Freundschaft auf Distanz So bewahren Sie Freundschaften in Zeiten der Pandemie

Für Freunde, die sich im wahren Leben nicht so einfach treffen können, bieten digitale Medien verschiedene Möglichkeiten. Foto: Imago/Science Photo Library

Was sind das für Zeiten gewesen, in denen wir unbeschwert zusammen sein konnten. In Coronazeiten kommen persönliche Beziehungen oft zu kurz. Aber es gibt Wege, um Freundschaften auch während der Pandemie zu erhalten.

Stuttgart - Zwei bis drei beste Freunde haben wir im Durchschnitt – manche ersetzen sogar die Familie. Freundschaften mildern Gefühle der Einsamkeit, tragen zu unserem Selbstwertgefühl und Lebenszufriedenheit bei. Gute Freunde haben Einfluss auf uns, indem sie bestimmte Verhaltensweisen vorleben.

 

„Für die allermeisten Menschen sind Freundschaften eine Ressource zur Lebensbewältigung, sie sind wichtige Quellen von Unterstützung, Anerkennung und Rat“, sagt Leoni Linek, Soziologin von der Humboldt Universität in Berlin. „Aus der Gesundheitsforschung wissen wir, dass Menschen krank werden, wenn sie keine gelingenden Nahbeziehungen haben. Gerade in der Kindheit und Jugend spielen Freundschaften oder sogenannte Peer-Beziehung neben Familien und Schule als dritte Sozialisationsinstanz eine unheimlich große Rolle.“ Darum seien geschlossene Kitas und Schulen so tragisch für Kinder.

Gemeinsame Spaziergänge bringen auch die Freundschaft in Gang

Eine internationale Studie des amerikanischen Social-Media-Unternehmens Snap Inc. hat sich damit beschäftigt, wie sich die Coronakrise auf Freundschaften auswirkt. Demnach fokussieren sich die meisten Menschen zunächst auf die engen und wichtigeren Freunde.

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„Das Problem ist, dass man oft nicht weiß, ob man seinem Freund genauso wichtig ist wie er einem selbst“, so der Soziologe Janosch Schobin im Gespräch mit der Wochenendbeilage „Sonntag“ der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. „Für den einen kann es gut laufen, weil er viel Aufmerksamkeit bekommt.“ Andere, die die Erfahrung machen, dass sie weiter hinten positioniert werden, müssten Enttäuschungen verarbeiten. „Es könnte aber auch sein, dass die enttäuschten Menschen auf Beziehungen zurückgreifen, die sie selbst weiter nach hinten gestellt haben und diese intensivieren.“

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Das geht auf verschiedene Weise. Wer nicht weit voneinander entfernt wohnt, kann sich trotz gebotener Kontaktbeschränkungen immer noch zu zweit treffen – etwa zu einem gemeinsamen Spaziergang. Das Gehen an der frischen Luft regt aktive Muskeln im Gehirn an, das Blut zirkuliert schneller, graue Zellen vernetzen sich besser miteinander. Darum lässt es sich beim Spaziergang oft besonders gut miteinander reden, die Konzentrationsfähigkeit erhöht sich, in der Bewegung kommen gute Ideen. Nicht umsonst hat Steve Jobs viele seiner Besprechungen bei Apple als sogenannten Walking meetings abgehalten.

Auch das gemeinsame Online-Spiel haben viele für sich entdeckt

Für Freunde, die sich im wahren Leben nicht so einfach treffen können, bieten digitale Medien verschiedene Möglichkeiten. Manchen reicht das einfache Gespräch per Videokonferenz. Wenn mehr als zwei Leute daran teilnehmen, sind Plattformen wie Gather.town empfehlenswert. In virtuellen Parklandschaften oder Häusern können sich hier auch größere Gruppen miteinander verabreden. Jede Person bewegt sich als kleiner Avatar durch die Gegend und kann wie im echten Leben nur mit denjenigen Leuten sprechen, die auch in ihrer Nähe sind. So kommt eher das Gefühl einer Party auf, bei der man zwischen einzelnen Grüppchen hin und her wechseln kann.

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Auch das gemeinsame Online-Spiel haben viele für sich entdeckt. Über die Seite Skribbl.io können sich Freunde zu kreativen Spielrunden miteinander verabreden. Vorgegebene Begriffe müssen gezeichnet und von den Mitspielern erraten werden. Escape Rooms haben sich mittlerweile in den virtuellen Raum verlagert. Wer ein Rätsel kauft und auf den eigenen Computer lädt, kann es später über den geteilten Bildschirm per Videokonferenz mit anderen Mitspielern lösen.

Nicht wenige schreiben sogar wieder einen Brief an den Freund

Ob gemeinsame Film- oder Kochabende, Workshops zur Kosmetikherstellung, Schokoladen-, Cocktail- oder Weinproben – wer es nicht leid ist, die Freizeit vor dem Bildschirm zu verbringen, kann mithilfe der digitalen Medien auch trotz Pandemie eine Menge mit Freunden erleben.

Andere bevorzugen die analoge Variante. Wenn nicht der Telefonanruf, erlebt womöglich die Brieffreundschaft in Zeiten der Pandemie einen neuen Aufschwung. Immerhin vermeldete die Deutsche Post Ende des vergangenen Jahres erstmals seit Langem einen Anstieg der verschickten Postkarten.

Drei Tipps zum Bewahren der Freundschaft

Oft reicht schon eine kurze Nachricht oder ein verschicktes Foto als kurzes Lebenszeichen. Dazu sollte man auch nachfragen, wie es der Freundin geht und sich erkundigen, wie das Leben des Freundes aussieht.

Ob Fitness, Filmabend oder die Verständigung auf ein Buch, das zur gleichen Zeit gelesen wird: Auch über die Distanz hinweg ist es möglich, gemeinsame Interessen aufrechtzuerhalten und etwas zu haben, über das man sich abseits von Corona austauschen kann.

Keine Lust auf Telefonieren oder Nachrichtenschreiben? Dass es Momente gibt, in denen alles zu viel ist, kann wohl jeder nachvollziehen. Wichtig ist, das auch offen zu kommunizieren, bevor es zu Missverständnissen, Kränkungen und Streit zwischen Freunden kommt.

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