Friedhof in Stuttgart-Feuerbach Gärtnerei statt Gräberfeld

Von Torsten Ströbele 

Die reservierten Flächen am Friedhof sollen nun der Firma Müller angeboten werden. Den Vorschlag der Stadtverwaltung hat der Bezirksbeirat einstimmig befürwortet.

Angrenzend an den Friedhof stehen noch alte Gewächshäuser. Foto: Torsten Ströbele
Angrenzend an den Friedhof stehen noch alte Gewächshäuser. Foto: Torsten Ströbele

Stuttgart-Feuerbach - An vielen Orten in der Landeshauptstadt sind Grundstücke reserviert, um bei Bedarf die Friedhofsflächen zu erweitern. Die Stadtverwaltung hat diese Flächen im vergangenen Jahr noch einmal intensiv unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sechs dieser Grundstücke entbehrlich sind – darunter auch ein paar Hektar in Stammheim (wir berichteten), Mühlhausen, Untertürkheim und Feuerbach. Eine veränderte Bestattungskultur führe letztlich auch zu veränderten Flächenanforderungen, heißt es bei der Stadt. Immer mehr Menschen ließen sich statt im Sarg in Urnen- und Gemeinschaftsgräbern beerdigen. Das spare Platz.

Hermann-Lambert Oediger vom Amt für Stadtplanung und Wohnen war jüngst im Feuerbacher Bezirksbeirat zu Gast, um den Lokalpolitikern vorzustellen, was sich die Stadtverwaltung für die rund zwei Hektar große Fläche rund um den Friedhof an der Feuerbacher-Tal-Straße ausgedacht hat. „Auf den potenziellen Erweiterungsflächen sind unter anderem noch alte Gewächshäuser zu finden. Die vor Ort ansässige Gärtnerei Müller hat großes Interesse an dem Grundstück bekundet“, sagte Oediger. Die weitere Nutzung der vorhandenen Gewächshäuser müsste allerdings erst noch im Zuge einer Machbarkeitsstudie geklärt werden. In Frage komme entweder eine Pflanzenproduktion in den bestehenden Gewächshäusern, der Abriss und Neubau sowie eine alternative Freilandproduktion.

„Nachdem wir mit den Interessenten gesprochen haben, würden wir es bevorzugen, wenn die Gärtnerei die Flächen bekommt. Die Firma hat uns einen klaren Bedarf aufgezeigt.“ Für die Gärtnerei Müller sei es wichtig, sich am Standort erweitern zu können und nun auch zügig Planungssicherheit durch die Politik zu bekommen. Auf Nachfrage unserer Zeitung konnte das Max Müller aus der Geschäftsleitung des Unternehmens bestätigen: „Noch hängen wir etwas in der Luft. Wenn wir das Okay bekommen, können wir in die Detailplanung einsteigen.“

In Mühlhausen werden Wohnungen gebaut

Auch über das Thema Wohnbebauung wurde gesprochen. Rund 20 Einheiten seien denkbar. „Ich würde davon aber abraten“, sagte Oediger. „Sollte dennoch eine Wohnbebauung politisch gewünscht sein, wäre es auf jeden Fall sinnvoll die Fläche bis zum Feldweg Taläcker und zur Feuerbacher-Tal-Straße hin zu erweitern und auch zu versuchen, die Gebäude Feuerbacher-Tal-Straße 120 und 122 zu kaufen.“ Der Erwerb sei zwingend notwendig, wenn man eine Insellage von neuen Wohnungen vermeiden wolle. Allerdings seien die beiden Häuser in privatem Besitz.

In Mühlhausen hingegen sollen bisherige Reserveflächen für den Friedhof zum Wohnungsbau herangezogen werden – für das neue Wohngebiet Schafhaus. Das hat eine Mehrheit im Gemeinderat schon beschlossen. Was dagegen mit der Fläche in Stammheim passieren soll, ist noch nicht klar: Eine Abfrage bei den Ämtern habe ergeben, dass es verschiedene Bedarfe gibt: Das Amt für Sport und Bewegung könnte sich dort ein Lehrschwimmbecken oder eine Sporthalle vorstellen. Das Schulverwaltungsamt sieht den Bereich als potenziellen Standort für eine kleine Berufsschule; das Sozialamt dagegen würde dort ein Pflegeheim sehen, und die Justizvollzugsanstalt sucht ein Grundstück für den Bau eines Bildungszentrums.

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