Frisch Auf Göppingen Urh Kastelic – der Königstransfer im Tor

Von Jürgen Frey 

Die Handballer von Frisch Auf Göppingen wollen in der neuen Saison näher an die Spitze heranrücken. Die größten Hoffnungen ruhen dabei auf dem neuen Torwart. Der Vorteil von Urh Kastelic: Er ist großen Druck gewohnt.

Auf Urh Kastelic ruhen große Hoffnungen bei Frisch Auf Göppingen: Der Neuzugang bildet gemeinsam mit Daniel Rebmann ein junges Torwart-Gespann. Foto: Baumann
Auf Urh Kastelic ruhen große Hoffnungen bei Frisch Auf Göppingen: Der Neuzugang bildet gemeinsam mit Daniel Rebmann ein junges Torwart-Gespann. Foto: Baumann

Göppingen - Urh Kastelic bringt zum vereinbarten Treff in der Göppinger Innenstadt Verstärkung mit. Mitspieler Kresimir Kozina gesellt sich dazu. Als Dolmetscher. Dabei hat der neue Torwart von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen die Übersetzungskünste des Kreisläufers eigentlich gar nicht nötig. Der Slowene spricht ordentlich Deutsch. Im Gymnasium in seiner Heimatstadt Krško hat er es als zweite Fremdsprache gewählt. Warum? Weil der schon bevor er mit 15 Jahren ins Handball-Internat nach Celje wechselte, wusste, was er will: Profi-Torwart in Deutschland werden.

Sonntag geht’s los in Kiel

Jetzt hat er dieses Ziel erreicht. Mit 23 Jahren. „Ich habe zu meiner Freundin gesagt, ich gehe auf jeden Fall – ob du mitkommst oder nicht“, sagt der 2,01-m-Mann und strapaziert die Lachfältchen in seinem Gesicht. Evelina kam mit und unterstützt ihn in der neuen Umgebung. Alles passt. Es kann losgehen mit dem Saisonstart an diesem Sonntag (16 Uhr/Sky) beim THW Kiel.

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Ablösesumme an RK Zagreb

Für Frisch Auf ist Urh Kastelic nicht irgendeine Verpflichtung. Der slowenische Nationalkeeper ist der Königstransfer des Sommers. Das zeigt auch die Tatsache, dass er für eine festgeschriebene Ablösesumme im mittleren fünfstelligen Bereich aus seinem Vertrag beim kroatischen Topclub RK Zagreb herausgekauft wurde. Von ihm verspricht sich der Vorjahres-Achte mehr Konstanz zwischen den Pfosten. Mehr Beständigkeit als von seinem Vorgänger und Landsmann Primoz Prost (36/zum Wilhelmshavener HV), dessen Vertrag nach sieben Jahren nicht verlängert wurde. „Natürlich habe ich mich bei ihm über Frisch Auf informiert – und er hat mir schon im vergangenen Oktober zu dem Wechsel geraten“, erzählt Kastelic. Damals stand noch nicht endgültig fest, dass Prost gehen muss – und Kastelic mit Daniel Rebmann (25) das neue Duo bilden wird.

Junges Torwart-Gespann

Jetzt also bilden die beiden mit das jüngste Torwart-Gespann der Liga. Trainer Hartmut Mayerhoffer ist sich sicher: „Die beiden ergänzen sich glänzend.“ Und zwar deshalb, weil sie dermaßen unterschiedlich sind. Der elf Zentimeter kleinere Rebmann ist ein Instinkthandballer, lebt von seiner Intuition, besticht durch seine Schnelligkeit und Dynamik und machte in der vergangenen Saison große Fortschritte. Kastelic verkörpert die klassische „jugoslawische Torwartschule“: Ihn zeichnet sein außergewöhnlich gutes Stellungsspiel aus. Er beschäftigt sich mit Winkeln und Räumlichkeit, er bleibt lange stehen, arbeitet viel aus dem Oberkörper heraus, die Beweglichkeit in den Beinen spielt eine geringere Rolle als beispielsweise bei den Skandinaviern. „Wenn wir Daniel und Urh teilen könnten und von jedem das Beste nehmen würden, hätten wir den perfekten Torwart“, sagt Alexander „Sascha“ Vorontsov (56). Göppingens russische Torwart-Trainer-Legende muss es wissen. Unter ihm entwickelten sich schon weibliche und männliche Keeper auf Weltklasse-Niveau, wie zum Beispiel Tess Wester (früher SG BBM Bietigheim) oder Johannes Bitter vom TVB Stuttgart.

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Internationale Erfahrung

Jetzt soll Urh Kastelic der nächste werden, der in diese Kategorie aufsteigt. Seine Klasse hat er schon auf der internationalen Bühne bewiesen: Mit RK Zagreb in der Champions League, mit der Nationalmanschaft (29 Länderspiele) zum Beispiel bei der WM 2017 in Frankreich, als Slowenien Bronze holte. „Ich möchte auch mit Frisch Auf wieder in Europa spielen“, sagt er selbstbewusst. Dass auf ihm dabei die größten Hoffnungen ruhen, empfindet er nicht als Druck. „Druck“, sagt er und seine Mundwinkel gehen nach oben, „Druck bin ich ganz anderen gewohnt. Wenn du mal in Zagreb gespielt hast, weißt du was Druck ist. Da darfst du kein Spiel verlieren, sonst ist der Teufel los.“

Kastelic will Verantwortung übernehmen

Als müsse er seine Worte ein wenig wirken lassen, nippt er gelassen an seinem Wasser. Dann nutzt er doch noch die Dolmetscherkünste von Kresimir Kozina und bespricht sich kurz mit seinem Mitspieler. Der antwortet dann im Auftrag von Kastelic: „Urh ist es wichtig zu sagen, dass er sich seiner Verantwortung bewusst ist und bereit ist, durchs Feuer zu gehen.“ Das kommt rund um die „Hölle Süd“ genannte Heimspielstätte EWS-Arena gut an. Jetzt müssen nur noch Taten folgen. Am besten gleich am Sonntag in Kiel.