Friedensbewegung Die Ostermarschierer sind müde

Von dpa/ms 

Die Friedensbewegung ruft gemeinsam mit der Linkspartei und dem Deutschen Gewerkschaftsbund zur Teilnahme an den traditionellen Ostermärschen auf. Ein großer Zulauf ist trotz zahlreicher Anlässe in diesem Jahr aber nicht mehr zu erwarten.

Alle wollen Frieden –  doch nur wenige gehen für dieses Ansinnen auf die Straße. Foto: dpa
Alle wollen Frieden – doch nur wenige gehen für dieses Ansinnen auf die Straße. Foto: dpa

Stuttgart - Selten zuvor gab es so viele Beweggründe, um für Frieden und Abrüstung zu demonstrieren: Nicht nur, dass vor 100 Jahren das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg auslöste, vor 75 Jahren die deutsche Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg begann und vor 25 Jahren der Mauerfall den Kalten Krieg beendete. Auch in diesen Tagen regiert weltweit vielerorts die Gewalt: in Syrien vor allem, in Afrika und neuerdings sogar in der Ukraine.

Auch die Bundesregierung könnte eine Zielscheibe von Friedensprotesten sein. Immerhin hatten der Außenminister und die Verteidigungsministerin unisono mit dem Bundespräsidenten auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine verstärkte deutsche Einmischung in internationale Konflikte verkündet. Vor allem in Afrika dürfte die Bundeswehr künftig öfter auftreten.

Die Friedensmarschierer sind älter und müde geworden

Trotz alledem wird die 54 Jahre alte Tradition der Ostermärsche wahrscheinlich keinen großen Aufschwung erfahren. Seit etlichen Jahren stagniert die Teilnehmerzahl auf niedrigem Niveau mit kaum zehntausend Demonstranten. Mehrere hunderttausend Menschen hatten noch während des Kalten Kriegs gegen das atomare Wettrüsten oder den Vietnamkrieg Flagge gezeigt. Doch die Friedensmarschierer sind älter und müde geworden.

Heute gibt es auch keine klare Konfrontation von Ost gegen West mehr, und die bedeutsamen Krisen sind immer schwerer zu durchschauen, weil vielfältige Machtinteressen dahinter stecken. Angesichts der Schnelllebigkeit von Nachrichten gerät selbst ein äußert brutal geführter Krieg wie in Syrien bald in den Hintergrund; den Afghanistan-Einsatz haben viele schon abgehakt. Zudem hat sich der Widerstand gegen Interventions- und Rüstungspolitik ins Internet verlagert, wo jüngere Menschen neue Protestformen entwickeln.

Der Protest hat sich von der Straße ins Netz verlagert

Auf die Straße gehen sie nicht, obwohl nicht nur Friedensgruppen dazu aufrufen. Auch der Gewerkschaftsbund ermuntert zum Mitmachen. „Wir wollen kein Ende der Zurückhaltung in militärischen Fragen“, betont der DGB-Landeschef Nikolaus Landgraf. Deutschland müsse militärisch nicht mehr Verantwortung übernehmen. Nötig seien vielmehr eine konsequente Abrüstung und die Umstellung der Rüstungsproduktion auf zivile Produkte – zudem die Kündigung des Kooperationsabkommens von Schule und Bundeswehr durch die Landesregierung sowie das Verbot von Rüstungsforschung an den Hochschulen.

Auch die Linkspartei marschiert vorne mit. Die militärischen Standorte im Südwesten spielten eine zentrale Rolle für Auslandseinsätze, rügt Landessprecher Dirk Spöri. „Wenn das Calwer Kommando Spezialkräfte in Afghanistan eingesetzt wird oder von Stuttgart aus Drohnen in Afrika gesteuert werden, bedeutet das: Von Baden-Württemberg aus wird Krieg geführt.“