Fridays For Future Was Schulen von den Freitagsdemos halten

Von  

Die Teilnahme bei den Fridays For Future gilt rein juristisch als Schwänzen. Die Schulen in Stuttgart und dem Kreis Esslingen gehen dennoch ganz unterschiedlich damit um: Manche beurlauben ihre Schüler, anderswo erhalten die Jugendlichen einen „Sozialstrich“.

1000 Schüler haben vergangene Woche auf dem Marktplatz demonstriert. Foto: Lg/ Piechowski
1000 Schüler haben vergangene Woche auf dem Marktplatz demonstriert. Foto: Lg/ Piechowski

Filder - Ganz spontan in der großen Pause hat sich Fabio Perol (17) am vergangenen Freitag dazu entschieden, von der Michael-Bauer-Schule in Vaihingen aus zum Stuttgarter Marktplatz zu fahren. „Wir hatten bereits am Vortag in der Klasse darüber gesprochen, ob wir zu der Fridays-For-Future-Demo gehen wollen. In der Pause haben sich dann zehn Schüler aus unserer Klasse dafür entschieden – inklusive mir“, sagt der Elftklässler aus Kaltental. Die Stimmung auf dem Marktplatz habe ihn beeindruckt: „Daraus könnte eine richtig große Bewegung werden.“

Hinter den Fridays For Future (auf Deutsch: Freitage für die Zukunft) steckt ein weltweiter Schülerprotest gegen den Klimawandel und die mangelhafte Umsetzung der Klimaziele seitens Politik und Gesellschaft. Initiiert wurden die Proteste von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Die 16-Jährige geht bereits seit August 2018 freitags nicht mehr zur Schule, sondern demonstriert jede Woche vor dem schwedischen Parlament. Ihr sind in den vergangenen Wochen Tausende Schüler in der ganzen Welt gefolgt. Auch in Stuttgart treffen sich seit einigen Wochen jeden Freitag zahlreiche Schüler vor dem Rathaus auf dem Marktplatz und demonstrieren mit Schildern und Sprechgesängen.

Schüler bekommen einen „Sozialstrich“

Doch so hehr das Ziel der Schüler auch ist: Offiziell gilt die Teilnahme bei einer Demo während der Schulzeit als Schwänzen. Das ist auch an der Freien Waldorfschule in Vaihingen so. Trotzdem waren bereits zahlreiche Schüler der Michael-Bauer-Schule (MBS) bei den Fridays-For-Future-Demonstrationen auf dem Marktplatz. „Teilweise waren fast komplette Klassen dort“, berichtet Ellen Gaiser, die Sprecherin der Michael-Bauer-Schule.

Aber nur weil eine große Menge Schüler an den Protesten teilnehme, erhalte trotzdem jeder Einzelne eine kleine Strafe für das Fernbleiben vom Unterricht, sagt Gaiser. Zwar würden es die Lehrer der MBS generell gutheißen, dass die Schüler für ihre Zukunft eintreten, im Kollegium habe man dennoch den Entschluss gefasst, die Teilnahme an den Schülerdemos als Schwänzen zu betrachten. „Das wird ins Klassenbuch eingetragen, und die Schüler bekommen einen sogenannten Sozialstrich. Das bedeutet, dass sie eine soziale Tätigkeit an der Schule übernehmen müssen.“ Schließlich würde der Sinn der Aktion ja auch darin bestehen, dass die Schüler bewusst in einen gewissen Konflikt treten, sagt Gaiser.

Lieber in die Umwelt-AG

Am Paracelsus-Gymnasium Hohenheim haben zwar bisher keine Schüler an den Protesten teilgenommen, allerdings haben die ersten Jugendlichen bereits den Kontakt zur Rektorin Sabine Witzke gesucht, weil sie vorhaben, künftig ebenfalls auf dem Marktplatz zu protestieren. „Ich finde es begrüßenswert, wenn sich junge Menschen einbringen“, sagt Witzke. „Man sieht daran, dass wir viele interessierte Schüler haben, die sich auch in ihrer Freizeit mit gesellschaftskritischen Fragen befassen.“ Sollte es bei einmaligen Aktionen bleiben, will die Rektorin die Schüler dafür nicht bestrafen: „Es geht dann nur darum, wie die Schüler das Verpasste nacharbeiten können“, sagt sie.

Auch am Eduard-Spranger-Gymnasium in Filderstadt-Bernhausen war die Teilnahme an den Demos bisher zurückhaltend, sagt die Rektorin Ursula Bauer. Dennoch hat sie sich bereits überlegt, wie sie damit umgeht, wenn künftig Schüler an den Protesten teilnehmen wollen: „Derjenige muss vorher bei mir einen Antrag stellen, also fragen, ob er beurlaubt wird.“ Sie könne sich vorstellen, die Schüler einmalig für die Freitagsdemo zu beurlauben – wenn derjenige den Stoff nacharbeite. Nicht einverstanden wäre sie damit, wenn die Schüler künftig jeden Freitag nicht mehr in die Schule kommen würden – so wie dies die junge Schwedin Greta Thunberg macht. „Als Initialzündung ist das in Ordnung. Danach würde ich den Schülern aber nahelegen, eher in unsere Umwelt-Arbeitsgruppe oder in den Arbeitskreis Klimaschutz einzutreten.“