Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen rettet nach einem sehr enttäuschenden Auftritt bei GWD Minden gerade noch ein 27:27. Erfreulichster Aspekt ist das Comeback von Rückraumspieler Sebastian Heymann.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Zehneinhalb Monate nach seinem zweiten Kreuzbandriss kam Sebastian Heymann in der zweiten Halbzeit ins Spiel und und versuchte, den Abwehr-Innenblock zu stabilisieren. Als der Rückraumspieler von Frisch Auf Göppingen bei einem erweiterten Gegenstoß dann sein Team nach einem 12:14-Halbzeit-Rückstand mit 18:17 in Führung warf (38.), schien der Handball-Bundesligist bei Abstiegskandidat GWD Minden auf die Siegerstraße einzubiegen. Doch die Mannschaft von Markus Baur geriet wieder mit 24:27 (56.) ins Hintertreffen und rettete nach einer Auszeit ihres Trainers gerade noch ein 27:27 – dank der späten Tore von Jon Lindenchrone, Kevin Gulliksen und Kresimir Kozina (15 Sekunden vor Schluss). Auch ohne die Glanzparade von Torwart Marin Sego bei einem Gegenstoß gegen GWD-Linksaußen Mats Korte beim 25:27-Rückstand wäre der glückliche Punktgewinn nicht möglich gewesen.

 

„Wir sind froh, dass wir noch einen Zähler gerettet haben, aber ab sofort dürfen wir so in der Bundesliga nicht mehr auftreten“, sagte Kapitän Tim Kneule, der gemeinsam mit den Außen Kevin Gulliksen und Marcel Schiller mit je fünf Toren erfolgreichster Werfer war. Bei GWD überragten vor 2313 Zuschauern in der Kampahalle Torwart Malte Semisch (14 Paraden) und der von den Rhein-Neckar Löwen ausgeliehene 21-jährige Rückraumspieler Philipp Ahouansou (neun Tore).

Am vergangenen Dienstag hatte Frisch Auf im European-League-Achtelfinal-Hinspiel beim isländischen Meister Valur Reykjavik noch einen Gala-Auftritt hingelegt und souverän mit 36:29 gewonnen. Nun folgte im Ligaalltag der eklatante Leistungsabfall beim Tabellenvorletzten, der schon das Hinspiel in Göppingen mit 29:26 gewonnen hatte. „Wir waren von Anfang an nicht zu 100 Prozent da und sind auch zu langsam nach vorne gelaufen“, monierte Kneule. Mit anderen Worten: Die Einstellung stimmte nicht.

Baur vermisst letzte Überzeugung

Das enorm kampfstarke GWD-Team wollte den Sieg mehr, belohnte sich aber nur mit dem einen Punkt. „Dass wir den Sieg noch hergeben, ist bitter. Es fühlt sich wie eine Niederlage an“, klagte Mindens Keeper Semisch. Frisch-Auf-Coach Baur fühlte sich hin- und hergerissen: „Das war ein sehr schwieriges Spiel für uns. Wir sind schlecht reingekommen. Nach dem guten Start in die zweite Hälfte haben wir leider auch wieder Chancen ausgelassen und die letzte Überzeugung vermissen lassen. Wenn man am Ende 24:27 zurückliegt und dann noch das 27:27-Unentschieden erreicht, dann können wir froh sein.“

Für Frisch Auf heißt es nun wieder, den Schalter von der Liga auf die internationale Bühne umzulegen, was bisher weitaus besser funktionierte, als umgekehrt. Bereits an diesem Dienstag (20.45 Uhr) kommt Valur Reykjavik zum Rückspiel in die EWS-Arena. Und Sebastian Heymann ist heiß auf seinen ersten Auftritt seit Mai 2022 vor heimischem Publikum: „Die Leidenszeit war lang genug, aber die Arbeit hat sich ausgezahlt. Ich freue mich extrem auf die Partie gegen Valur und bin froh, dass mich Markus schon in diesem engen und harten Spiel in Minden gebracht hat.“

Aufstellungen

GWD Semisch (1.-60.), Shamir; Hakaj, Janke, Kranzmann, Korte 6/3, Pieczkowski 2, Johannsson 3, Ahouansou 9, Staar 3, Sebetic 1, Bitsch, Urban, Darmoul 3.

Frisch Auf Sego (1.-30., 47.-60.), Rebmann (31.-47.); Kneule 5, Lindenchrone 1, Heymann 1, Sarac 4, Ellebaek 1, Röller, Blagotinsek, Schiller 5/2, Goller, Gulliksen 5, Hermann, Kozina 2, Malus 2, Schmidt 1.

So geht’s weiter

Bundesliga
Frisch Auf – Bergischer HC (2. April, 16.05 Uhr), Frisch Auf – HSG Wetzlar (6. April, 19.05 Uhr), HSV Hamburg – Frisch Auf (20. April, 19.05 Uhr), Frisch Auf – ASV Hamm-Westfalen (3. Mai, 19.05 Uhr), TBV Lemgo Lippe – Frisch Auf (6. Mai, 18.30 Uhr), Frisch Auf – SC DHfK Leipzig (11. Mai, 19.05 Uhr), MT Melsungen – Frisch Auf (1. Juni, 19.05 Uhr).

Eurpean League
Frisch Auf – Valur Reykjavík (28. März, 20.45 Uhr/Achtelfinale, Rückspiel). Viertelfinale: 11. April/18. April. Final Four: 27./28. Mai in Flensburg. (jüf)