Frisch Auf gegen TVB Spielmacher-Duell Newel gegen Häfner: „Es wird brodeln, die Halle wird brennen“

Zwei Spielgestalter mit Drang zum Tor: Elias Newel (FrischAuf Göppingen) und Max Häfner (TVB Stuttgart/re). Foto: Baumann/Julia Rahn

Derby-Zeit an diesem Mittwoch (19 Uhr) in der EWS-Arena: Das Bundesligaspiel Frisch Auf Göppingen gegen TVB Stuttgart ist auch das Duell der Spielmacher Elias Newel und Max Häfner.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Frisch Auf Göppingen holte zuletzt 17:3 Punkte, der TVB Stuttgart schlug Flensburg. Nun duellieren sich die formstarken Nachbarn im Handball-Bundesliga-Derby in der EWS-Arena (Mittwoch, 19 Uhr). Wir trafen die Spielmacher Elias Newel und Max Häfner zum Doppel-Interview.

 

Meine Herren, erinnern Sie sich noch an den 5. Juni 2025?

Newel: Durchaus. Da gab’s ein packendes Derby, das wir in letzter Sekunde durch ein Tor von Josip Sarac mit 28:27 gewannen.

Häfner: Das Ergebnis traf uns extrem hart. Wie diesmal war es das vorletzte Saisonspiel – und uns hätte ein Punkt zum Klassenverbleib gereicht. So aber kam es für uns zu einem Herzschlagfinale am letzten Spieltag, das ich in dieser Form niemandem wünsche, auch wenn’s am Ende gut für uns ausging.

Newel: An Nachbarschaftshilfe ist in solchen Fällen nicht zu denken, sorry, sonst sind die Fans sauer.

Diesmal können beide Teams entspannt reingehen, ändert das etwas an der Brisanz?

Newel: Nein, das wird ganz sicher wieder ein emotionaler Kampf. Kleinigkeiten werden das Spiel entscheiden. Auch wenn ich in Bayern aufgewachsen bin, weiß ich natürlich, dass dieses Schwaben-Derby vor allem auch für unsere Fans extrem wichtig ist.

Häfner: In diesem Duell steckt spezielle Brisanz, für mich und meinen Bruder noch einen Tick mehr, da wir für beide Vereine gespielt haben, auch wenn die Frisch-Auf-Zeit lange her ist.

Newel: Die Nähe der beiden Standorte ist eben etwas Besonderes in der Liga.

Häfner: Es wird brodeln, die Halle wird brennen – und der Anspruch beider Teams ist es, ein geiles Derby abzuliefern.

Frisch Auf hat als Neunter neun Punkte mehr als der TVB auf Platz zwölf und holte zuletzt 17:3 Punkte in Serie. Ist die Favoritenrolle klar verteilt?

Newel: Das würde ich nicht sagen. Wir haben einen sehr guten Lauf, keine Frage. Aber der TVB hat zuletzt auch Flensburg geschlagen. Im Derby ist alles möglich.

Häfner: Mit der Serie, dem Selbstvertrauen und dem Heimvorteil kann man schon auf die Idee kommen, Frisch Auf leicht zu favorisieren. Trotzdem sehe ich unsere Chancen.

Woran liegt die äußerst positive Entwicklung bei Frisch Auf?

Newel: Wenn’s läuft, dann läuft’s (lacht). Da macht man sich keine so großen Gedanken nach schlechten Aktionen, ein gewisses Selbstverständnis ist einfach da, es läuft fast von selbst.

Häfner: Der Lauf ist beeindruckend. Ich hätte schon gedacht, dass Frisch Auf Spielmacher Ludvig Hallbäck nach seinem Wechsel in der EM-Pause nach Gummersbach im Angriff fehlen wird, aber das hat die Mannschaft super aufgefangen. Elias spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle und macht einen sehr guten Job.

Elias Newel lauscht den Anweisungen von Trainer Ben Matschke. Foto: IMAGO/Oliver Vogler

Nicht von ungefähr wurden Sie nun von der Handball-Bundesliga zum Nachwuchsspieler der Saison ausgezeichnet.

