Frisch Auf Göppingen Der bestandene Charaktertest bleibt ein schwacher Trost
Der letzte Eindruck ist zwar gut, doch Frisch Auf Göppingen kann die schwache Bundesligasaison beim Final Four nicht retten. Welche Lehren werden daraus gezogen?
Der letzte Eindruck ist zwar gut, doch Frisch Auf Göppingen kann die schwache Bundesligasaison beim Final Four nicht retten. Welche Lehren werden daraus gezogen?
Tim Kneule kam als einer der letzten in die Katakomben der Flensburger Campushalle. Obwohl der Kapitän von Frisch Auf Göppingen wegen einer Oberschenkelzerrung nicht spielen konnte, hatte auch er sich gemeinsam mit der Mannschaft von den mitgereisten 350 Fans unter den 4300 Zuschauern feiern lassen. Feiern lassen für das überraschende 33:29 (16:17) gegen das französische Spitzenteam Montpellier HB im Spiel um Platz drei. „Beide Mannschaften nahmen dieses Spiel sehr ernst. Deshalb ist das schon ein Trostpflaster, wir haben einen Charaktertest bestanden“, sagte der 36-Jährige mit der Bronzemedaille um den Hals. Dann ergänzte er mit leiser Stimme: „Mit dieser Leistung hätte man auch ein Endspiel gewinnen können.“
Das taten aber die Füchse Berlin durch ein souveränes 36:31 16:12) gegen BM Granollers. Gegen jenes spanische Team, das am Samstag Frisch Auf im Halbfinale mit einem 31:29 (16:18) die Chance aufs European-League-Endspiel geraubt hatte. Unnötigerweise aus Sicht der Göppinger, die reihenweise Chancen versiebten, vier Siebenmeter nicht im Tor der Katalanen unterbrachten und eine 21:18-Führung nicht ins Ziel und brachten.
Die Halbfinalpartie war ein Spiegelbild dieser Bundesligasaison. Die Unzulänglichkeiten beim Torabschluss, die fehlende Konzentration in den entscheidenden Situationen, zu wenig Rückhalt von den Torhütern und insgesamt viel zu wenig Konstanz führten zum aktuellen 14. Tabellenplatz (21:39 Punkte). „Wir müssen einfach unsere Hausaufgaben besser machen“, sagte Linksaußen Marcel Schiller. Was er damit meint, ist die Fähigkeit, die Basics abzurufen. Und zwar immer. Auch wenn es das Team als Favorit ins Spiel geht wie gegen Granollers. Doch da hat es nicht funktioniert, genauso wenig wie in fast allen Bundesligaspielen gegen die Kellerkinder der Liga. Es gelingt nicht, gegen schwächere Gegner, an einem nicht ganz so guten Tag, einen knappen Sieg einzufahren. „Das aber zu schaffen, ist auch ein Ausdruck von Qualität“, sagte Schiller.
In der Außenseiterrolle – wie gegen Montpellier – wächst Frisch Auf dagegen über sich hinaus, liefert eine Energieleistung ab, selbst ohne Stammkräfte wie Kneule und die ebenfalls verletzten Sebastian Heymann, Kevin Gulliksen (beide Überdehnung des Sprunggelenks) und Tobias Ellebaek (Daumenbruch).
Dieses Phänomen wird nach den noch vier ausstehenden Saisonspielen genau analysiert. „Wir werden vielleicht nicht gerade jeden Stein umdrehen, aber schon unsere Schlüsse für die Zukunft ziehen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Claus Mai. In Die Zukunft sieht für die Mannschaft von Trainer Markus Baur zwangsweise die Konzentration auf Bundesliga und nationalen Pokal vor. Nur ein Titelgewinn beim Final Four in Flensburg hätte für den EHF-Pokal-Sieger der Jahre 2011, 2012, 2016 und 2017 die erneute Qualifikation fürs internationale Geschäft bedeutet, vielleicht sogar die lukrative Teilnahme an den Spielen um die Club-Weltmeisterschaft im September in Doha.
Die Chance hat Frisch Auf verspielt. Was auch den Geschäftsführer enttäuschte: „Wir hätten gerne mit einem Europapokalerfolg dem Trend in der Bundesliga entgegengesteuert. Finanziell hat die Nichtteilnahme zwar keine großartigen Auswirkungen, aber für das Image ist es natürlich immer eine ganz besonders schöne Sache mit dabei zu sein“, sagte Gerd Hofele. Das einzig Positive: In der kommenden Saison fällt die Doppelbelastung weg. „Wir haben 20 Spiele weniger, das ist eine zusätzliche Verpflichtung, in der Liga in der kommenden Saison wieder besser abzuschließen.“
Die Frage bleibt, was besser heißt. Es wäre keine Sensation, wenn die Antwort irgendwo in der Mitte zwischen Vorjahresplatz fünf und dem aktuellen Rang 14 liegen würde. Denn in Abwehrchef Blaz Blagotinsek bricht ein erfahrener Abwehrchef und Führungsspieler weg – er wechselt zur SG Flensburg-Handewitt. Und hinter den Alternativen für seine Rolle im Innenblock stehen Fragezeichen, da sowohl Vid Poteko als auch Sebastian Heymann mit Verletzungen zu kämpfen haben.
Gegen BM Granollers Kozina 5, Sarac 5, Lindenchrone 4, Schiller 4/3, Schmidt 4, Gulliksen 3, Malus 2, Heymann 1.
Gegen Montpellier HB Schiller 6/5, Malus 5, Sarac 5, Goller 4, Blagotinsek 3, Kozina 3, Schmidt 3, Duarte 2, Lindenchrone 2.
Bundesliga
MT Melsungen – Frisch Auf (1. Juni, 19.05 Uhr), Frisch Auf – Füchse Berlin (4. Juni, 16.05 Uhr), VfL Gummersbach – Frisch Auf (8. Juni, 19.05 Uhr), Frisch Auf – THW Kiel (11. Juni, 15.30 Uhr).