Freundeskreis in Untertürkheim Hilfe für Flüchtlinge

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Auf Initiative des Freundeskreises zieht eine schwangere Frau aus dem Flüchtlingsheim jetzt in eine Wohnung der Baugenossenschaft Luginsland.

Seit August 2012 wird das Gebäude an der Strümpfelbacher Straße als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Foto: Maira Schmidt
Seit August 2012 wird das Gebäude an der Strümpfelbacher Straße als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Foto: Maira Schmidt

Untertürkheim - Als einzige Frau in einem Flüchtlingsheim zu leben, in dem ansonsten nur Männer wohnen, das ist ohnehin keine einfach Situation. Wenn die betroffene Frau dann aber auch noch schwanger ist, wird das Ganze unzumutbar. Genau so einen Fall hat es bis vor Kurzem in der Flüchtlingsunterkunft an der Strümpfelbacher Straße in Untertürkheim gegeben. Auf Initiative des Freundeskreises Flüchtlinge Untertürkheim ist die junge Irakerin jetzt in eine Wohnung der Baugenossenschaft Luginsland gezogen.

Der Freundeskreis, der inzwischen acht Mitglieder zählt, hat sich erst vor wenigen Monaten gegründet, nachdem quasi über Nacht in dem Gebäude an der Strümpfelbacher Straße Flüchtlinge untergebracht worden waren. Das Haus war eine der Notunterkünfte, auf die die Stadt im August 2012 zurückgriff, als in Heumaden das Asylbewerberheim brannte. Seither gibt es viel Kritik, weil sich das Gebäude in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand befindet (wir berichteten).

Die junge Irakerin steht kurz vor der Entbindung

17 Flüchtling wurden insgesamt in dem Wohnheim untergebracht, 16 Männer und eine Frau. Die junge Irakerin stehe kurz vor der Entbindung, sagt Gerhard Schimpf vom Freundeskreis. Der Geburtstermin sei für Anfang Juli ausgerechnet. Gerade die Schwangerschaft, aber auch die prekäre Wohnsituation hätten für die Baugenossenschaft Luginsland den Ausschlag gegeben, sich für die junge Frau als neue Bewohnerin zu entscheiden, sagt Werner Feinauer von der Genossenschaft.

Eine Entscheidung, für die nicht nur der Freundeskreis, sondern auch das Sozialamt dankbar ist. Stefan Spatz, der stellvertretende Amtsleiter, erklärt, dass die Situation keinesfalls so hätte bleiben können. Hätte der Freundeskreis keine Unterkunft vor Ort gefunden, wäre die Stadt aktiv geworden. „Dann hätten wir uns überlegt, die Frau in einer unserer Wohnungen unterzubringen“, sagt Spatz. Die jetzige Lösung sei aber natürlich ideal. Zum einen, weil auf diese Weise in den städtischen Flüchtlingseinrichtungen zwei Plätze frei geworden sind. Zum anderen, weil die Frau im Stadtbezirk bleiben kann. Letzteres ist wichtig, weil der Vater des Kindes laut Auskunft des Flüchtlingskreises vorerst in dem Flüchtlingsheim an der Strümpfelbacher Straße bleiben muss. Erst nach der Geburt könne er einen Antrag stellen, um mit seiner Familie zusammenzuleben, sagt Ulrike Küstler, Linken-Stadträtin und Mitglied im Freundeskreis. Auch wenn das städtische Jobcenter die Kosten für die Unterkunft übernimmt und bereits einige Möbel in der Wohnung stehen, würde sich der Freundeskreis über weitere Spenden freuen. Am wichtigsten seien ein Herd und Matratzen, aber auch eine Wickelkommode, einen Wohnzimmertisch und viele Kleinigkeiten würden noch fehlen.

Die Flüchtlinge sollen sich in die neue Gesellschaft integrieren

Neben der jungen Irakerin betreut der Freundeskreis natürlich auch die anderen Flüchtlinge im Ort. Ulrike Küstler berichtet etwa von einem jungen Syrer, der Nierensteine hat und in der Vergangenheit mehrfach an den bürokratischen Hürden des deutschen Gesundheitssystems gescheitert ist. Oder einem türkischen Flüchtling, der zwar in der Volkshochschule Deutsch lernt, parallel aber noch Nachhilfe bei einem Mitglied des Freundeskreises nimmt. Ganz individuell versucht man auf diese Weise den Menschen zu helfen, damit sie, wie es Klaus Hecht vom Freundeskreis formuliert, letztlich „auf eigene Füße kommen“. Doch die Asylbewerber sollen nicht nur unabhängig werden, sie sollen auch die Chance bekommen, sich in die neue Gesellschaft zu integrieren. „Der Kontakt zur Bevölkerung ist wichtig“, sagt Ulrike Küstler. Für die junge Irakerin, die von nun an nicht mehr in der Flüchtlingsunterkunft, sondern in einer ganz normalen Wohnung lebt, wird dieser Schritt vermutlich deutlich leichter sein.

Spenden:
Wer den Freundeskreis unterstützen will, kann sich per E-Mail an gerd.schimpf@onlinehome.de oder telefonisch unter 262 99 51 melden. Da der Freundeskreis keine Lagermöglichkeit hat, können nicht alle Spenden angenommen werden.

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