Kommunen in der Region Stuttgart Nur leichte Entspannung auf dem Baumarkt

Weniger Aufträge führen teils zu günstigeren Angeboten. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Die absolute Boom-Zeit, klagt die Bauwirtschaft, scheint vorbei. Doch nur selten führt diese Entwicklung bisher zu deutlich günstigeren Angeboten.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Stuttgart - Die Corona-Krise ist nicht an allem schuld. Schon vor einem Jahr zeichnete sich in der deutschen Wirtschaft eine Konjunkturdelle ab. Nach vielen Rekordjahren, in denen dank sprudelnder Steuereinnahmen die Städte und Kommunen auch in der Region Stuttgart den vorhandenen finanziellen Spielraum nutzen konnten, um neue Projekte zu verwirklichen oder zumindest den Sanierungsstau ein wenig abzubauen, mussten sie nun wieder umdenken.

 

Ein Hauptprofiteur des wirtschaftlichen Höhenflugs war die Bauwirtschaft. In den vergangenen vier, fünf Jahren herrschte dort geradezu Goldgräberstimmung – mit für die Kommunen oft unangenehmen Folgen. Auf öffentliche Ausschreibungen kamen oft nur ein oder zwei Angebote – und die waren so teuer, dass sie den eingeplanten Preisrahmen regelmäßig und dabei oft sogar bei Weitem sprengten. „Wir haben – wie viele andere Städte auch – immer wieder Ausschreibungen aufheben müssen, weil die geforderten Preise einfach zu hoch waren“, erinnert sich die Reutlinger Baubürgermeisterin Ulrike Hotz.

Minus im Tief- und im Straßenbau

Am Mittwoch hat die baden-württembergische Bauwirtschaft bei einer Pressekonferenz nun einen deutlichen Rückgang der Aufträge vor allem im Tief- und Straßenbau beklagt. Das Minus im Straßenbau liege in den ersten sechs Monaten bei 14,1 Prozent, das im Tiefbau bei 11,1 Prozent, so der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Markus Böll.

Noch sei es zu früh, um einen generellen Trend auszumachen, heißt es übereinstimmend aus vielen Rathäusern und Landratsämtern. Aber es gibt tatsächlich erste Anzeichen dafür, dass die ausbleibende Auftragsflut dazu führt, dass sich die Bauunternehmen verstärkt und mit teilweise günstigeren Angeboten als noch vor einigen Monaten darum bemühen, an Aufträge heranzukommen.

„Es versuchen immer noch Firmen, überteuert zu Aufträgen zu kommen“

Das gelte, so die übereinstimmende Auskunft, aber bisher ausschließlich für den Bereich des Tief- und Straßenbaus. Vor allem im Hochbau und beim Ausbau des Breitbandnetzes sei die Lage nach wie vor sehr angespannt – und die Preiskurve zeige weiterhin eher nach oben: „Es versuchen immer noch Firmen, überteuert zu Aufträgen zu kommen, vor allem wenn sie wissen, dass die Nachfrage hoch ist. Das betrifft etwa Digitalisierungsmaßnahmen“, sagt die Baubürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen, Eva Noller.

Besonders kleinere Städte vermelden aber erste Anzeichen für eine Konjunkturberuhigung in der Bauindustrie: In Weilheim (Kreis Esslingen) etwa berichtet der Bürgermeister Johannes Züfle von mehr Angeboten im Bereich Straßen- und Wasserleitungsbau sowie bei der Kanalsanierung und beim Bau von Lärmschutzwänden. Nachdem die Preise seit 2015 kontinuierlich gestiegen seien und man sich bei der Kalkulation darauf eingestellt habe, führe die Stagnation der Preise nun dazu, dass die Angebote günstiger seien als die Kostenberechnungen.

Es gibt deutlich mehr Angebote

Auch in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) und Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) liegen einige aktuelle Angebote vor, die teilweise sogar günstiger sind als veranschlagt. Die Pressesprecherin von Bietigheim-Bissingen, Annette Hochmuth: „Auch die Zahl der Anbieter steigt wieder an: Wo es vorher drei oder vier waren, wenn überhaupt, sind es heute fünf bis zehn.“

Die Versuchung, nach wie vor möglichst viel für zu erbringende Leistungen zu verlangen, scheint aber mit der Größe der Städte zuzunehmen. Der Stuttgarter Stadtsprecher Martin Thronberens formuliert es so: „Wir haben den Eindruck, dass die Firmen mehr freie Kapazitäten haben. Auf die Angebote hat dies bisher allerdings keine Auswirkung. Wir können bisher nicht feststellen, dass die Angebote günstiger sind als in der Vergangenheit. Vielleicht ist dies im kommenden Jahr der Fall.“ Ähnliches ist aus Sindelfingen und Esslingen zu hören. Dort, so der Sprecher Niclas Schlecht, seien die Ausschreibungen zuletzt „mit großem Interesse heruntergeladen worden. Auch gibt es zahlreiche Angebote. Die Preise sind aber in den letzten Jahren stetig gestiegen. Hier ist keine Erleichterung erkennbar.“

Ein Hoffnungsschimmer für die Kreise und Kommunen in der Region kommt aus Göppingen: Zwar sind die Angebote für das zweite Vergabepaket der Hochhaussanierung des dortigen Landratsamts noch nicht vollständig ausgewertet. Allerdings, so die Kreissprecherin Clarissa Weber, „haben wir deutlich mehr Angebote als bei Vergaben in der Vergangenheit bekommen. Und auch das Preisniveau ist als positiv zu bewerten.“

Weitere Themen