Fridays for Future Bayern schafft seinen eigenen Freitag

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Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber lädt protestierende Jugendliche zu zwei Klimakonferenzen ein. Beginn: ausdrücklich nach Schulschluss. Die Anreise spendiert der Freistaat.

Umweltminister im Schülerprotest: Thorsten Glauber bei der „Jugendklimakonferenz“ in Erlangen Foto: dpa
Umweltminister im Schülerprotest: Thorsten Glauber bei der „Jugendklimakonferenz“ in Erlangen Foto: dpa

Erlangen - Durch Bayern weht ein neuer Wind. Früher hätte eine Recht-und-Ordnung-CSU jeglichen Schülerprotest während der Unterrichtszeit mit allen verfügbaren Mitteln unterdrückt. Heute amtiert im Kultusministerium ein eher feinsinniger Politikprofessor von den Freien Wählern, Michael Piazolo, und der hat den bayerischen Schulleitern freigestellt, wie sie mit Jugendlichen verfahren, die ihre „Freitage für die Zukunft“ lieber im Outdoor-Protest als im Klassenzimmer verbringen.

Das Ergebnis ist – je nach Sichtweise – ein landesweit bunter Flickenteppich. Oder, wie es auf Seiten der CSU und durchaus vieler Lehrer heißt: Chaos. Die einen Schulleiter stellen Verweise in Serie aus, die anderen ermuntern gar zur Demo als einer Form der „politischen Bildung“; viele fühlen sich – auch bei der Aufsichtspflicht – alleingelassen.

Runder Tisch und etwas Angst

Das Anliegen der Protestierenden aber, das nehmen sie im politisch zunehmend umwelt-sensibilisierten Bayern ernst. Im Hintergrund läuft ja auch der „Runde Tisch“, bei dem Vertreter des erfolgreichen Artenschutz-Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ zusammensitzen mit Politikern und Wissenschaftlern, mit Bauernverband und sonstigen Lobbies; gemeinsam entwerfen sie in Volkes Auftrag ein schärferes Naturschutzgesetz. Und die Regierenden haben durchaus Angst davor, die Grünen könnten ihre Drohung eines weiteren Volksbegehrens umsetzen; das ginge dann gegen den Flächenfraß. Mit „Gegen die Betonflut!“ hat es sogar schon einen griffigen Titel.

Was den Klimaschutz betrifft, so ist Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) nun recht unkonventionell auf die protestierenden Schüler zugegangen. Diesen Freitag hat er zur ersten „Jugendklimakonferenz“ eingeladen. 450 Schulen hat er angeschrieben; wer wollte, konnte offizielle Vertreter zur Teilnahme ins fränkische Erlangen entsenden. 180 waren gestern dabei. Das Treffen für die südliche Landeshälfte findet nächsten Freitag in München statt – ausdrücklich nach Schulschluss. Die Konferenz ist eingestuft als „sonstige schulische Veranstaltung“. Das heißt: Die Anreise zahlt der Freistaat!

Nur eine Show-Veranstaltung?

Aus den – nicht direkt eingeladenen – „Fridays for Future“ kam die Kritik, der Umweltminister habe „nur eine PR-Veranstaltung“ im Sinn; Glauber selbst weist das zurück. Er hat eine „freie Diskussion“ angesetzt: „Alle Fragen sind möglich.“ Der Dialog mit den Jugendlichen solle auch nach den beiden Konferenzen nicht abreißen. Einstweilen aber blieb im speziell eingerichteten Internetforum die Frage eines Malte Meinck unbeantwortet: „Herr Glauber, wie stellen Sie sich die Umsetzung der heutigen Vorschläge vor?“

Nicht nur um Klimaschutz ging es dann in Erlangen. Auch um Plastik und Müll, um Fleisch- und sonstigen Zuviel-Konsum, um Biosiegel, öffentlichen (Nah-)Verkehr, um Tempolimits, Fahrradwege, alte und neue Energieformen, Umweltthemen im Unterricht.

Und Glauber räumte vieles ein. Dass es eine „Fehlsteuerung“ sei etwa, wenn innereuropäische Flüge für ihren Kohlendioxidausstoß nicht besteuert würden: „Fliegen muss teurer werden“, sagte der Minister. Und: Der Staat müsse mehr in die Bahn, aber weniger in Straßen investieren. Güter, sagte Glauber, sollten auf die Schiene. Dann müssten Unternehmer aber mehr Lagerhaltung betreiben, „und wir müssen länger auf unsere bestellten Waren warten.“ Fortsetzung folgt, Freitag in acht Tagen.