Friedrich-Eugens-Gymnasium Französisch als mission possible

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Das France Mobil mit dem Lehrer Benjamin Thurotte hat am Friedrich-Eugens-Gymnasium Halt gemacht, um in den Schülern die Zuneigung zu Frankreich und seiner Sprache zu erwecken. Seine Botschaft: So schwer ist es gar nicht, sich zu verstehen.

Benjamin Thurotte ist nicht einfach ein Französischlehrer, sondern begreift sich  als   ein Botschafter der  französischen Sprache mit Haut und Haar. Foto: Kathrin Wesely
Benjamin Thurotte ist nicht einfach ein Französischlehrer, sondern begreift sich als ein Botschafter der französischen Sprache mit Haut und Haar. Foto: Kathrin Wesely

S-West - Französisch ist unsagbar schwierig, die Franzosen können bloß Französisch und sie essen ausschließlich Baguette – das sind die beliebtesten Vorurteile, die Benjamin Thurotte zu Hören bekommt, wenn er vor einer deutschen Schulklasse steht. Der Französischlehrer aus Frankreich hat sich dem France Mobil angeschlossen, das durch deutsche Lande fährt, um die hiesige Jugend für die Sprache des Nachbarn zu erwärmen. Jetzt steht er vor der Klasse 6b des Friedrich-Eugens-Gymnasium (FEG), die hingerissen ist von dem jungen Mann, der jedem der Schüler französische Worte entlockt, von denen er gar nicht ahnte, dass er sie längst kannte. „Es gibt viele französische Worte, die man im Deutschen täglich benutzt“, sagt der 30-Jährige.

Man muss bloß wollen

Er hält farbige Papiere in Luft, die Schüler müssen die Farben benennen, er lässt sie spielen und durchs Klassenzimmer wetzen. Er will die Kinder physisch und phonetisch begeistern. Benjamin Thurotte begreift Sprache als eine zutiefst sinnliche Angelegenheit, er ist nicht bloß Lehrer, er ist ein Botschafter der französischen Sprache. Thurotte ist überzeugt, Kindern seine Landessprache beizubringen, ist eine „Mission possible“. Er hat den Schülern anfangs vorgemacht, er verstehe kein Deutsch – ein Kniff, der die Kinder dazu bringt, den französischen Worte des netten Lehrers genau zu lauschen, weil sie wissen wollen, was er ihnen zu sagen hat. Am Schluss der Stunde wird er ihnen beichten, dass er sehr wohl Deutsch versteht. Naja, so ganz hatten sie ihm die Unkenntnis sowieso nicht abgekauft.

Das France Mobil macht nur an diesem Tag Halt am FEG im Stuttgarter Westen. Klassen der Stufen zehn, neun, sieben und sechs werden unterrichtet. Anderntags wird das Mobil in einem Schulhof in Herrenberg stehen und dann weiterrollen in Richtung Bodensee. Das France-Mobil-Programm wurde 2012 von der Robert Bosch Stiftung und der Französischen Botschaft in Berlin ins Leben gerufen. Seither besuchen zwölf junge Franzosen jedes Jahr deutsche Kitas und Schulen, um ihr Land vorzustellen und für dessen Sprache zu begeistern. Dafür haben sie Spiele, Musik, Bücher, Jugendzeitschriften und Broschüren im Gepäck. „Im Schuljahr 2014/2015 haben die France-Mobil-Lektoren 1050 Schulen besucht und mehr als 81 500 deutsche Schüler getroffen! Insgesamt sind sie mehr als 170 000 Kilometer durch Deutschland gefahren. Zwischen 2002 und 2015 haben die France-Mobil-Referenten mehr als 1 030 000 Schüler getroffen“, heißt es in einer Pressemit­teilung.

Der weiche Klang seiner Sprache

Die Mission der Lektoren ist es, den Schülern mit modernem Material ein dynamisches und aktuelles Bild von Land und Sprache zu vermitteln. Am Anfang aktivieren die France-Mobil-Lektoren gewissermaßen die Vorkenntnisse ihrer Schüler. Sie führen ihren Schülern dabei vor Augen, wie viel Französisch sie schon können und was sie schon alles über das Land wissen. Das mindert die gefühlte Distanz zu der vermeintlich schwierigen Framdsprache. Aber es geht nicht bloß um blankes Wissen, sondern auch um Gefühle wie Zuneigung: Die Schüler bekommen den Charme des Nachbarlandes, seine Schönheit und den weichen Klang seiner Sprache zu spüren. Und wer im Unterricht angebissen hat, wird von den Lektoren auch gleich mit weiterem Material gefüttert: etwa mit Infos zur deutsch-französischen Hochschule, über Möglichkeiten, in Frankreich Praktika zu absolvieren oder zu studieren. Auch können sich die Schüler über Stipendien für Aufenthalte in Frankreich informieren.

Benjamin Thurotte selbst hat die deutsch-französische Grenzüberschreitung als große Bereicherung erlebt. Dabei war er selbst nicht frei von Vorurteilen, die selbstverständlich auch links des Rheins gepflegt werden: „Es heißt zum Beispiel, Deutsch sei eine schwierige Sprache, und man müsste erst mal Latein lernen, bevor man mit Deutsch anfängt. Außerdem gilt die deutsche Sprache nicht gerade als sexy.“ Als nachgerade problematisch werde ihr Klang empfunden: „Hart, abgehackt, aggressiv.“ Diese Einschätzung habe sich grundlegend geändert, als er sich ihr genähert habe, sagt Thurotte: „Deutsch klingt für mich heute schön, und ich kann die unterschiedlichen Melodien der Sätze heraushören.“ Solche fremdsprachlichen Aha-Erlebnisse möchte Thurotte auch gerne seinen deutschen Schülern bescheren.

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