Friederike Kempter aus Freudental „Mit 40 spielst du nur noch die Mutter“

Friederike Kempter (vorne) mit Heike Makatsch in der Science-Fiction-Comedyserie „Tender Hearts“ Foto: Sky Deutschland /Nik Konietzny

Friederike Kempter, die einst von Freudental nach Berlin gezogen ist, um Schauspielkarriere zu machen, glaubt, vieles wäre besser, wenn nicht immer Männer entscheiden würden und spielt in der Serie „Tender Hearts“ eine Frau, die sich den perfekten Liebhaber bestellt.

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Wer braucht noch Männer, wenn es Liebesroboter wie Ben, Bro oder Bo gibt? Friederike Kempter ist in der Serie „Tender Hearts“ Mia, die sich in so einen Lovedroid verknallt. Wir haben die Schauspielerin aus Freudental in Berlin getroffen und darüber gesprochen, was Männer von Robotern lernen können und warum es für Frauen über 40 kaum gute Rollen gibt.

 

Frau Kempter, haben Sie es eigentlich irgendwann bereut, dass Sie beim „Tatort“ aus Münster aufgehört haben?

Ich mag meine Kollegen Jan Josef Liefers, Axel Prahl, Mechthild Großmann und Christine Urspruch immer noch sehr – und ich vermiss sie auch. Ich habe die Rolle im „Tatort“ gerne gespielt, aber es war trotzdem die richtige Entscheidung. Wenn ich beim „Tatort“ nicht aufgehört hätte, hätte ich zum Beispiel so was wie „Tender Hearts“ nicht machen können. Ich bereue die Entscheidung nicht, aber manchmal werde ich schon ein bisschen wehmütig.

Eine Idee hinter „Tender Hearts“ ist, eine Science-Fiction-Story aus weiblicher Perspektive zu erzählen.

Das Science-Fiction-Genre ist traditionell vom männlichen Blick geprägt. Die Autoren und Regisseure waren ja fast immer Männer. Bei uns steht dagegen der weibliche Blick im Vordergrund: von der Drehbuchautorin über die Regisseurin und die Produzentinnen bis zur Hauptfigur, die ich spiele.

Ist es ungewöhnlich, dass so konsequent aus der Frauenperspektive erzählt wird?

Da hat sich etwas verändert. Als ich mit 20 angefangen habe, haben alle gesagt: Mit 40 ist es vorbei, da gibt es keine Hauptrollen mehr für dich als Frau. Dann spielst du nur noch die Mutter oder vielleicht mal eine Kommissarin. Das stimmt so zwar nicht mehr, aber es ist trotzdem immer noch sehr ungewöhnlich, dass wir eine Frau in den Mittelpunkt stellen, die Anfang 40 ist. Wenn Geschichten über Frauen erzählt werden, dann geht es immer noch meistens um jüngere Frauen. Was fehlt, sind Geschichten über ältere Frauen und erst recht über alte Frauen – also über 60. Das ist ein großer Teil der Bevölkerung, und diese Frauen hätten auch gerne, dass aus ihrer Perspektive Geschichten erzählt werden.

Warum fehlen diese Geschichten?

Weil Männer entscheiden. Mein Freund ist ja Regisseur und hat den Film „Lara“ gemacht, der am 60. Geburtstag einer Frau spielt, die von Corinna Harfouch dargestellt wird. Und als es um die Finanzierung ging, hat er öfter zu hören bekommen: Wer will denn die Geschichte einer 60-jährigen Frau sehen?

Sie haben erwähnt, dass bei „Tender Hearts“, Drehbuch, Regie, Produktion in Frauenhand waren. Macht es bei der Arbeit einen großen Unterschied, wenn man vor allem mit Frauen zu tun hat?

So allgemein lässt sich das nicht sagen. Frauen stehen in solchen Positionen immer noch unter einem größeren Druck, sich beweisen zu müssen. Aber allgemein sind Frauen in der Kommunikation vielleicht manchmal dann doch ein bisschen feiner. Und sie bringen seltener ein großes Ego mit, das Raum und Aufmerksamkeit braucht.

Anders als zurzeit viele andere Science-Fiction-Storys, blickt „Tender Hearts“ zuversichtlich in die Zukunft. Sind sie auch so optimistisch?

