Es war nicht nur dieses starke Entscheidungsverhalten unter Druck, das den Spielmacher so wertvoll machte. Er steuerte das Spiel auch sehr umsichtig, in Vertretung des Schweden Ludvig Hallbäck, der bis zu seiner schweren Ellbogen-Verletzung am 6. April in Hannover der überragende Frisch-Auf-Spieler der Saison war und weiterhin bis zum Sommer ausfällt. Newel kommunizierte viel, brachte Struktur in den Angriff und strahlte Ruhe aus. „Elias bringt einen hohen Handball-IQ mit. Seine Mitspieler fühlen sich wohl mit ihm, sie vertrauen ihm“, sagt Matschke, der den Rückraum-Mitte-Mann außerhalb des Feldes als „ruhigen Spaßvogel“ bezeichnet.
Erstes Aufstiegsspiel in Rostock
Newel besitzt in dieser Saison noch ein Zweifachspielrecht für den HC Oppenweiler/Backnang. Mit dem Drittligisten spielt er demnächst in der Aufstiegsrunde zur zweiten Liga. Am 18. Mai (16 Uhr) geht es beim HC Empor Rostock los – und dann wird’s richtig stressig für den Rechtshänder. Am 16. Mai (19 Uhr) spielt er Frisch Auf um Bundesligapunkte im Derby bei der SG BBM Bietigheim, am 19. Mai (19 Uhr) kommen die Füchse Berlin in die EWS-Arena. „Da gibt es in der Tat einen Engpass, danach entspannt sich die terminliche Lage“, sagt Newel, der laut Matschke in der kommenden Saison nur noch für Frisch Auf spielen wird.
U-21-WM im Juni in Polen
Bis dahin aber befindet er sich sogar im Dreifacheinsatz. Denn auch im Kader der deutschen U-21-Nationalmannschaft ist er eine feste Größe, genauso wie Frisch-Auf-Keeper Julian Buchele. Vom 18. bis 29. Juni findet die WM in Polen statt. Und auf dem Weg dorthin hätte Bundestrainer Martin Heuberger Newel liebend gerne beim Vierländerturnier am kommenden Wochenende in Kloten/Schweiz dabei gehabt. Doch Newel sagte für den Lehrgang und die Spiele gegen Spanien (Freitag, 19.30 Uhr), Frankreich (Samstag, 19.30 Uhr) und die Gastgeber (Sonntag, 13.30 Uhr/alle Spiele auf www.handball.net/videocenter) ab.
Gegen Erlangen bekam er einen Schlag aufs Knie, der Bluterguss zwingt ihn zu einer Pause. „Schade, wenn Elias fit ist, ist er eine wichtige Stammkraft“, sagt Heuberger, der vor allem die Durchschlagskraft im Eins-gegen-Eins und seine Kreativität im Angriff schätzt. Wo er noch zulegen muss? Am ehesten noch in der Abwehrarbeit, damit der zwar nur 1,82 Meter große, aber kräftige Rechtshänder auch auf der Halbposition decken kann.
Heuberger fordert mehr Egoismus
Zudem darf Newel, wenn es nach dem Talentschmied aus der Ortenau geht, gerne noch egoistischer werden: „Manchmal ist mir Elias noch zu mannschaftsdienlich, anstatt abzuspielen, sollte er lieber selbst aus sechs, sieben Metern abziehen“, meint Heuberger. So wie das Frisch-Auf-Stammspielmacher Hallbäck mit seinem knallharten Schlagwurf bis zu seiner Verletzung in schöner Regelmäßigkeit machte.
Mayerhoffer knüpfte Kontakt
„Von Ludvig habe ich viel gelernt, aber natürlich auch von meinen Trainern“, sagt Newel. Neben Heuberger und Matschke ist das aktuell Stephan Just beim HC Oppenweiler/Backnang, davor dessen Vorgänger Daniel Brack, hinzu kommt Weltmeister-Spielmacher Markus Baur bei Frisch Auf. Nach Göppingen gebracht hat ihn 2022 aber ein anderer: Matschkes Vor-Vorgänger Hartmut Mayerhoffer. Der Augsburger mit den Wurzeln in Donauschwaben kannte Newels Mutter Ulrike, die in Bayern als Handballtrainerin tätig ist. Und nach einem Probetraining bei Frisch Auf nahm alles seinen Lauf, was sich früh angedeutet hatte.
Bereits im Alter von zwei Jahren hüpfte, krabbelte und rannte der in der Eishockey-Hochburg Bad Tölz geborene und im nahen Geretsried aufgewachsene Newel an der Seite seiner Mutter durch die Handballhallen. Ulrike Newel trainierte den Nachwuchs der HSG Isar-Loisach, fast durchweg spielte Elias in den höchstmöglichen Ligen. Im zweiten B-Jugend ging’s in die U 19 des TSV Allach, zwei Jahre später sagte er erstmals Bayern servus und wechselte zu Frisch Auf, anfangs ausgestattet mit einem Zweifachspielrecht für den TV Plochingen.
Vom Tor in den Rückraum
Wie unschwer zu vermuten, hat er der Mama viel zu verdanken – sogar was die Position betrifft, auf der er den Durchbruch schaffte. „Eigentlich wollte ich immer Torwart werden und Thierry Omeyer war mein Vorbild, doch meine Mutter meinte, dafür sei ich zu klein. Für die Entscheidung bin ich ihr im Nachhinein sehr dankbar“, sagt Newel mit einem Schmunzeln. Und mit ihm gleich drei Mannschaften, für die er im Einsatz ist.
Info
Bundesliga
MT Melsungen – Frisch Auf 30:23, Frisch Auf – ThSV Eisenach 31:27, Frisch Auf – SC Magdeburg 25:28, Rhein-Neckar Löwen – Frisch Auf 29:28, Frisch Auf – SG Flensburg-Handewitt 27:27, HSG Wetzlar – Frisch Auf 30:26, Frisch Auf – SC DHfK Leipzig 29:27, TSV Hannover-Burgdorf – Frisch Auf 30:36, Frisch Auf – THW Kiel 29:36, HSV Hamburg – Frisch Auf 31:30, Frisch Auf – HC Erlangen 25:24, SG BBM Bietigheim – Frisch Auf (16. Mai, 19 Uhr), Frisch Auf – Füchse Berlin (19. Mai, 19 Uhr), VfL Gummersbach – Frisch Auf (28. Mai, 19 Uhr), 1. VfL Potsdam – Frisch Auf (31. Mai, 19 Uhr), Frisch Auf – TVB Stuttgart (5. Juni, 19 Uhr), TBV Lemgo Lippe – Frisch Auf (8. Juni, 15 Uhr). (jüf)
Zweitliga-Aufstiegsrunde
Diese acht Vereine spielen zwei Aufsteiger in die zweite Liga aus: HC Oppenweiler/Backnang, MTV Braunschweig, HC Empor Rostock, HC Eintracht Hildesheim, TV Emsdetten, Wölfe Würzburg, HSG Krefeld Niederrhein, TV Gelnhausen. Der HC Oppenweiler spielt am 18. Mai (16 Uhr) in Rostock, am 25. Mai (16 Uhr) findet das Rückspiel in Backnang statt. Der Sieger trifft auf den Sieger Hildesheim oder Gelnhausen. Termine: 31. Mai/1. Juni und 7./8. Juni. (jüf)