Newel: Das ist eine riesige Ehre. Damit hatte ich nicht gerechnet. Zu erwarten war diese Entwicklung auf keinen Fall. Ich profitiere davon, dass das gesamte Team einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht hat.

Ihre Vorgänger als Nachwuchsspieler der Saison hießen Marko Grgic und Nils Lichtlein, inzwischen Stammkräfte im A-Nationalteam. Wann sehen Sie sich dort?

Newel: Natürlich wäre es ein Traum, wenn ich das mal schaffen würde. Aber derzeit verschwende ich daran keine Gedanken. Ich konzentriere mich voll auf Frisch Auf.

Sie, Herr Häfner, standen auch schon auf dem Sprung ins Nationalteam, doch immer wieder kamen schwere Verletzungen dazwischen.

Häfner: Jeder träumt davon, mal den Adler auf der Brust zu tragen. Das ist eine riesige Anerkennung und eine riesige Ehre. Von daher, wenn der Bundestrainer anruft, würde ich auch mit 30 nicht nein sagen (lacht).

Herr Newel, wären Sie nicht um ein Haar Eishockeyspieler geworden? Schließlich sind Sie in der Nähe von Bad Tölz aufgewachsen.

Newel: Hätte sich angeboten, ja. Aber meine Mutter war Handballtrainerin, da war die Sportart schnell klar. Anfangs wollte ich ins Tor. Meine Mutter meinte, dafür sei ich zu klein. Im Nachhinein muss ich sagen, nicht die schlechteste Entscheidung, dass ich ins Feld gegangen bin.

Häfner: Bei mir war der Vater Trainer, uns wurde der Handball praktisch in die Wiege gelegt.

Die Metropole München fehlt auf der Handball-Bundesliga-Landkarte. Wie lange noch?

Newel: Ich hoffe sehr, dass der weiße Fleck mittelfristig verschwindet. Ein guter erster Schritt ist, dass die Ex-Nationalspieler Steffen Weinhold und Dominik Klein die HG München Fürstenfeldbruck mit an den Start gebracht haben.

Häfner: Der Supercup wird ja schon im SAP-Dome ausgetragen. München wäre für die Liga eine coole Sache. Aber Traditionsstandorte in kleineren Städten wie Göppingen, Gummersbach oder Lemgo dürfen auf keinen Fall wegbrechen.

In der Bundesliga spielten Sie bisher immer nur für den TVB. Wird es dabei bleiben?

Häfner: Mein Vertrag läuft erst einmal bis 2028. Auf die zwei nächsten Spielzeiten freue ich mich auch sehr. Wie es danach weitergeht, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Generell fühle ich mich sehr wohl in Stuttgart. Ich weiß, was ich am Verein habe, der Verein weiß, was er an mir hat. Von daher ist es ein ganz gutes Match.

Newel: Zumal du mit Kai zusammenspielen kannst. Mein sechs Jahre älterer Bruder Noah spielt leider nur in der fünften Liga beim TSV Friedberg.

Häfner: Wie haben den gleichen Altersunterschied, deshalb war Kai und mir das Zusammenspielen in der Jugend immer verwehrt geblieben. Dass es jetzt klappt in der Bundesliga beim TVB, ist umso schöner. Man sieht sich jeden Tag, lernt sich deutlich besser kennen. Das möchte ich nicht missen.

Max Häfner (re.) und Bruder Kai: Input von Coach Misha Kaufmann. Foto: IMAGO/Oliver Vogler

Herr Newel, einmal Frisch Auf, immer Frisch Auf?

Newel: Hätte auch was, mal schauen (lacht). Jetzt läuft mein Vertrag ja schon mal bis 2029.

Herr Häfner, als alter Hase, was würden Sie einem so jungen Spielmacher-Kollegen wie Elias mit auf den Weg geben?

