Fridays for Future Auch in Filderstadt demonstrieren nun Schüler

Von Caroline Holowiecki 

Während bundesweit Jugendliche schon seit Monaten immer wieder freitags für eine nachhaltigere Klimapolitik auf die Straße gehen, war in Filderstadt diesbezüglich bislang Ebbe. Das hat sich nun geändert.

Um die 50 Teilnehmer sind zu der allerersten Fridays-for-Future-Demonstration im Stadtteil Bernhausen gekommen. Foto: Caroline Holowiecki
Um die 50 Teilnehmer sind zu der allerersten Fridays-for-Future-Demonstration im Stadtteil Bernhausen gekommen. Foto: Caroline Holowiecki

Bernhausen - Wir sind so laut geworden, dass sie uns nicht mehr ignorieren können.“ Am zitternden Blatt sieht man, dass Tara etwas aufgeregt ist. Doch ihre Stimme klingt klar und fest durchs Mikrofon. „Ich frage mich, wie die Welt an den Punkt gekommen ist, an dem sie jetzt ist“, ruft sie. Etwa 50 bis 60 Menschen klatschen, tröten, rätschen, pflichten der 14-Jährigen bei, die in ihren Ferien die vierseitige Rede formuliert hat, die sie jetzt auf einer improvisierten Bühne aus Europaletten vorträgt. Einige Zuhörer halten Transparente dabei hoch. „Fischers Fritz fischt Plastik“ steht auf einem Plakat, „frische Fische“ ist durchgestrichen.

Der Klimawandel macht keine Ferien

Der Freitag stand in Bernhausen unter dem Motto Fridays for Future. Seit Monaten schon demonstrieren bundesweit zigtausende Teenager für eine nachhaltigere Klimapolitik, die Demo in Filderstadt war indes die erste. Gekommen sind um die 50 Teilnehmer. Einer der Initiatoren: der 15-jährige Daniel. Der Neuntklässler aus dem Sielminger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium hat gemeinsam mit einem Team von elf Personen – die meisten sind ebenfalls Schüler – den Premierenprotest in seiner Heimatstadt organisiert. Er betont, dass für ihn und seine Mitstreiter nicht der freitägliche Schulstreik im Mittelpunkt steht.

„Ich arbeite seit mehr als einem Monat daran, eine Umweltgruppe aufzubauen“, sagt er. „Uns geht es nicht darum, jedes Mal zu demonstrieren.“ Auch eine Putzete oder ähnliches könne er sich vorstellen. Warum aber auch bei Kälte, im Regen und am freien Tag in den Osterferien protestieren? „Der Klimawandel macht keine Ferien“, ruft Daniel auf der Bühne ins Mikro, bevor sich der bunte Zug auf den Weg einmal ringsrum durch Bernhausen macht.

Auch ein Opa demonstriert mit

Nicht nur Jugendliche sind gekommen, auch etliche Erwachsene. Karin Wiedmann etwa ist aus Plattenhardt rübergeradelt. „Es wird Zeit“, sagt sie, die selbst schon gegen S 21 oder TTIP auf die Straße gegangen ist, über den jungen Protest. „Wenn nicht dafür, wofür dann?“ Tatsächlich sehen das immer mehr Menschen landauf, landab so. Die Jugendbewegung hat stetig Zulauf. Wie Carla Reemtsma für „Fridays for Future Deutschland“ mitteilt, gibt es bundesweit derzeit etwa 420 Ortsgruppen, von denen aber nicht alle jede Woche streiken. „Die Bewegung wächst aktuell sehr stark, Mitte Januar waren wir in circa 50 Städten vertreten, Mitte Februar in über 150 Städten, im März in über 220 Städten“, sagt sie.

Tara aus Aichtal, die sich am örtlichen Eduard-Spranger-Gymnasium auch als Schülerumweltmentorin engagiert, hat zur Unterstützung ihre halbe Familie dabei. Die neunjährige Schwester Maja hält ein Pappschild mit einem Greta-Thunberg-Zitat hoch. „Euch gehen die Argumente aus, uns die Zeit!“ Mama Ilka Holland ist stolz auf ihre beiden Töchter: „Ich finde es toll, dass so junge Leute sich engagieren. Es ist dringend notwendig, dass sich etwas ändert.“ Nicht umsonst habe sie sich der „Parents for Future“-Gruppe angeschlossen. Auch die Tante Meike Holland, die Cousinen Helena (12) und Clara (14) aus Harthausen sind an diesem Freitag dabei – und der „Opa for Future“, wie sich Großvater Helmut Holland aus Bonlanden selbst lachend nennt. Er steht voll hinter seinen Enkelinnen: „Ich bin der Auffassung, dass die Jugend zu Recht darauf aufmerksam macht, welche Fehler in der Vergangenheit gemacht wurden.“