Friedliches Miteinander in Ludwigsburg Der Dialog der Religionen ist nicht zum Papiertiger geworden

Nicht nur am Tag der offenen Moschee: Die Religionsgemeinschaften in Ludwigsburg   haben  sich geöffnet. Foto: /factum/Simon Granville
Nicht nur am Tag der offenen Moschee: Die Religionsgemeinschaften in Ludwigsburg haben sich geöffnet. Foto: /factum/Simon Granville

Vor zehn Jahren wurde die Ludwigsburger Erklärung „Suchet der Stadt Bestes“ unterzeichnet. Darin verpflichten sich Muslime, Buddhisten, Aleviten, Hindus und Christen zum friedlichen Miteinander.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)

Ludwigsburg - Wie fremd sind sich Christen und Muslime oder Buddhisten und und Aleviten? In Ludwigsburg nicht mehr ganz so sehr wie noch vor zehn Jahren. Als die verschiedenen in der Stadt lebenden Glaubensgemeinschaften 2009 die sogenannte Ludwigsburger Erklärung unterzeichneten, verpflichteten sie sich zu einem friedlichen Miteinander. Dank regelmäßiger Gespräche habe sich so „eine Kultur des Fragens“ entwickelt, sagt Pfarrerin Margarete Rittmann. Am 3. Oktober wird das zehnjährige Bestehen dieses religiösen Dialogs mit einem Friedensgebet in der Schlosskirche gefeiert.

Die erste Idee für eine Gemeinschaft der Religionen geht auf den 11. September 2001 zurück, sagt Muhittin Soylu vom Zentralrat der Muslime: „Wir wollten zeigen, dass die Religionen friedlich miteinander leben können.“ Das war das Startsignal für den Dialog. Zur eigentlichen Erklärung jedoch kam es erst später: Allein die Diskussion um das Papier, auf das sich die verschiedenen Gruppen dann im Juli 2009 einigen konnten, dauerte etwa ein Jahr lang. Überschrieben ist der Text mit „Suchet der Stadt Bestes“.

Idee mit Leben gefüllt

Nach zehn Jahren zeige sich, dass „kein Papiertiger“ produziert worden sei, sondern „eine Idee mit Leben gefüllt worden ist“, sagt die städtische Integrationsbeauftragte Anne-Kathrin Müller. Die Stadt Ludwigsburg habe von Anfang an mitgewirkt, aber die Initiative sei von den Religionsgemeinschaften ausgegangen, die sich selbst in die Pflicht genommen hätten.

Diese Selbstverpflichtung der Religionsgemeinschaften hat in ihrer anschaulichsten Form dazu geführt, dass Hürden weggefallen sind. „Mir hat zum Beispiel erst neulich eine Frau erzählt, dass sie 30 Jahre an unserer Moschee vorbeigegangen ist“, erzählt Ibrahim Türk von der Ditib-Gemeinde. Erst auf einem Rundgang im Rahmen des Religiösen Dialogs habe sie nicht nur erstmals die Moschee betreten, sondern auch erfahren, dass hier Menschen beten, mit denen sie sich auf Deutsch unterhalten kann.

Kalender der Stadt nimmt Rücksicht auf Festtage

Um sich gegenseitig zu tolerieren, müssen die Gemeinschaften untereinander im Gespräch sein. Das geht so weit, dass man in der Stadt mittlerweile versucht, bei der Terminplanung auch Rücksicht auf wichtige Feste der verschiedenen Gruppen zu nehmen. Inzwischen werden die Religionsgemeinschaften in Ludwigsburg auch zum Klimagipfel eingeladen, und 16 Angehörige der muslimischen Gemeinde haben eine Ausbildung zum Notfallseelsorger erhalten.

Längere Debatten hat vor einigen Jahren der Wunsch nach muslimischen Begräbnissen ausgelöst. Im Zuge dessen habe man sich gegenseitig informiert, worauf es beim jeweiligen Ritus ankommt, erzählt Pfarrerin Rittmann. „Und dann haben wir festgestellt, dass christliche und muslimische Bestattungen gar nicht so unterschiedlich sind wie angenommen.“

Politik soll draußen bleiben

Das Miteinander der Religionsgemeinschaften bietet eine Plattform dafür, intensiv ins Gespräch zu kommen. Dabei sollen auch Konfliktthemen nicht ausgespart werden, versichert Soylu. „Aber in diesem Kreis sind wir nie politisch. Das wollen wir hier nicht haben.“ Darum werde immer sortiert: Welches ist ein religiöses und welches ein politisches Thema? Nur so könnten sich die Gemeinschaften auch gegen eine politische Inanspruchnahme der verschiedenen Religionen wehren, ergänzt Seyfi Gündüz von der Islamischen Gemeinde Ludwigsburg (IGL).




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