Häfner: Wichtig ist, sich selbst über seine Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Wenn man das realisiert hat, kann man dementsprechend dran arbeiten und Spielsituationen finden, in denen man seine Stärken gezielt einsetzen kann. Dass einer alles kann – von der Sorte gibt es nur ganz, ganz wenige.

Sie spielen beim TVB mit vier Rückraumspielern. Wer sagt da eigentlich die Spielzüge an?

Häfner: Das bin schon ich. Mit Misha Kaufmann tausche ich mich sehr viel aus und versuche, den Input auf dem Spielfeld weiterzugeben.

Nach dem Sieg gegen Flensburg soll der Trainer bei der Ansprache gegenüber der Mannschaft vor allem die Schwächephase herausgestrichen haben. Wie lebt es sich damit?

Häfner: Letztendlich ist es genau dieser kritische Blick, der uns weiter bringt. Unabhängig vom Ergebnis, gibt es immer Dinge, die man verbessern kann. Misha ist ein guter Taktiker, der immer eine Lösung parat hat. Das hilft extrem. Es macht Spaß mit ihm zusammenzuarbeiten.

Newel: Es ist bei uns ähnlich. Du denkst, du hast ein gutes Spiel gemacht und dann schaust du am nächsten Tag das Video und siehst Sachen, die nicht so gut waren. Auch unser Coach Ben Matschke hat immer einen Plan wie er uns individuell und als Mannschaft verbessern kann.

Das Frisch-Auf-Team bleibt bis auf David Schmidt komplett beisammen. Kann es in der neuen Saison sogar Richtung europäische Plätze gehen?

Newel: Das zu beurteilen, ist noch zu früh. Wir sind eine junge Truppe, die Entwicklung ist sicher noch nicht zu Ende. Ich bin selbst gespannt, was noch möglich ist.

Beim TVB gibt es deutlich mehr Wechsel. Was ist drin am Standort Stuttgart?

Häfner: Der Verein macht in Sachen Sponsorengewinnung eine tolle Arbeit. Wir als Mannschaft wollen uns sportlich verbessern, den nächsten Schritt machen und näher Richtung einstelligen Tabellenplatz kommen.

Der Trainer ist offensiver und will mit dem TVB Titel gewinnen.

Häfner: Natürlich hat man gewisse Träume und Ziele, die haben andere Teams in der Liga auch. Völlig klar: Mal ins Final Four um den DHB-Pokal zu kommen, das wäre eine Riesensache. An einem Wochenende ist dann auch alles möglich.

Newel: Final Four in der Kölner Lanxess-Arena zu spielen, wäre auch für mich ein Traum. Dieses Jahr sind wir leider schon in Runde zwei daheim gegen Leipzig ausgeschieden.

Bitte ein Ergebnistipp – wie geht’s aus am Mittwoch?

Häfner: Plus zwei für Stuttgart – 30:28.

Newel: Ich hätte auch gesagt plus zwei für Göppingen. Aber dann sage ich, wir gewinnen mit drei – 34:31.

Zur Person

Elias Newel
Er wurde am 13. Juli 2004 in Trier geboren. Aufgewachsen ist Elias Newel im bayrischen Geretsried in der Nähe von Bad Tölz. Er wechselte 2022 vom TSV Allach zu Frisch Auf Göppingen und hatte bis 2025 Zweifachspielrechte für den TV Plochingen und den HC Oppenweiler/Backnang. Der 1,82 Meter große Spielmacher absolvierte 31 Junioren-Länderspiele für Deutschland. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Hobby: Golf.

Max Häfner
Er wurde am 13. Mai 1996 in Schwäbisch Gmünd geboren. In der Jugend spielte Max Häfner für den TSB Gmünd und Frisch Auf Göppingen. Seit 2017 steht der 1,85 Meter große Spielmacher beim TVB Stuttgart unter Vertrag. Er studiert an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd Mathematik und Sport auf Lehramt. Max Häfner heiratet am 19. Juni, sein Trauzeuge ist Frisch-Auf-Spieler David Schmidt, mit dem er von 2018 bis 2020 beim TVB zusammenspielte. Hobby: Padel spielen. (jüf)

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