Geht es nach dem Energieriesen RWE, ist das Schicksal des Dorfs Lützerath besiegelt. Die Filderstädter Ortsgruppe von Fridays for Future protestiert gegen die Pläne.

Bernhausen - Das Megafon haben die Aktivisten der Filderstädter Ortsgruppe von Fridays for Future normalerweise immer mit dabei. Doch bei ihrer Aktion am vergangenen Samstag haben sie es nicht benötigt – obwohl es für sie im Wortsinn auf die Straße ging. Wegen der aktuellen Corona-Situation fiel die geplante Demonstration aus. Stattdessen rief Fridays for Future für vergangenen Samstag zum dezentralen Aktionstag auf. Die Filderstädter Ortsgruppe folgte diesem Ruf. Mit einer Banneraktion machte sie auf das dem Dorf Lützerath drohende Schicksal aufmerksam.

„Das Dorf soll abgebaggert werden für Kohle – und das, obwohl noch ein Anwohner dort lebt“, sagt Sky Kersten, Mitglied der Filderstädter Ortsgruppe. Vor Lützerath stehen nämlich schon die Bagger. Das Dorf am östlichen Rand der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen soll dem Braunkohleabbau weichen, denn es liegt am Rande des Tagebaus Garzweiler II. Als die dortige Landesregierung das gemeinsam mit dem Energiekonzern RWE beschloss, lebten 2008 noch 79 Einwohner im Dorf. Die meisten von ihnen sind inzwischen weggezogen, ein letzter Anwohner trotzt den Plänen. An seiner Seite protestieren Aktivisten gegen die Abbaggerung von „Lützi“. Sie haben vor Ort ein Camp errichtet.

Banner verweist auf den Tag X

Beim dezentralen Aktionstag am Samstag hängte die Filderstädter Ortsgruppe von Fridays for Future ein Banner an einer Brücke in Bernhausen auf. Das darauf gemalte gelbe X steht für den Tag X – das noch unbekannte Datum, an dem Lützerath weichen soll.

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„Dadurch, dass wir auch hier in Filderstadt präsent sind, zeigen wir, wie groß das Thema ist und dass jeder betroffen wäre von einer Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze und der Klimakatastrophe“, sagt Kersten. Denn die Aktivisten setzen sich nicht nur für den Erhalt von Lützerath ein – in ihren Augen geht es bei der Entscheidung der Politik, das Dorf dem Braunkohleabbau zu opfern, um mehr.

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Sie werfen der Regierung vor, sich den Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens zu entziehen. Dessen Ziel ist es unter anderem, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu beschränken. „Wenn Lützerath fällt, wird RWE durch das Verbrennen der darunterliegenden Braunkohle die Klimaziele im Alleingang durchbrechen – die Klimaziele sind dann nicht mehr erreichbar“, argumentiert Kersten. Ein DIW-Gutachten sieht das ähnlich: Um die Klimaziele zu erreichen, müssten Millionen Tonnen an Braunkohle rund um Lützerath unter der Erde bleiben. „Wir werden so lange Aktionen machen, bis in der Politik was passiert.“

Die nächste Aktion ist für Februar vorgesehen. Was genau die Filderstädter Ortsgruppe plant, lässt sie noch nicht verlauten. Damit weiterhin vor Ort für Klimagerechtigkeit eingestanden werde, braucht die fünfköpfige Truppe Unterstützung – denn die meisten ziehen bald weg. Sky Kersten unterstützt die Ortsgruppe inzwischen aus der Ferne. Über den Instagram-Kanal „fridaysforfuture.filderstadt“ informiert die Ortsgruppe regelmäßig über Möglichkeiten, mitzumachen.