche, die lieber 30, 40 Kilometer lange Touren fahren wollen und nicht immer dieselben Strecken.“ Die unterschiedlichen Wünsche zusammenzubringen und auch noch Wanderer und Spaziergänger zu berücksichtigen, sei nicht einfach. Der Mountainbiker plädiert für gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme. „Ein friedlicher Umgang miteinander ist das Ziel“, sagt Wartbiegler.




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