Fridays For Future Aktivistin Luisa Neubauer startet Klima-Podcast

Die 24-Jährige Aktivistin Luisa Neubauer, hier bei einer Demonstration am Brandenburger Tor in Berlin, spricht in ihrem Podcast „1,5 Grad“ mit verschiedenen Gästen. Foto: epd/Rolf Zoellner

Luisa Neubauer, Aktivistin bei Fridays for Future, hat einen eigene Podcast aufgelegt. In der ersten Folge spricht sie unter anderem mit der US-Schauspielerin Jane Fonda über die Klimakrise.

Stuttgart/Berlin - „1,5 Grad“ heißt der Podcast von Luisa Neubauer, der wohl bekanntesten deutschen Klimaaktivistin und Hauptorganisatorin der deutschen Fridays-For-Future-Bewegung. Am 10. November startete die 24-Jährige ihr eigenes Audio-Format – einen Spotify Original Podcast. Darin spricht sie nach eigenen Worten mit verschiedenen Menschen über „deren Arbeit und Widerstand im Kampf gegen die Klimakrise“.

 

Zu Beginn der ersten Folge erklärt Neubauer mit einer ruhigen Stimme detailliert, was den Hörer in ihrem Podcast alles erwartet. Es gehe darum, „wie die Krise auf systemischer Ebene gelöst werden kann“. Und: Was alle tun könnten, um das, was unmöglich wirke, möglich zu machen – nämlich die Erde vor einer Klimakatastrophe zu bewahren.

Beim Zuhören wird deutlich, wie sehr das Thema die 24-Jährige berührt. Aus ihrer ruhigen Stimmlage, die sich durch die gesamten 69 Minuten der Podcast-Folge zieht, ist aber auch eine Art Dringlichkeit zu hören, ein Wille zur Veränderung. Das wirkt auf den Zuhörer auf eine Weise, die zum Nachdenken anregt. Es ist ein anderes Format. Im Vergleich zu den lauten und fordernden Fridays-For-Future-Demonstrationen wirkt es eher zurückhaltend, was die eindeutige Botschaft jedoch nicht mindert.

Jane Fonda und die Nachrichten aus den USA

Untermalt mit musikalischen Klängen erzählt Neubauer nach der Podcast-Einleitung einiges zur aktuellen Nachrichtenlage: den US-Wahlen und dem Sieg des Demokraten Joe Biden gegen Donald Trump. Eine Nachricht des US-TV-Senders CNN ist zu hören, in dem der Wahlsieger verkündet wird. Ein harter Schnitt zur ruhigen Stimme der Aktivistin. Wohl ab diesem Moment erkennt der Hörer auch die Professionalität des Podcasts, der nicht wie einige andere im heimischen Wohnzimmer mit dem Smartphone aufgenommen und mit Hilfe einer kostenlosen App geschnitten wurde.

Es folgt die nächste Überraschung: Gast in der ersten Folge von „1,5 Grad“ ist die US-Schauspielerin Jane Fonda. In dem Interview, das die 24-Jährige mit Fonda auf Englisch führt, erfährt der Hörer, wie die 82-jährige Amerikanerin zur Klimaaktivistin wurde und woraus sie Hoffnung für die Zukunft schöpft. Die Antworten der US-Schauspielerin sind deutlich, wirken nicht so, als wären sie von einem Skript abgelesen. Fonda spricht über ihre Aktivitäten zum Klimaschutz, über ihr Buch, aber auch über ihren Status, als weiße und berühmte Amerikanerin wegen Klimademonstrationen verhaftet zu werden.

Eine Art Hörspiel

Nach rund zehn Minuten ist das Interview beendet, und es beginnt ein ganz anderes Hörerlebnis, welches eher wie das Hörspiel zu einem Roman klingt. Eine andere Musik untermalt Neubauers Stimme. Leichte Hintergrundklänge, die an Entspannungsmusik erinnern. „Die Wissenschaft ist Dreh- und Angelpunkt dieser Krise“, sagt Neubauer. Deshalb habe sie mit Stefan Rahmstorf, Professor für Physik der Ozeane, gesprochen, der sich mit der globalen Erderwärmung beschäftigt. Das Interview findet am Institut für Klimaforschung in Potsdam statt. Dieses beschreibt Neubauer dem Zuhörer detailliert: „der super friedliche Wald“, wie auch die „großen Eichen“ und das Zwitschern der Vögel. „Es ist so paradox, dass eine so verheerende Krise an einem so idyllischen Ort erforscht wird“, sagt Neubauer, als sie das Institut beschreibt. „Es ist ein Ort, bei dem man spürt, dass er Geschichte hat.“ Das klingt alles auf den ersten Blick langweilig, für den Zuhörer wird durch diese erzählerische Form aber Spannung aufgebaut. Wohin geht das Ganze? Was erwartet mich, nach dem Spaziergang zum Institut? Ein Interview mit einem Wissenschaftler, ein Vortrag?

Diskussion und Interview zugleich

Mit einem „Guten Morgen“ und einem Small Talk über die aktuelle Corona-Situation startet nach wenigen Minuten das Gespräch mit Rahmstorf. Es folgen rund 55 Minuten, in denen die Aktivistin den Forscher in einem Interview zur aktuellen Situation des Klimawandels, der Erderwärmung und dem 1,5 Grad- Ziel befragt. Rahmstorf versucht ihre Fragen so detailliert wie möglich zu beantworten, wirft mit Zahlen und Daten um sich. Doch nur Neubauer schafft es, den Zuhörer mit ihren Zwischenfragen und teils harten Unterbrechungen abzufangen, von der Sprache der Wissenschaft auf eine erklärende Sprachebene zu leiten.

Es ist ein Mix aus Interview und Diskussion, welcher den Zuhörer am Ende mit viel Wissen zurücklässt, einer großen Portion Wissen, die zum Nachdenken anregt.

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