Friedhof Weil im Schönbuch Hitler-ähnliche Grabstele ruft Staatsschutz auf den Plan
Am Wochenende wurde die Holzfigur auf dem Friedhof Hägnach in Weil im Schönbuch entdeckt. Jetzt ermittelt die Polizei.
Am Wochenende wurde die Holzfigur auf dem Friedhof Hägnach in Weil im Schönbuch entdeckt. Jetzt ermittelt die Polizei.
Weil im Schönbuch - Die Friedhofsbesucher wollen ihren Augen am Wochenende kaum trauen: Eine Holzfigur, die deutliche Ähnlichkeit mit Adolf Hitler hat, erhebt sich aus einem Grab auf dem Friedhof Hägnach. Schockiert machen sie Meldung bei der Gemeinde und informieren den Bürgermeister Wolfgang Lahl per E-Mail.
Die etwa anderthalb Meter hohe Holzfigur, professionell geschnitzt mit Fußball und Fußballer-Trikot, weckt Assoziationen zu Adolf Hitler und beschäftigt mittlerweile nicht mehr nur die Besucher des Friedhofs und die Gemeinde, sondern auch die Kriminalpolizei. Durch die „Frisur“ der Holzfigur, den angedeuteten Oberlippenbart und vor allem auch die Nummer 88 auf dem Trikot sind Bezüge zu Adolf Hitler unverkennbar.
Die Nummer 88 ist in der rechten Szene eine klare Ansage: Dechiffriert ist damit der Hitlergruß gemeint; zweimal der achte Buchstabe des Alphabets ergibt „HH“ – „Heil Hitler“.
Besonders eigenartig an dem Fall: Der Nachfahre, der sich um das Grab kümmert, auf dem die Figur wie eine Stele platziert wurde, gab sie vermutlich selbst in Auftrag, berichtet Hauptamtsleiter Martin Feitscher. Es handele sich offenbar um einen privaten Auftrag, der an einen „Kettensägenschnitzer“ gegangen war und somit um keinen Fall von Grabschändung: „Diese Befürchtung stand in der Tat zunächst im Raum“, sagt der Weilemer Bürgermeister Wolfgang Lahl. Doch als die Gemeinde Kontakt zu der Familie, zu der das Grab gehört, aufgenommen hatte, sei klar geworden, dass es sich um „eine bewusste Entscheidung“ und Auftragsarbeit gehandelt habe.
Zur Motivation der Auftraggeber und denkbaren neonationalsozialistischen Hintergründen wollen sich weder Lahl noch Feitscher äußern. „Für mich gab es keine Sekunde Zweifel, dass man handeln muss“, berichtet Lahl, deshalb habe er sofort veranlasst, dass die Figur am Montag gemeinsam mit der Polizei entfernt wird und diese die Ermittlungen aufnimmt. Die Statue wurde vorerst im Bauhof der Gemeinde zwischengelagert.
Das Aussehen der Holzfigur sei definitiv „geeignet“, eine Verbindung zu Adolf Hitler herzustellen, bestätigt ein Sprecher der Polizei. Und das sei Anlass genug für die Kriminalpolizei gewesen, ein Ermittlungsverfahren im Sinne von Paragraf 86a – „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ – einzuleiten, bei dem der Staatsschutz auf den Plan gerufen wird. In solch einem Verfahren ginge es zunächst einmal darum, „die Motivationslage herauszuarbeiten“: Handelte es sich um einen „Streich“ oder eine spontane Tat im Vollrausch? Im Falle der hitlerähnlichen Holzfigur auf dem Friedhof dürfte es schwierig sein für den Beschuldigten zu behaupten, die Figur sei nicht absichtlich mit den hitlertypischen Merkmalen und der Zahl 88 versehen worden.
Aber so weit, dass sie deshalb eine rechte Keimzelle in Weil im Schönbuch vermutet, sei die Polizei noch lange nicht.