Frostschäden im Kreis Böblingen Die Ernte droht auszufallen

Den Weinreben am Ehrenberg bei Leonberg hat der Frost geschadet. Die Wengerter befürchten einen Ernteausfall. Foto: factum/Granville, Albert Kaspari
Den Weinreben am Ehrenberg bei Leonberg hat der Frost geschadet. Die Wengerter befürchten einen Ernteausfall. Foto: factum/Granville, Albert Kaspari

Die frostigen Nächte am Donnerstag und Freitag haben Obstbäumen und Weinreben im Kreis Böblingen teilweise stark zugesetzt. Winzer und Obstbauern sorgen sich um ihre Ernte.

Böblingen: Rebecca Baumann (rmu)
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Böblingen - Willy Brösamle ist entsetzt. Nach der eiskalten Nacht zum Donnerstag hat er seine Obstbäume auf Frostschäden untersucht. Sein Fazit: „Gute 50 bis 60 Prozent der Ernte sind dahin“, sagt der Zweite Vorsitzende des Kreisverbands Böblingen der Obst- und Gartenbauvereine. Betroffen seien beispielsweise die frühen Apfel-, Kirsch- und Zwetschgensorten. „Es ist ein richtiges Elend.“

Noch düsterer sieht die Bilanz von Manfred Nuber, dem Obst- und Gartenbauexperten des Böblinger Landratsamts, aus. „Zwischen 90 und 98 Prozent der Blüten sind erfroren“, sagt er nach einem Besuch bei seinen Bäumen, die auf einer Anhöhe bei Weil der Stadt wachsen. Dort hat er in der Nacht zum Donnerstag eine Temperatur von minus 4,6 Grad gemessen. „Das ist schon heftig“, sagt er. Alle sechs bis acht Jahre komme ein solcher Kälteeinbruch vor. Die Nacht zum Freitag sei auf seinem Land mit null Grad etwas wärmer gewesen. Der Schaden sei aber bereits angerichtet gewesen. Das Problem in diesem Jahr: Durch den warmen März und April hatten viele Bäume sehr früh ausgetrieben. „Und so ein Baum, der kann dann nicht mehr zurück“, sagt Nuber. Habe sich die Knospe einmal geöffnet, sei die Blüte der Witterung ausgesetzt. Und um die Bäume zum Schutz vor der Kälte wie beispielsweise in Südtirol zu besprühen, fehlten im Kreis Böblingen die nötigen Wasserressourcen.

Probleme beim Landkreisapfelsaft

Doch noch sei die Hoffnung nicht ganz verloren. Einige Sorten wie der spät blühende Taffetapfel hätten noch nicht ausgetrieben. Die Chance bestehe, dass sie Früchte tragen werden, sagt Nuber. Außerdem müssten nur drei bis fünf Prozent der Blüten eines Baumes überleben, um später eine Vollernte zu gewährleisten. „Wenn allerdings wie in diesem Jahr vom Start weg schon mehr als 90 Prozent der Blüten erfrieren und dann später im Jahr vielleicht Schädlinge den Rest zerstören, droht ein Komplettausfall“, erklärt Manfred Nuber.

Wenn die Apfelernte in diesem Jahr mager ausfällt, sieht es auch für den Böblinger Landkreisapfelsaft schlecht aus. 470 Obstbauern stehen bei der Apfelsaft-Initiative unter Vertrag, aus den Früchten ihrer rund 8500 Streuobstbäume wird normalerweise der Saft gepresst. „Wir müssen in diesem Jahr flexibel sein“, sagt Nuber, der auch an diesem Projekt beteiligt ist. Er denkt darüber nach, andere, bisher nicht beteiligte Obstbauern ins Boot zu holen. Denn: „Interessenten gibt es viele.“

Fällt der Weinjahrgang aus?

Auch Weinliebhaber könnten in diesem Jahr leer ausgehen. Die Stöcke in den Weinbergen rund um Leonberg, darunter beispielsweise der Ehrenberg, haben die kalten Nächte nicht gut verkraftet, sagt Albert Kaspari, der Erste Vorsitzende des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg. Am Freitagmittag hat er sie besucht, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Der Frost hat ganz schön zugeschlagen“, erklärt er. Einige Rebenaustriebe hätten sich durch die Kälte braun verfärbt, auch die Blätter seien trocken. „Bei den Trieben wächst in diesem Jahr nichts mehr“, sagt er und seufzt. Ob aber der komplette Weinjahrgang zerstört sei, müsse sich erst noch zeigen. Nicht bei allen Trieben könne man jetzt schon erkennen, ob und wie stark sie vom Frost geschädigt worden seien. Und dann kämen im Lauf des Jahres noch weitere Gefahren hinzu, die die nun sowieso schon kleinere Ernte weiter dezimieren könnten. „Dazu zählen beispielsweise Hagelschlag oder im Herbst die Kirschessigfliege“, sagt Kaspari. Keine guten Voraussetzungen also für den aktuellen Leonberger Jahrgang.

Noch ist die Gefahr für weitere frostige Nächte nicht endgültig gebannt. Sie könnten bis in den Mai hinein vorkommen, sagt Manfred Nuber. Das seien dann die berühmten Eisheiligen. „Ich hoffe aber, dass sie in diesem Jahr gestrichen sind“, sagt ­Albert Kaspari.




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