Zarah Yaprak lebt in Sindelfingen, arbeitet als Friseurin in Ehningen und reist im September zur Fashion Week nach New York. Eins ist jetzt schon sicher: Langweilig wird ihr nicht.

Die Entfernung zwischen Ehningen, Kreis Böblingen, und New York, USA, beträgt – das Internet liefert die genaue Zahl – 6288,04 Kilometer. Das ist ziemlich weit und macht Zarah Yaprak doch ein wenig nervös.

 

„So lange“, sagt sie, „bin ich noch nie in einem Flugzeug gesessen.“ Allerdings: die Nervosität nimmt sie sehr gerne auf sich. „Die Vorfreude auf das, was mich erwartet, ist viel größer, als die Angst vor dem Flug.“

Ihr Job im nächsten Monat: Perfekte Frisuren für den Laufsteg

In New York wird Zarah Yaprak Teil der Fashion Week 2025 sein. Sie wird mit dabei sein, bei der großen US-amerikanischen Modenschau, hinter den Kulissen, als eine von 25 Friseurinnen, denen die Organisation „Grenzenlos“ einen Aufenthalt im „Big Apple“ ermöglicht. „Grenzenlos“ ist eine Plattform, die Friseurinnen und Friseuren die Möglichkeit gibt, zu reisen, zu arbeiten, zu lernen.

Zarah Yaprak ist 25 Jahre alt, wurde geboren in Herrenberg, lebt nun in Sindelfingen und arbeitet im Ehninger Friseursalon La Rosa. Sie ging in Herrenberg zur Schule, später dann in Sindelfingen, begann 2017 eine Ausbildung zur Friseurin, beendete sie 2020. Im Oktober 2024 besuchte sie ein Event der Friseurbranche in Hannover. Dort fand sich ein Stand von „Grenzenlos“, dort hatte sie Gelegenheit, sich in zwei Listen mit Bewerbern einzutragen, für New York oder Miami.

Sie bewarb sich auf beide Angebote und bekam im Januar den Bescheid, dass sie reisen werde, nach New York. Sie freut sich: „Ich wollte mich schon früher bewerben, aber es hat sich nicht ergeben. Es ist auch schwierig, da hinein zu kommen.“ 25 Friseurinnen und Friseure reisen mit ihr. Sie alle werden dafür sorgen, dass die Frisuren der Models auf den Laufstegen der Fashion Week glänzen und in Form bleiben.

Zur Vorbereitung auf die Fashion Week gab es ein Bootcamp

Die Fashion Week in New York gehört zu den fünf großen internationalen Modewochen. Andere Fashion Weeks finden statt in London, Paris, Mailand, Berlin. Was in New York auf sie zukommt, das weiß Zarah Yaprak nur von ungefähr – aber sie ist vorbereitet. Friseurinnen stehen während der Modewoche auf Abruf bereit, können von Modedesignern kurzfristig engagiert werden. Teamwork ist gefragt, denn stets werden die Haarspezialistinnen zu dritt an einem „Kopf“ arbeiten. Zarah hat das schon erlebt, bei Training für den Einsatz in New York, in einem Bootcamp, das Mitte Juli in Solingen stattfand.

Beim Training dort wurden Situationen geprobt, wie sie in New York eintreten können. Ein Ausbilder beispielsweise nahm dem Haarteam einen „Kopf“ sehr plötzlich weg – „She must go tot he Make-up Artist“, sagte er – das Model müsse sich nun zum Schminken begeben. Die Locken aber mussten schon fest sein, mussten halten.

Das Bootcamp in Solingen nahm Zarah Yaprak viel von ihrer ursprünglichen Unsicherheit. Dort lernte sie auch, dass manches, mit dem sie aus ihrem Berufsalltag vertraut ist, in den USA einen anderen Namen trägt. Die „Pin-Curl“ beispielsweise wird in Deutschland Papilotte genannt. Es ist eine Locke, die von Hand eingelegt, dann mit einer Spange fixiert wird und auskühlen darf. In New York freilich muss alles sehr viel schneller gehen. „Im Salon haben wir die Möglichkeit, sie in Wickler einzulegen und eine halbe Stunde trocknen zu lassen. Bei der Fashion Week geht das nicht. Dort wird es anders erarbeitet. Es kommt mehr Haarspray zum Einsatz.“

„Bühnentauglich“ – das vor allen Dingen müssen die Frisuren der Models sein. Die Friseurinnen müssen das Teamwork beherrschen, müssen schnell sein, Durchhaltevermögen besitzen, Anweisungen augenblicklich befolgen. Die Zeitfenster sind knapp, die Frisuren extravagant. „Alle sechs Hände werden gebraucht.“

Viel sehen wird sie von New York nicht

Friseurin wollte Zarah Yaprak immer schon werden. „Meine Tante hatte einen Friseursalon in Schönaich. Seit ich denken kann war ich bei ihr. Mir hat das gefallen.“ Nur einmal, als sie ein Praktikum absolvierte und die Stelle ihr kaum geeignet schien, zweifelte sie an ihrem Berufswunsch. Das legte sich. „In der Ausbildung“, sagt sie, „ist die Vergütung, gemessen an der Leistung, die man bringen muss, nicht so toll. Aber es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Zur Friseurin muss man schon geboren sein.“

Der Friseurin aus Sindelfingen ist klar, dass sie von der großen Stadt New York nicht viel zu sehen bekommen wird. Zarah Yaprak hat sich vorgenommen, ein oder zwei Aussichtspunkte zu besuchen, um auf New Yorks Lichtermeer zu blicken. Darüber hinaus erwartet sie nichts als Arbeit – das weiß sie und das wünscht sie sich. „New York kann ich später noch einmal besuchen. Die Fashion Week alleine ist schon ein Highlight.“

Raus aus der Komfortzone, rein in den Backstage-Bereich

In Ehningen, im kleinen Friseursalon „La Rosa“, arbeitet Zarah Yaprak gerne. „Ich würde uns schon als ausgefallen und kreativ bezeichnen“, sagt sie. New York jedoch, auch das weiß sie, ist während der Fashion Week noch bunter, belebter, noch mehr stylish, als es ohnehin schon ist.

„Es ist toll, dort zu den wichtigen Leuten backstage zu gehören. Und es ist eine große Sache für mich, meine Komfortzone zu verlassen. Ich gehe hin und ich weiß: Ich komme auf jeden Fall als eine andere Friseurin zurück.“