Frickenhausen Warum die Gelbbauchunke auf Motorsport steht

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Auf dem Gelände der alten Ziegelei zeigen Motorsportler, dass sich ihr Hobby und der Umweltschutz nicht ausschließen. Davon profitiert unter anderem die streng geschützte Gelbbauchunke.

Wenn Schlamm spritzt und Wasser schäumt, dann sind die Motocross-Sportler in ihrem Element.  Gleichzeitig sichern sie den Lebensraum der  Gelbbauchunke. Foto: Horst Rudel
Wenn Schlamm spritzt und Wasser schäumt, dann sind die Motocross-Sportler in ihrem Element. Gleichzeitig sichern sie den Lebensraum der Gelbbauchunke. Foto: Horst Rudel

Frickenhausen - In Amphibienkreisen gilt die Gelbbauchunke als Warmduscher. Um den Fressfeinden aus dem Weg zu gehen, legt sie erst dann ihren Laich ab, wenn das Wasser wärmer als 14 Grad ist. Motorrad-Geländefahrern dagegen eilt eher der Ruf voraus, coole Typen zu sein. Die streng geschützten Unken und die Motocross-Freunde teilen sich auf dem ehemaligen Ziegeleigelände in Frickenhausen einen Lebensraum – und allen Unkenrufen zum Trotz kommen sich Vierbeiner und Zweiräder im gemeinsam genutzten Revier nicht in die Quere. Im Gegenteil: die beiden Schlammliebhaber profitieren voneinander.

Das Gelände, auf dem bis zum Zweiten Weltkrieg Ton abgebaut und Ziegel gebrannt worden waren, ist ein von Menschenhand geschaffenes Biotop. Genaugenommen: ein von grobstolligen Motorradreifen geschaffenes Biotop. Der im Jahr 1953 gegründete Motorsportclub (MSC) Frickenhausen nutzt die seit Jahrzehnten brachliegende Lehmgrube als Trainings-und Wettkampfstrecke. Die dort ausgetragenen Weltmeisterschaftsläufe im Motocross sind allerdings nur noch legendäre Vergangenheit. Inzwischen üben sich die MSC-Mitglieder auf dem Ziegeleigelände in Geschicklichkeits-und Zuverlässigkeitswettbewerben.

Gelände dient Amphibien als Ersatzlebensraum

Das regelmäßige Befahren der Strecke mit den Trail- und Enduromaschinen verhindert nicht nur eine Verbuschung der Landschaft, sondern es schafft auch immer wieder neue Kleingewässer. Diese Tümpel wiederum dienen der Gelbbauchunke (lat.: Bobina variegata) als willkommener Ersatzlebensraum, nachdem ihnen ihre eigentliche Heimat in Deutschland – naturnahe Auen und unbegradigt sich schlängelnde Bäche – abhanden gekommen ist. Im Rahmen einer zu Beginn der 90er Jahren gefertigten Diplomarbeit sind auf dem knapp fünf Hektar großen, auf tonigem Untergrund bauenden Ziegeleigelände mehrere hundert Unken gezählt worden. Zudem leben in dem Gebiet weitere geschützte Amphibien und Reptilien wie die Zauneidechse, die Ringelnatter, der Grasfrosch und die Erdkröte.

1000 Arbeitsstunden pro Jahr

Uwe Hiller, der Geschäftsführer des für das Biotop-Management zuständigen Landschaftserhaltungsverbands (LEV) im Landkreises Esslingen, geht davon aus, dass sich immer noch mehr als 50 Gelbbauchunken in den unzähligen Tümpeln und Pfützen verstecken. „Die von der Unke bevorzugten Kleingewässer müssen flacher als 40 Zentimeter sein und können im Sommer ruhig austrocknen“, sagt Hiller. Dafür, dass Bobina variegata ideale Lebens- und Fortpflanzungsbedingungen vorfindet, stehen die rund 850 Mitglieder des MSC Frickenhausen gerade – nicht nur im Sattel ihrer Maschinen, sondern auch bei regelmäßigen Pflegeinsätzen in Abstimmung mit dem LEV, der Naturschutzbehörde und dem NABU. Rund 1000 Arbeitsstunden stecken die Frickenhausener Motorsportler jährlich in die Pflege der Lehmgrube, die als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen ist.

Die Motorsportler teilen mit der Gelbbauchunke nicht nur den Lebensraum, sondern möglicherweise bald auch das Schicksal, eine bedrohte Art zu sein. Auf einem Teil des Ziegeleigeländes entsteht in den kommenden Jahren ein Wohngebiet, das in der ursprünglichen Planung ein Zuhause für bis zu 400 Neubürger werden sollte. Derzeit arbeitet man im Rathaus der knapp 9000 Einwohner zählenden Gemeinde an einem Konzept, das dem Ruhebedürfnis der künftigen Bewohner ebenso gerecht wird, wie dem motorisierten Bewegungsdrang der MSCler. Die haben ihren Schutzpatron in dem Bürgermeister der Gemeinde, Simon Blessing. „Der MSC ist ein Verein, der eine ganz wichtige Arbeit für die Gemeinde leistet. Da muss es eine Lösung geben, ohne die ehrenamtlichen Strukturen zu zerstören“, sagt der Schultes.




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