Die Kapazität der Friedhöfe in der Großen Kreisstadt Leinfelden-Echterdingen reicht noch auf Jahre hinaus aus. Grund dafür ist ein Trend zur Urnenbestattung

Leinfelden-Echterdingen - Ab und zu gibt es für die Kommunalpolitiker auch positive Nachrichten: Laut einem Bericht des für die Unterhaltung der Friedhöfe zuständigen Amts für Umwelt, Grünflächen und Tiefbau muss die Stadt zumindest kurzfristig die vorhandenen Friedhöfe nicht erweitern. Die Kapazitäten reichen vor allem deshalb aus, weil sich in den vergangenen zehn Jahren ein Wandel bei der Art der Bestattungen vollzogen hat: „Die Friedhofskultur befindet sich bundesweit in einem starken Wandel“, heißt es in dem Bericht. Die Nachfrage nach „alternativen, preiswerten und pflegeleichten oder pflegefreien Bestattungsformen“ sei ungebrochen.

 

Der Trend von der traditionellen Erdbestattung hin zur Urnenbestattung lässt sich laut dem Bericht auch in Leinfelden-Echterdingen statistisch belegen. Zwischen 2004 und 2008 wurden in der Großen Kreisstadt noch etwa gleich viele Erd- und Urnengräber benötigt. Seitdem haben sich die Schwerpunkte jedoch eindeutig zur Urnenbestattung verschoben. Deren Anteil beträgt zwischenzeitlich 68 Prozent. Auf dem Waldfriedhof in Leinfelden geht sogar schon 80 Prozent aller Bestattungen eine Einäscherung voraus.

Baumgräber sind gefragt

Als Ursache für die Veränderungen nennt das Fachamt die Erweiterung des Bestattungsangebots. Einer besonderen Nachfrage erfreut sich dabei das 2006 eingeführte Angebot von Baumgräbern auf dem Waldfriedhof Leinfelden. Auf circa 1500 Baumbestattungen hatte sich damals die Stadt eingestellt. Bei einer gleich großen Nachfrage reichen die noch vorhandenen Gräber bis 2016 aus. Die Stadt hat jedoch die Möglichkeit, diese Friedhofsabteilungen noch in die angrenzenden Waldrandbereiche hinein zu erweitern. Das würde die Verfügbarkeit von Baumgräbern bis ins Jahr 2020 sicherstellen, heißt es in dem Bericht. Mittelfristig sei daran gedacht, ein Grundstück aus einem Privatbesitz zu erwerben. Dieses Areal, dem bereits im Flächennutzungsplan eine Nutzung als Friedhofsfläche zugewiesen ist, böte Platz für 800 Baumbestattungen.

Auf Bestattungen unter Einzelbäumen auf den anderen Friedhöfen will die Verwaltung aus Gründen der Pietät verzichten. Friedhofsbesucher sollen nicht unwissentlich Grabflächen betreten.

Betreuung inclusive

Bewährt hat sich nach Darstellung der Friedhofsverwaltung auch das 2012 auf dem Echterdinger Friedhof angelegte Urnengemeinschaftsfeld. Dieses wird von einer Arbeitsgemeinschaft der ortsansässigen Steinmetze und Friedhofsgärtner betreut. Sie sorgen für ein einheitliches Gesamtbild. Hinterbliebene können trotzdem zwischen verschiedenen Grabmalen und Bepflanzungen auswählen. Sie müssen sich jedoch während der gesamten Laufzeit des Grabes nicht selbst um die Pflege kümmern.

Auch an die Einrichtung von Urnenwänden, sogenannten Kolumbarien, ist in L.-E. gedacht. Sie sollen jedoch in bestehende oder neue Bauten integriert werden. Auf einzelne Wände will die Stadt verzichten, etwa um den Parkcharakter der Friedhöfe zu erhalten. In Echterdingen soll ein Kolumbarium in den Neubau der Aussegnungshalle integriert werden. Bei der Sanierung der alten Feierhalle auf dem Waldfriedhof soll unter der bestehenden Überdachung eine Urnenwand eingerichtet werden. Kolumbarien hält die Stadt auch auf den Friedhöfen in Musberg und Stetten für möglich.

Die Stadtverwaltung hat bereits angekündigt, die Friedhofsgebühren neu zu kalkulieren. Einer der Gründe dafür ist die Einführung von Kolumbarien.

Bestattungsgesetz Der Landtag hat im März die Änderung des Bestattungsgesetzes beschlossen. Insbesondere die Aufhebung der Sargpflicht ermöglicht es nun auch, Angehörige anderer Religionen hier zu bestatten. Dafür will die Stadt Leinfelden-Echterdingen Flächen bereithalten. Sie ist sich aber nicht sicher, ob dafür ein Bedarf besteht.

Parkfriedhof Die Stadtverwaltung betont in ihrem Friedhofsbericht den Parkcharakter der Friedhöfe in L.-E.. Der FDP-Stadtrat Wolfgang Haug geht noch weiter. Er möchte diesen Charakter insbesondere auf dem Friedhof Echterdingen betonen und hat beantragt, den Friedhof offiziell in „Parkfriedhof Echterdingen“ umzubenennen.

Erinnerungskultur Damit einhergehend schwebt Haug vor, historisch bedeutende Grabmale in Echterdingen besonders herauszustellen und zu erklären. Friedhöfe mit historischen Gräbern von Personen, die die Ortsgeschichte wesentlich mitgeprägt haben, sind nach Meinung Haugs „wie begehbare örtliche Geschichtsbücher“.