Ohne Hilfe sind ihre Gräber jedoch kaum zu entdecken. Info-Blätter über die letzte Ruhestätte liegen nicht aus. Die Mitarbeiterin in der Verwaltung hilft weiter: In wenigen Sekunden hat sie in ihrem Computer die Lage der gesuchten Gräber ausfindig gemacht und in einen DIN A4 großen Lageplan die genauen Angaben zu Grabfeld, Grabreihe und Grabnummer eingetragen. Mit dem Plan geht es vorbei an für Allerheiligen mit Blumen, Gestecken und Kränzen geschmückten Gräbern durchs raschelnde Laub zu den gesuchten Plätzen.
Klammert man den denkmalgeschützten Hoppenlaufriedhof aus, auf dem schon lange nicht mehr bestattet wird und der Stuttgarts Friedhof mit der meisten Prominenz ist, sind der Waldfriedhof in Degerloch, der Pragfriedhof im Stuttgarter Norden, der Fangelsbachfriedhof neben der Markuskirche im Stuttgarter Süden und der Uffkirchhof in Bad Cannstatt die Orte mit der größten Dichte an verstorbener Prominenz.
Gottlieb Daimler liegt auf dem Friedhof Uffkirchhof begraben
Ganz vorne steht der Waldfriedhof: Dort befinden sich mit 19 Ehrengräbern fast alle Ehrengräber, die die Stadt vergeben hat. Nur zwei sind auf dem Pragfriedhof. Per Tafel sind sie im Eingangsbereich des Waldfriedhofs ausgewiesen. Auch die Gräber von Elly Heuss-Knapp (1881 bis 1952), Politikerin und Gründerin des Müttergenesungswerks, und ihres Mannes, des ersten Bundespräsidenten, Theodor Heuss (1884 bis 1963), gehören dazu.
Außer den Ehrengräbern gibt es noch 659 erhaltenswerte Gräber. Erhaltenswert sind Gräber aufgrund der Verdienste des Verstorbenen oder weil die Grabanlage unter Denkmalschutz steht. 296 sind auf dem Prag-, 139 auf dem Fangelsbach-, 63 auf dem Waldfriedhof und 22 auf dem Uffkirchhof. Auf Letzterem ruhen zum Beispiel der Automobilkonstrukteur Gottlieb Daimler(1834 bis 1900) und der Volksschauspieler Oscar Heiler (1906 bis 1995).
Für die Grabpflege und die Sicherung der Grabsteine haben die Friedhofsgärtner rund 50 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Für Handzettel mit Wegbeschreibungen gibt es keinen Etat. Beim Waldfriedhof hat man vor Jahren den Versuch mit Info-Blättern gemacht, der sich jedoch nicht als praxistauglich erwies. Friedhofsbesucher wenden sich seitdem am besten an einen der Aufseher, die bei Fragen nach berühmten Gräbern weiterhelfen können.
Auf manche Gräber soll gar nicht hingewiesen werden
Ein weiterer Grund für das Fehlen von Handzetteln und Wegbeschreibungen ist, dass alle fünf Jahre etwa 150 bis 200 erhaltenswerte Gräber dazukommen. Das Friedhofsamt reicht beim Gemeinderat die Anträge dafür ein. Eine Chance, in die Liste aufgenommen zu werden, haben die Gräber erst dann, wenn die Familien sie zurückgegeben haben. Auf Anfrage werden jedoch keine Gräber in die Liste aufgenommen.
Auf manche Gräber soll auch gar nicht hingewiesen werden, wie auf das der Terroristen Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Andreas Baader. Die Terroristen wurden im Herbst 1977 auf dem Dornhaldenfriedhof bestattet. Das Interesse an dem Grab sei groß. Aber aus politischen Gründen und weil es die Familien nicht wünschten, hält sich das Garten-, Friedhofs- und Forstamt bedeckt.
Welche Berühmtheiten wo bestattet sind, steht im „Stuttgarter Friedhofsführer“ von Werner Koch und Christopher Koch, Silberburg-Verlag, 14,90 Euro. Vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt gibt es bei Bezirksämtern, im Rathaus und auf Friedhöfen die Gratis-Broschüre „Der Friedhofswegweiser“ mit Angaben zur Entstehung, Größe und Anzahl der Gräber.