Friedrich Hecker Der Mann mit dem Hut

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Er kämpfte für eine deutsche Republik und gegen die Sklaverei. Eine Erinnerung an den badischen Revolutionär anlässlich seines 200. Geburtstags.

Der Schwarz-Weiß-Stich aus der ´Illustrierten Chronik», Jahrgang 1848 zeigt den Revolutionär Friedrich Hecker. Foto: dpa 2 Bilder
Der Schwarz-Weiß-Stich aus der ´Illustrierten Chronik», Jahrgang 1848 zeigt den Revolutionär Friedrich Hecker. Foto: dpa

Freiburg - Ob eine Revolution erfolgreich verläuft, hängt häufig von einem charismatischen Anführer ab. Mao Tse-tung, Ho Chi Minh oder Fidel Castro fingen klein an und stürzten mächtige Herrschaften, die sich fest im Sattel wähnten.

Der charismatische Anführer Friedrich Hecker - Markenzeichen: ein breitkrempiger Hut - hat im Frühjahr 1848 seinen revolutionären Kampf verloren. Zusammen mit seinem engsten Geistesverwandten Gustav Struve und 50 weiteren Umstürzlern hatte sich der wortgewaltige Abgeordnete des badischen Landtages am 13. April zu Fuß von Konstanz aus auf den Weg gemacht, um den badischen Großherzog in Karlsruhe vom Thron zu stürzen.

Der "Heckerzug" wurde nicht zum Triumphzug, dem sich Tausende hätten anschließen sollen. Er kam im Schnee, im Regen und in einem Sumpf ins Stocken, und schon am 20. April endete die Revolution bei Kandern im Kugelhagel einer Spezialeinheit des großherzoglichen Militärs, ergänzt durch hessisch-nassauische Soldaten. Deren Befehlshaber Friedrich von Gagern, ein Bruder des späteren Parlamentspräsidenten Heinrich von Gagern, fiel. Der Revolutionsführer Hecker floh in die Schweiz.

Freie Republik als Alternative zur Erbmonarchie

Friedrich Hecker, am 28.September 1811 in Eichtersheim im Kraichgau geboren, ist als Freiheitskämpfer gescheitert. Doch das konnte seinen Aufstieg zum historischen Helden nicht verhindern. Mancher Gesangverein huldigt ihm bis heute mit einem Volkslied: "Es klingt ein Name stolz und prächtig/im ganzen deutschen Vaterland/Jedes Herz erzittert mächtig/wenn dieser Name wird genannt/Ihr kennt ihn wohl, den edlen Mann/Es lebe Hecker! Stoßet an!"

Dabei gab es das einig deutsche Vaterland seinerzeit noch gar nicht, es war vielmehr eines der Ziele, die die bürgerliche Revolution erkämpfen wollte. Die freie Republik als Alternative zur Erbmonarchie! Im Rückblick beschrieb der badische Abgeordnete Friedrich Hecker seine Aufbruchsstimmung im Frühjahr 1948 folgendermaßen:

"Alles sagte dem Politiker, dass der rechte Moment gekommen sei und nicht vorübergelassen werden dürfe; und man war der festen Zuversicht, dass es keines Schwertstreiches und keines Schusses bedürfe, dass der Zug ein wahrer Festzug sein und ganz Deutschland dem Beispiele Badens, das immer vorangegangen, folgen würde. Jetzt war es an der Zeit, an die Stelle nutzloser Reden die That zu setzen." Eine grobe Fehleinschätzung - siehe oben.

Hecker wurde vom revolutionären Fieber ergriffen

Aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer, und Friedrich Hecker hätte ja auch recht behalten können. Denn die Fürstenherrlichkeit im zerstückelten Deutschland jener Zeit bröckelte und wankte wie das feudale System in ganz Europa. Immer heftiger schwappten die revolutionären Wellen aus Frankreich über die Grenzen. Nach dem Sturz des Königs Louis Philippe im Februar 1848 stand die Monarchie allerorten auf der Kippe.

Friedrich Hecker wurde vom revolutionären Fieber ergriffen. Der Rechtsanwalt und Sohn eines Amtsmanns war von den liberalen Politikern und Abgeordneten der zweiten Parlamentskammer in Karlsruhe, insbesondere von Adam von Itzstein, als Nachwuchshoffnung wohlwollend aufgebaut worden. Doch Hecker wurde radikaler, als es seinen Förderern lieb war.

Denn Teile des Großbürgertums wollten den schwächelnden Adel nicht stürzen, sondern sich mit ihm arrangieren. Eine durch Verfassung und Recht gezähmte Monarchie schien der Bourgeoisie ein geeigneter politischer Rahmen - Hauptsache, sie garantiere die Handels- und Gewerbefreiheit und schüfe einen gemeinsamen deutschen Binnenmarkt. Im Kleinbürgertum und dem bäuerlichen und handwerklich geprägten Volk grassierten hingegen Friedrich Heckers Ideen: Eine freie deutsche Republik war seine große Hoffnung, und das sozialistische Wetterleuchten schürte die Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit. Hecker forderte "die Ausgleichung des Missverhältnisses zwischen Arbeit und Capital" - diese Worte wurden am 12.September1847 im Offenburger Gasthaus Salmen zum Programm erhoben.