Nein, ich habe richtig Zukunftsängste, wenn es um den Klimawandel geht. Das liegt auch daran, dass ich zwei kleine Kinder habe. Ich glaube, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, um das Steuer herumzureißen und dass es sonst wirklich unschön wird.

Statt von der Klimakrise erzählt „Tender Hearts“ aus einer nahen Zukunft, in der sich die von Ihnen gespielte Mia einen Liebesroboter bestellt. Nach allzu ferner Zukunft klingt das gar nicht.

Früher war für mich Science-Fiction immer ganz weit weg. Jetzt auf einmal sind wir schon selbst in der Zukunft angekommen. Die Serie erzählt aus einer Zukunft, die so in 20 Jahren Wirklichkeit sein könnte. Das steht ja so quasi schon alles vor der Tür und klopft an.

Und künftig werden wir solche Lovedroids echten Partnern vorziehen?

Ich muss gestehen, als ich die Drehbücher zum ersten Mal gelesen habe, ging es mir ein bisschen so wie Mias Verwandtschaft und ihren Freunden. Ich dachte: Warum sucht sie sich nicht einen Menschen? Nichts ist schöner und schrecklicher, befriedigender und furchtbarer als die Begegnung mit anderen Menschen. Warum sollten wir einer Maschine begegnen wollen? Ich glaube aber trotzdem, dass es das geben wird. Auch wenn das nichts für mich wäre. Aber wer weiß, vielleicht bin ich in 20 Jahren einsam und allein und finde alle echten Männer und Frauen blöd.

Mia kann in „Tender Hearts“ zwischen drei Modellen wählen und entscheidet sich für die Variante Bo. Wäre der auch Ihre Wahl gewesen?

Ja. Er hat diese unglaublich freundliche Art. Und ich glaube an die Kraft der Freundlichkeit. Ich finde, das ist eine Power, die oft unterschätzt wird. Ich wünsche mir eine Zukunft mit mehr Freundlichkeit.

Bo wirkt auch nicht so selbstbewusst wie die anderen Modelle und hat etwas Verletzliches. Ist das etwas, was Männer von ihm lernen sollten?

Tatsächlich. Das ist eine große Stärke. Man weiß ja, dass die Typen, die einen auf dicke Hose machen, diejenigen sind, die eigentlich das kleinste Ego haben und ihre Unsicherheit und Verletzlichkeit nur verstecken. Gute, intelligente Frauen mögen gute, intelligente Männer, die auch ihre Verletzlichkeit zeigen können.

Wenn Sie einen Robotermann programmieren würden. Welche Eigenschaften würden Sie ihm außerdem noch mitgeben?

Das Zugewandte der Lovedroids von „Tender Hearts“ finde ich wirklich gut. Solche Männer wünschen wir uns alle. Das Wesen der Liebe ist ja, das man gesehen wird. Ich würde ihn auch mit einer Großzügigkeit ausstatten, bei der es nicht um das Materielle geht, sondern darum, dass ich bei ihm so sein darf, wie ich bin.

Das Projekt hatte eine lange Entwicklungsphase, die Drehbuchidee ist schon einige Jahre alt. Stört es Sie ein bisschen, dass Maria Schraders Film „Ich bin dein Mensch“ Ihnen mit einer ähnlichen Idee zuvorgekommen ist?

Man kommt deshalb in diese komische Position, dass man sich verteidigen muss und sagen muss, dass es die Idee genauso lang gab und dass da nichts abgekupfert ist. Aber manchmal liegen Themen einfach in der Luft. Und dieser Stoff eignet sich dazu, daraus viele schöne Geschichten zu machen.

Friederike Kempter und die Science-Fiction-Comedyserie „Tender Hearts“

Schauspielerin
 Friederike Kempter kam 1979 in Freudental zur Welt, zog nach dem Abitur nach Berlin und wurde als Nadeshda Krusenstern im „Tatort“ aus Münster berühmt.

Ausstrahlung
 Der Achtteiler „Tender Hearts“ läuft ab 6. April um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky und ist als komplette Staffel auf Sky Q und Wow als Stream verfügbar.

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